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Limburg: Im Bogen des Turms mahnt das Brückenmännchen

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Das zu Stein erstarrte Brückenmännchen blickt aus einer Eckkonsole auf Passanten des Limburger Brückenturms hinab. Allerdings muss man dafür durch den Torbogen gehen, der früher auch von Fußgängern genutzt wurde.
Das zu Stein erstarrte Brückenmännchen blickt aus einer Eckkonsole auf Passanten des Limburger Brückenturms hinab. Allerdings muss man dafür durch den Torbogen gehen, der früher auch von Fußgängern genutzt wurde. © Dieter Fluck

Die versteinerte Sagengestalt des geldgierigen Zöllners ist heute kaum noch zu entdecken

Limburg -Bis 1931 mussten Fußgänger auf der Alten Lahnbrücke durch den Bogen des Brückenturms laufen; denn erst in jenem Jahr wurde in dem damaligen Burkhardt'schen Mühlengebäude ein seitlicher Durchgang geschaffen. Mit zunehmendem Fahrzeugverkehr ist in der Folgezeit das sogenannte Brückenmännchen mehr und mehr aus dem Bewusstsein der Öffentlichkeit verschwunden. Dabei handelt es sich um ein in Stein gemeißeltes Gesicht, das in etwa vier Metern Höhe aus einer Eckkonsole des Brückenturmgewölbes herabblickt.

Wer aus der Westerwaldstraße die Brücke in Richtung Innenstadt ansteuert, erblickt das Objekt auf der linken (West)-Seite in Richtung des Domes. Es handelt sich um ein Relikt aus der Zeit, in der die Stadt Brückenzoll erhob. Dies war seit mindestens 1340 und bis 1905 der Fall und für die aufstrebende Handelsstadt Limburg ein einträgliches Geschäft. Schließlich führten fast alle wichtigen Straßen der Region wie auch die Fernstraße Antwerpen-Byzanz über die Alte Lahnbrücke.

Dass in dieser Jahrhundertelangen Zeit nicht alles nach Recht und Gesetz zuging, liegt im Bereich des Menschlichen. Bereits im Jahre 1341 rügte König Ludwig der Bayer die Stadt, weil sie ohne seine Genehmigung einen Brückenzoll erhoben hatte. Erst 16 Jahre später gewährte Kaiser Karl IV. Limburg das Zollrecht an der Brücke. Eine erheblich lange Zeit war das für Limburg sogar die größte Einnahmequelle, wie Eugen Stille in seiner Limburger Chronik berichtet.

Die Domstadt wusste ihren Brückenservice sehr wohl zu nutzen. Das gefiel nicht allen Nachbarn, die dagegen Klage führten. So berichtet der Chronist von einem Prozess um Brücken- und Stadtzoll "mit den Hübenern von Oberbrechen", der sich von 1573 unglaubliche 182 Jahre hinzog, ehe Limburg der Brückenzoll zugesprochen wurde. Aber nicht nur die Stadt wusste den Zoll zu ihren Gunsten zu nutzen. Ein Brückengelderheber soll es verstanden haben, mehr zu nehmen als recht und billig war.

Der Sage nach kontrollierte er besonders scharf, dass niemand Fremdes durchschlüpfen konnte. Das erbitterte vor allem die Fuhrmänner und Kaufleute, die mit ihren Wagen über die Brücke mussten. Mancher habe die Faust in der Tasche geballt und den geldgierigen Mann insgeheim verflucht, heißt es. Eines Tages als er wieder einen Fuhrmann kräftig ausgenommen hatte, habe er seinen Meister gefunden. Der zahlte zwar, stieß aber einen grässlichen Fluch aus und rief mit lauter Stimme: "Zu Stein sollst du werden, du Betrüger!"

Und das sei denn auch so geschehen, berichten Chronisten aus Erzählungen. Allerdings habe der zu Stein erstarrte Gelderheber fortan mitten auf der Straße Handel und Wandel behindert. Da habe man ihn genommen und zur ewigen Mahnung unter dem Brückenturm eingemauert. "Seitdem blickt er dort herab und wartet auf einen, der ihn erlöst", heißt es in der sagenhaften Erzählung des Limburger Malermeisters Theodor Bogner, die 1935 von Dr. Jakob Höhler aufgeschrieben wurde und in seinem Buch "Geschichte der Stadt Limburg" nachzulesen ist.

Wer das sogenannte Brückenmännchen näher betrachtet, dem fällt sein scheinbar grinsender Gesichtsausdruck auf. Ob aus Freude oder Schmerz, darüber haben bereits nachkommende Generationen spekuliert. Es soll für alle eine Warnung sein, die es mit fremdem Gut halten, wie es der Zöllner getan hat. Doch leider ist dieses Relikt aus vergangenen Jahrhunderten den Augen der Passanten verloren gegangen, da der Brückenbogen nicht mehr von Fußgängern durchlaufen werden darf. Zudem haben Autoabgase das Konterfei sichtlich eingeschwärzt, so dass der steinerne Mythos nur noch schwerlich zu erkennen ist.

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