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In Limburg hat eine Tochter versucht, ihre Mutter zu ermorden. 

Prozess

Heimtückischer Mordversuch: Tochter sticht auf Mutter ein 

Wegen eines heimtückischen Mordversuchs an der eigenen Mutter muss sich eine 29-Jährige aus Bad Camberg im Strafverfahren vor dem Limburger Landgericht verantworten. Dass die junge Frau tatsächlich mit einem Küchenmesser auf ihre Mutter (49) eingestochen hat, steht außer Frage.

Limburg/Bad Camberg – "Zum Glück hat sie nur mich erwischt", sagte die Geschädigte in einer Verhandlungspause. Statt Bestrafung wünscht sie sich Heilung für ihre Tochter. "Sie ist mit der Krankheit doch genug gestraft. Ich begreife erst jetzt das ganze schreckliche Ausmaß ihres Gefühlslebens."

Am Nachmittag des 4. März klopfte die Angeklagte an die Terrassentür der Mutter. Diese freute sich sehr über den unangemeldeten Besuch. Doch während sie die Tür wieder schloss und der Tochter kurz den Rücken zuwandte, zog die Angeklagte das mitgebrachte Messer aus ihrer Tasche und ging in Angriffshaltung. Kaum hatte sich die Mutter zurückgedreht, stach die 29-Jährige zu. Die Klinge drang einige Zentimeter in den Oberkörper 49-Jährigen ein. Einen erneuten Stich konnte sie abwehren, wobei sie einen Schnitt zwischen Daumen und Zeigefinger erlitt. "Die Stichverletzung hätte auch einen tödlichen Verlauf nehmen können", so Staatsanwältin Selina Pawlik in ihrer Anklageschrift.

Limburg: Angeklagte bis dato unauffällig

Nach ihrer persönlichen Entwicklung befragt, er zählte die Angeklagte von einem gradlinigen Schulweg und einer kaufmännischen Berufsausbildung. Auch in ihrer Religionsgemeinschaft habe sie sich stark engagiert und war bereit, ihr Leben ganz in den Dienst für Gott zu stellen. Allerdings hätte sie sich bald überfordert gefühlt und wurde psychisch krank. Insbesondere litt unter einem Gefühl der ständigen Bevormundung, Beleidigung und Bestrafung durch die Mutter.

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Wenn sich die junge Frau in einer Psychose befand, kam es auch vor, dass sie Mobiliar und technisches Gerät zum Müll stellte. Im Zustand der Schuldunfähigkeit verursachte sie im April 2018 innerhalb von nur einer Stunde zwei Autounfälle und beging Fahrerflucht. Auch meldete sie sich wenige Wochen vor der verhandelten Tat bei der Notrufzentrale, weil sie glaubte, im Haus gegenüber einen Mord wahrgenommen zu haben.

Mordversuch in Limburg: Angeklagte setzt eigenständig Medikamente ab 

Zwar war die Angeklagte aufgrund einer paranoiden Schizophrenie seit Jahren in ärztlicher Behandlung, doch hatte sie im Februar 2019 aufgrund von Nebenwirkungen eigenmächtig das Medikament abgesetzt. Lediglich ein Antidepressivum nahm sie weiterhin ein. "Ich hatte schon kommen sehen, dass etwas Schlimmes passiert", sagte die Mutter. Deshalb hätte sie bereits einige Tage vor der Tat versucht, die Klinikeinweisung der Tochter über deren gesetzliche Betreuerin, die Polizei und das Gericht zu veranlassen. Leider erfolglos.

Denn am 4. März 2019 hatte die psychisch Kranke beschlossen, sich das vermeintlich gegen sie gerichtete Verhalten der Mutter nicht mehr gefallen zu lassen. "Ich wollte sie töten", sagt die 29-Jährige, "aber heute will ich nur noch ein gutes Verhältnis zu ihr haben".

Die Verhandlung wird am 18. September in Limburg fortgesetzt. Möglicherweise wird an diesem Tag auch schon das Urteil gesprochen. 

kka

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