Tamara und Tochter Hannah Ullius haben sich mühsam ein Freilandeier-Geschäft aufgbaut. Da schmerzt die Hundesteuer für Pyrenäen-Berghund Odin und seine beiden Kollegen.
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Tamara und Tochter Hannah Ullius haben sich mühsam ein Freilandeier-Geschäft aufgebaut. Da schmerzt die Hundesteuer für Pyrenäen-Berghund Odin und seine beiden Kollegen.

Andere Kommunen haben Ausnahmen

Limburg: Hütehunde von der Steuer befreien

  • vonRobin Klöppel
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Für drei Tiere sind 700 Euro im Jahr fällig. Familie Ullius fordert eine Änderung der Satzung.

Limburg – Die Familie Ullius hat sich auf dem Weiherhof mit "Hannah's Freilandeier" eine zusätzliche Existenz aufgebaut. Tochter Hannah kam letztes Jahr zu bundesweiter Medienpräsenz, weil sie durch ihre Idee den nach einer schweren Erkrankung ihres Vaters Gerhard in der Existenz bedrohten Hof rettete. Die direkt über den Hof-Automat und über heimische Supermärkte vermarkteten Freilandeier sind mittlerweile immer ausverkauft und gehen so gut, dass die Familie Ullius auf drei Hühnergruppen und insgesamt 1500 Legehennen erhöhen konnte. So können täglich um die 1300 Eier angeboten werden.

Die Sache hat nur den Haken, dass bei drei Hühnergruppen im Freiland auch drei Hütehunde benötigt werden, um die Hühner vor im Schirlinger Feld herumlaufenden Füchsen sowie Greifvögeln aus der Luft zu schützen. Doch die sind, obwohl sie nachweislich reine Arbeitshunde sind, in Limburg nicht von der Hundesteuer befreit. Die Familie Ullius bräuchte eigentlich sogar noch einen zusätzlichen Hofhund, der die teuren Landmaschinen und Gerätschaften in der Scheune vor Vandalismus und Diebstahl schützt, wie Tamara Ullius berichtet. Sie hat sich schon an Bürgermeister Dr. Marius Hahn (SPD) sowie bei einem Hofbesuch an den CDU-Bürgermeisterkandidaten Stefan Laux gewendet.

Limburg: Familie legt Widerspruch gegen Steuerbescheid ein

Geändert hat sich aber bis heute an der Hundesteuersatzung im Stadtparlament nichts, so dass die Familie Ullius Widerspruch gegen den Steuerbescheid eingelegt hat. Sie möchte, dass das Thema jetzt öffentlich diskutiert wird, da es ein Thema sei, was gerade in Sachen Hofhund viele landwirtschaftliche Betriebe in Limburg betreffe. Für ihre Pyrenäen-Berghunde Odin, Jalzane und Wendelin soll die Familie Ullius nach eigenen Angaben im Jahr an die 700 Euro bezahlen. Das würde schon für das Futter für einen Hund für das ganze Jahr reichen.

Tamara Ullius glaubt nicht, dass alle ihre Kunden das mitgehen würden, wenn sie die Steuerausgaben voll auf die Eierpreise umlegen würde. Sie sagt, dass sie es testweise mehrere Tage ohne die Hunde versucht habe, in dieser Zeit aber mehrere Hühner von Bussarden gerissen worden seien. Zudem gebe es im Schirlinger Feld massive Probleme mit Füchsen. Da das Schirlinger Feld viel von Spaziergängern und Radfahrern genutzt werde, wolle sie diesen gerne weiterhin den Anblick ersparen, dass Hühner vor ihren Augen getötet würden.

Mit Ziegen für den Herdenschutz funktioniere es leider nicht. Da Hühner zu schwer seien, um sie einfach so wegzutragen, versuchten Bussarde ihrer Beobachtung nach keine Angriffe, wenn Hunde in direkter Nähe seien. Auch Füchse würden von den Hunden verbellt. Herdenschutzhunde seien keine Freizeit-, sondern reine Arbeitshunde, betont die Hofbetreiberin. Von daher findet Tamara Ullius, dass in diesem Bereich die Limburger Hundesteuersatzung von 1994 dringend geändert werden müsse. Sie würde es auch gut finden, allgemein über eine Steuersenkung für Hunde nachzudenken, denn gerade jetzt in Corona-Zeiten würden sich viele ältere Menschen Hunde anschaffen, um nicht ganz alleine zu sein. Viele Hundehalter ärgerten sich auch, dass die Hundesteuer in Limburg nicht zweckgebunden verwendet werde. So gebe es gerade mal einen Mülleimer im Schirlinger Feld an der Brücke und damit viele Plastiktüten voll Kot auf den Feldern.

Bürgermeister plädiert für Einzelfallprüfung

Anna-Sophie Seidel von der Pressestelle der Stadt Limburg erklärte auf Anfrage dazu: "Für die Kreisstadt Limburg stand beim Erstellen der Hundesteuer-Satzung ein moderater Steuersatz im Vordergrund, anstatt viele Ausnahmen zu definieren. Damit folgt die Stadt auch dem Grundsatz der Gleichbehandlung." Mit 66 Euro Hundesteuer für den ersten Hund liege Limburg nur knapp über dem durchschnittlichen Satz hessischer Kommunen von 65 Euro. Laut Seidel erhalten in Limburg aktuell nur Hunde eine Steuerbefreiung, "die ausschließlich dem Schutz und der Hilfe blinder, tauber oder sonstiger hilfloser Personen dienen". Ebenfalls befreit sind Hunde, die in Einrichtungen von Tierschutz- oder ähnlichen Vereinen untergebracht sind und im ersten Jahr Hunde, die von ihren Haltern aus einem Tierheim dauerhaft übernommen werden.

Seidel sagte, um weitere Ausnahmeregelungen für Steuerbefreiungen festzulegen, bedürfe es einer Änderung der Hundesteuersatzung nach Beratung im Magistrat und Beschluss der Stadtverordnetenversammlung. Aktuell gebe es, so Seidel, keinen Anlass für eine Satzungsänderung. Eine Nachfrage dieser Zeitung ergab, dass Nutzhunde in den Städten Bad Camberg, Weilburg, Hadamar und Runkel auf Antrag steuerfrei gestellt werden können, ebenso wie in der Staffeler Nachbargemeinde Elz. Bürgermeister Dr. Marius Hahn (SPD) meint dazu: "Ich persönlich bin der Meinung, dass diese Einzelfälle einer berufsbedingten Hundehaltung einzeln geprüft werden müssten." Er werde die Thematik noch mal im Magistrat diskutieren. (Robin Klöppel)

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