Sie wollen sich im Limburger Jugendparlament engagieren, das vermutlich im Sommer 2022 das erste Mal zusammenkommt (von links): Yves Worch, Hannah Stock, Leni Rode, Leni Huth, Elina Stohr, der Leiter des Amts für soziale Betreuung, Christian Spiegelberg, und Nikita Gibin vor dem Limburger Stadthaus.
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Sie wollen sich im Limburger Jugendparlament engagieren, das vermutlich im Sommer 2022 das erste Mal zusammenkommt (von links): Yves Worch, Hannah Stock, Leni Rode, Leni Huth, Elina Stohr, der Leiter des Amts für soziale Betreuung, Christian Spiegelberg, und Nikita Gibin vor dem Limburger Stadthaus.

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Limburg: Jugendlichen eine Stimme und politisches Gewicht geben

  • Stefan Dickmann
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Diese Gruppe bereitet gemeinsam mit Christian Spiegelberg von der Stadt das Jugendparlament vor

Limburg -Sie sind fast alle 14 Jahre alt, besuchen die Tilemannschule oder die Marienschule und wollen etwas für Jugendliche in Limburg im Alter von 13 bis 17 Jahre tun, ihnen eine Stimme verleihen und ihre Interessen gegenüber den Stadtverordneten vertreten. Ohne die Corona-Pandemie würde das von den Stadtverordneten bereits Ende 2019 politisch gewollte Jugendparlament schon längst regelmäßig tagen. Nun sieht der Fahrplan vor, vor den diesjährigen Sommerferien das erste Mal zusammen zu kommen. Eine Vorgruppe von sieben Jugendlichen hat sich bereits gebildet. Bei einem Treffen im Stadthaus auf der Dietkircher Höhe zusammen mit dem neuen Leiter des Amts für soziale Betreuung, Christian Spiegelberg, sprachen sechs Mitglieder der Vorgruppe mit NNP-Reporter Stefan Dickmann über ihre Motivation und Ziele.

Warum macht Ihr beim Jugendparlament mit?

NIKITA GIBIN (14): Ich interessiere mich für Politik. Mein Eindruck ist, dass in Limburg schon viel für Jugendliche getan wird. Aber das machen eben immer nur Erwachsene. Es ist besser, wenn Jugendliche in meinem Alter mit entscheiden können.

LENI RODE (14): Wir wollen ein offenes Ohr für Jugendliche haben, die in Limburg wohnen oder weil sie hier die Schule besuchen und deshalb auch einen Teil ihrer Freizeit in Limburg verbringen.

HANNAH STOCK Stock (14): Politik ist sehr wichtig, sie beeinflusst unser Leben. Wir möchten mit dem Jugendparlament eigene Ideen umsetzen und so dafür sorgen, dass Limburg jugendfreundlicher wird.

YVES WORCH (13): Es geht darum, Jugendliche schon möglichst früh anzusprechen, für Themen zu begeistern, die sie betreffen, und ihnen zu zeigen, dass sie selbst Einfluss nehmen können.

Wie hat sich diese Vorgruppe gefunden?

CHRISTIAN SPIEGELBERG: Wir kennen uns durch die Teilnahme am Ferienprogramm der Stadt und haben sie gefragt, ob sie beim Jugendparlament mitmachen wollen und sie gebeten, auch ihre Freunde anzusprechen. Wegen der Corona-Pandemie eiern wir seit zwei Jahren mit dem Thema Jugendparlament herum und haben deshalb entschieden, lieber mit einer kleinen Gruppe zu starten.

Wie wollt Ihr erreichen, dass sich möglichst viele Jugendliche an diesem Parlament beteiligen?

HANNAH STOCK: Wir gehen dorthin, wo sich Jugendliche treffen, zum Beispiel im Jugendpark in der Südstadt. Und wir wollen die Schulen aufsuchen und dort uns und unsere Arbeit vorstellen.

Wie soll später die Kommunikation laufen?

LENI RODE: Viele Jugendliche wissen gar nicht, was es alles für Angebote für sie gibt. Da fehlt aus unserer Sicht eine App. Damit könnten wir sehr viele Jugendliche erreichen.

NIKITA GIBIN: Neben einer App könnte die Kommunikation auch über Instagram laufen.

CHRISTIAN SPIEGELBERG: Wir würden sehr gern einen eigenen Instagram-Kanal machen, um mit Jugendlichen in Kontakt zu treten, weil sich darüber alle in diesem Alter informieren. Aber das ist nicht so einfach. Das muss erst einmal innerhalb der Stadtverwaltung geklärt werden.

Wo soll das Parlament tagen?

CHRISTIAN SPIEGELBERG: Wir werden einen geeigneten Raum suchen. Vielleicht treffen wir uns in der Jugendfreizeitstätte der evangelischen Kirche am Bahnhof oder im großen oder kleinen Saal der Stadthalle. Je nach Größe des Parlaments macht vielleicht auch die Einteilung in Workshops Sinn. Und die Jugendlichen wollen auch Stadtverordnete zu ihren Sitzungen einladen.

Wie nehmt Ihr Politik wahr?

