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Wie in der Hundeschule führen die Insassen auf dem Hof der Limburger JVA kleine Übungen mit den Hunden durch.

Pilotprojekt

JVA Limburg: Hunde helfen Häftlingen

Tierischer Besuch in der Limburger Justizvollzugsanstalt: Staatssekretär Thomas Metz und der Landtagsabgeordnete Joachim Veyhelmann schauten sich vor Ort das Pilotprojekt des Malteser Besuchs- und Begleitdienstes an. Alle zwei Wochen können Häftlinge mit Hunden eine Stunde auf dem Hof verbringen.

Viele strahlende Gesichter gab es gestern in der Limburger Justizvollzugsanstalt. Denn acht Hunde des Malteser Besuchs- und Begleitdienstes tummelten sich auf dem Gefängnishof. Alle 14 Tage sollen sie im Rahmen eines Pilotprojekts die Haftanstalt besuchen.

„Das ist megastark“, freute sich einer der Insassen über die willkommene Abwechslung. An der Leine führte er den stattlichen Rüden Aaron (9). „Aaron ist eine Athener Straßenmischung“, erzählt sein Herrchen, Hilmar Schmidt aus Westerburg. Aaron ist wie alle anderen Hunde der Gruppe die Aufmerksamkeit gewohnt. „Kürzlich stürzte sich eine ganze Klasse auf ihn. Er nahm das ganz gelassen.“

Für den Häftling, der lieber anonym bleiben möchte, ist der Umgang mit Aaron wie ein Kurs in der Hundeschule. Sorgsam führt er ihn an der Leine durch einen kleinen auf dem Hof aufgebauten Parcours. „Wir hatten zu Hause immer Hunde“, erzählt er. Seit Oktober sitzt er in Limburg ein. „Für mich ist es der erste Gefängnisaufenthalt“, sagt er. Inzwischen habe er sich aber gut an den Vollzugsalltag gewöhnt. Für die Familie draußen sei die Situation fast schon härter. Und welche Hunderassen bevorzugt er? „Es müssen schon Größere sein“, sagt grinsend eine der Malteser-Hundeführerinnen. So zählt auch Schäferhündin Biene zu seinen Favoriten.

„Das ist ein spannendes Projekt“, lobt der Staatssekretär im hessischen Justizministerium, Thomas Metz (CDU), die Aktion. Im Zuge neuer Vollzugsgesetze würde inzwischen ohnehin ein noch stärkeres Gewicht auf Resozialisierung gelegt. Das Projekt zeige aber auch, dass es nicht immer zentrale Vorgaben brauche, um etwas zu ändern, sondern dass auch dezentrale, örtliche Initiativen erfolgreich seien. Etwas, das auch von der jeweiligen Anstaltsleitung und dem Anstaltsbeirat abhänge. „Ich kenne ja alle 16 hessischen JVA-Standorte und weiß daher, dass der Limburger Beirat als besonders aktiv gilt“, lobt Thomas Metz das Engagement des Beiratsvorsitzenden Frank Sittel und seiner Mitstreiter. Sie stellten zudem eine wichtige Verbindung zur Gesellschaft sicher.

„Die Idee wird gut angenommen“, bestätigt auch Anstaltsleiterin Anja Müller. „Die Hunde haben eine stabilisierende und entspannende Wirkung auf den Vollzugsalltag.“ Das gelte besonders für Häftlinge, die zum ersten Mal hinter Gittern sind, betont die Sozialarbeiterin Franziska Liebl, die das Projekt innerhalb der Gefängnismauern betreut. Für viele sei die Erfahrung der kompletten Entmündigung schwer zu verarbeiten.

Der Umgang mit den Hunden helfe den Betroffenen auch dabei, Verantwortung zu übernehmen und Respekt gegenüber den Tieren zu entwickeln. Dinge, die vielleicht in ihrem früheren Leben zu kurz kamen. „Der Hund fragt nicht, was jemand verbrochen hat“, weiß Gruppenleiter Jürgen Klemm. „Für ihn zählt nur: Bist Du gut zu mir, dann bin ich es zu Dir.“

Wie aber kam es eigentlich dazu, dass die rund 50 Hunde des Besuchs- und Begleitdienstes nun auch hinter Gittern anzutreffen sind? „Der Vorschlag stammt von mir“, erzählt der Landtagsabgeordnete Joachim Veyhelmann (CDU). So hatte er sich vor mehreren Monaten zu einem Informationsgespräch mit dem Kreisbeauftragten der Malteser, Manuel Krzyniewski, getroffen. „Die

Rettungsfahrten

übernimmt hier im Landkreis das Rote Kreuz, die dadurch auch mehr in der Öffentlichkeit stehen“, weiß der Abgeordnete.

„Die Malteser sind dafür im Hintergrund sehr aktiv.“ Im Gespräch fiel daher auch die Rede auf die Aktivitäten des Besuchs- und Begleitdienstes. „Wir sind in 30 Einrichtungen, wie Hospitze und Pflegeheime aktiv“, ergänzt Jürgen Klemm. Die Hunde sind darauf trainiert, dass sie viel tolerieren. So sollen sie sowohl in Gesellschaft anderer Hunde, beim Ansturm von Kindern oder bei ruckartigen Bewegungen mancher Patienten immer die Ruhe bewahren. In der Regel halten die Tiere daher etwa eine Stunde durch.

Jedenfalls kam beim Gespräch das Eine zum Anderen und die Idee für die Gefängnisbesuche entstand. Anfragen beim Beirat und der Anstaltsleitung stießen sofort auf einhellige Begeisterung. So konnte Manuel Krzyniewski zum Beispiel selbst bei einer Beiratssitzung teilnehmen und sich die Einsatzbedingungen näher ansehen.

Dabei schwanden auch aufseiten der Malteser schnell mögliche Vorbehalte gegenüber der Aktion. Der Beschluss, das Pilotprojekt umzusetzen erfolgte im März. „Momentan sind insgesamt zehn Termine geplant“, erzählt der Kreisbeauftragte. Hessenweit gebe es nur noch eine weitere JVA mit einem ähnlichen Projekt. „So wie es momentan aussieht, gehe ich aber davon aus, dass es auch danach weitergeht.“ Noch sind die Besuche der Hunde kostenlos. Es kann aber sein, dass sich das in Zukunft ändern wird.

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