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Das acht Hektar große Gelände der Firma Schuy an der Schaumburger Straße zwischen Limburg und Diez ist in den vergangenen Jahren sukzessive vergrößert worden; zuletzt um das frühere Busdepot (unten rechts). Es reicht vom Basaltring (links) bis zur Blechwarenfabrik. In der Spitze oben rechts soll die Produktion erweitert werden - und direkt gegenüber sollen die Penthouses entstehen. 

Blechwarenfabrik will Fabrikgebäude umgestalten

Geplante Wohnungen am Schrottplatz sorgen für Streit 

Um die geplanten Wohnungen am Schrottplatz in Limburg ist nun ein politischer Streit entbrannt. Nachbarn wollen bis zur letzten Instanz kämpfen.

Limburg – Auf dem Wohnungsmarkt in Limburg gibt es derzeit zwei Felder mit großer Nachfrage, die nicht ausreichend gedeckt werden kann. Dem Bedarf für bezahlbaren Wohnraum steht der Wunsch nach teuren Penthouses gegenüber. "Wir könnten Dutzende Häuser mit einer Etage auf hohen Stelzen errichten", sagt ein Bauherr. Jeder wolle nach oben.

Da wundert es kaum, dass auch die Inhaber der Blechwarenfabrik, die Familie Trappmann, in diesem Segment ein lukratives Geschäft wittert. Als das Unternehmen vor drei Jahren ankündigte, den Firmensitz an der Schaumburger Straße zu verlassen und ins Offheimer Gewerbegebiet zu ziehen, kam eine mögliche Nutzung des Areals für Wohnbebauung ins Spiel. Neben interessierten Investoren, die angeblich Schlange standen, meldete sich aber auch Nachbar Michael Schuy. Der Chef des Recycling-Unternehmens kündigte sofort bei der Stadt seinen energischen Protest an. Genutzt hat es ihm nichts.

Wohnen am Schrottplatz: Kein Termin bei Hahn

Den gewünschten Gesprächstermin bei Bürgermeister Dr. Marius Hahn hat er nach seinen Angaben bis heute nicht bekommen; stattdessen als Betroffener die inzwischen von der Stadt positiv beschiedene Bauvoranfrage der Familie Trappmann. "Das ist ein Unding", schimpft der geschäftsführende Gesellschafter. "Wohnungen und eine Schrottfirma in direkter Nachbarschaft sorgen automatisch für Konflikte". Schuy weiß, wovon er spricht. . . Auf der anderen Seite, am Basaltring, gab es die Probleme schon einmal, bis er mit verschiedenen Maßnahmen für Ruhe sorgte.

Produktion soll erweitert werden

Das Unternehmen will nun am äußeren Rand in Richtung Stadt und Blechwarenfabrik die Produktion erweitern und unter anderem eine Schrottschere aufbauen.

Der 63-Jährige sagte gestern dieser Zeitung, er werde mit allen juristischen Mitteln und notfalls bis zur letzten Instanz gegen das Projekt kämpfen. Renommierte Fachanwälte aus Köln haben bereits Widerspruch eingelegt und arbeiten noch an der Begründung.

Die Voranfrage für den Bauantrag von Hugo S. Trappmann vom September 2018 betrifft den Umbau eines Fabrikgebäudes in Wohn-, Büro- und Gewerbeeinheiten in der Stiftstraße. Dabei geht es um das U-förmige Gebäude. Unten sollen Räume für Büros und Gewerbebetriebe entstehen, oben Wohnungen. Das angrenzende Industriegebiet mit der Schrottfirma sei kein Problem, heißt es im Bescheid der Stadt vom Mai 2019.

Wohnen am Schrottplatz: FDP irritiert

Nach einem Besuch bei Schuy schlägt die Limburger FDP sich auf seine Seite. Die Fraktionsvorsitzende Marion Schardt-Sauer hat am Sonntagabend Bürgermeister Hahn angeschrieben und sowohl das Vorhaben als auch den Umgang mit Schuy kritisiert. "Ich finde es irritierend, ja auch ein wenig traurig, wie wir mit einem solchen Limburger Traditionsunternehmen umgehen", heißt es in dem Brief. Und weiter: "Durch den Bescheid ist die Situation bereits mehr als konfliktbeladen."

Wenn zwei für die Stadt wichtige wirtschaftliche Akteure Gegenstand von rechtlichen Streitigkeiten mit der Stadt seien, so Schardt-Sauer, müsse der Bürgermeister Lösungen finden. Die Liberale ärgert sich zudem darüber, von diesem Problem erst durch ihren Ortstermin und nicht in den städtischen Gremien erfahren zu haben. "Warum haben Sie nicht wenigstens die Fraktionsvorsitzenden im Ältestenrat informiert?", fragt die FDP-Vorsitzende Hahn. Sie verlangt, "dass das Parlament nun zeitnah eine umfängliche Information zum Sachverhalt erhält."

Die Stadt hat die gestern am frühen Nachmittag von dieser Zeitung gestellten Fragen nicht beantwortet. Die Stadt müsse sich vorher rechtlich beraten lassen, teilte Pressesprecher Laubach mit. 

hei

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