ELINA STOHR (14): Bei der Kommunalwahl und der Bürgermeisterwahl im März habe ich mir angeschaut, wer zur Wahl steht und wer gewählt worden ist. Ich finde es gut, dass wir bald mitreden können.

LENI HUTH (14): Mein Vater ist Stadtverordneter und erklärt mir viel, wenn ich ihn was frage. Wir haben zum Beispiel auch über die Bäume auf dem Neumarkt diskutiert, als es Pläne gab, diese zu fällen und durch neue zu ersetzen.

NIKITA GIBIN: Ich weiß, dass vor den Sitzungen der Stadtverordneten schon vorher viel geklärt wird, in der Fraktion und auch in den Ausschüssen.

HANNAH STOCK: Ich habe durch unsere Gruppe bereits viel über Politik gelernt. Wir waren in einer Ausschusssitzung und haben den Ablauf mitgekriegt. Das war für mich ein guter Einblick in die Parteien und wie sie versuchen, ihre Themen zu setzen. Da habe ich schnell gemerkt, wer sich versteht und wer nicht. Aber wir wollen ja keine Parteien bilden, sondern gemeinsam nach Lösungen suchen.

Wird es auch Wahlen zum Jugendparlament geben?

CHRISTIAN SPIEGELBERG: Am Anfang sollen möglichst viele Jugendliche im Parlament zusammen kommen, im Grunde jeder, der Lust hat mitzumachen. Aus dieser Runde soll ein zehn- bis zwölfköpfiger Vorstand gewählt werden, der die Beschlüsse des Jugendparlaments gegenüber den Stadtverordneten vertritt. Später sind dann auch Wahlen zum Parlament vorgesehen. Wie genau das ablaufen soll, werden die Jugendlichen mit Unterstützung der Stadtverwaltung besprechen.

Warum ist das Jugendparlament begrenzt auf 13- bis 17-Jährige?

NIKITA GIBIN: Wir haben uns da viele Gedanken gemacht, ob auch Jüngere dabei sein sollten und geschaut, ab welchem Alter ein möglichst dauerhaftes Engagement ernster genommen wird. Wir glauben, dass 13 ein gutes Einstiegsalter ist. Und wer schon 18 Jahre alt ist, der könnte sich ja auch in die Stadtverordnetenversammlung wählen lassen.

LENI RODE: Jugendliche haben nun einmal andere Interesse als Kinder. Was spricht dagegen, zusätzlich ein Kinderparlament zu gründen?

Wer ist in der Verwaltung der Ansprechpartner fürs Jugendparlament?

CHRISTIAN SPIEGELBERG: Die Stadt hat zum 1. Januar mit Kevin Heller einen neuen Mitarbeiter im Amt für soziale Betreuung eingestellt. Zu seinen Aufgaben gehört es, sich um das Jugendparlament zu kümmern. Es soll den Jugendlichen helfen, eine eigene Satzung aufzustellen, in der geregelt ist, welche Rechte und Pflichten das Parlament hat.

Wie soll die Zusammenarbeit mit den Stadtverordneten laufen?

CHRISTIAN SPIEGELBERG: Das Jugendparlament soll in die Geschäftsordnung der Stadtverordnetenversammlung aufgenommen werden, in der dann geregelt wird, ob einige Vertreter an einigen oder allen Ausschusssitzungen teilnehmen, ob sie dort auch eigene Anträge stellen dürfen, über die die Stadtverordneten abstimmen, und ob sie Vorlagen vom Magistrat erhalten.

Welche Wünsche habt Ihr?

ELINA STOHR: Ich wünsche mir, dass wir mehr mitreden können und dass man auf uns achtet.

LENI HUTH: Ich wünsche mir einen größeren Skatepark, einen zweiten Park also mit mehr Elementen.

HANNAH STOCK: Ich finde den Jugendpark toll, und es würde mich freuen, wenn es dort mehr Angebote gibt. Das ist dann ein Ort, an dem man Spaß haben und Jugendliche treffen kann.

LENI RODE: So ein Jugendpark verbessert auch die Kommunikation mit anderen Jugendlichen. Außerhalb meiner Schule kenne ich viele andere Jugendliche gar nicht. Das finde ich schade.

HANNAH STOCK: Wir haben auch überlegt, dort einen Briefkasten anzubringen, in dem Jugendliche Briefe mit ihren Ideen einwerfen können. Auch das ginge natürlich direkter und schneller mit einem Instagram-Kanal des Jugendparlaments.

CHRISTIAN SPIEGELBERG: Die komplette Kommunikation online laufen zu lassen, ist schwierig. Die Regeln der Verwaltung sind da sehr strikt.

NIKITA GIBIN: Ich wünsche mir weitere Flächen für Jugendliche in der Stadt, um dort Sport machen zu können, um sich zu treffen, und wo es auch WLAN gibt. Jugendliche haben unterschiedliche Interessen. Im Idealfall gäbe es für jede Gruppe einen eigenen Ort.

Wie soll sichergestellt werden, dass es das Jugendparlament langfristig gibt?

CHRISTIAN SPIEGELBERG: Meine Kollegen aus Villmar, wo es bislang das einzige funktionierende Jugendparlament im Landkreis gibt, sehen das als ein Projekt an, das möglicherweise zeitlich befristet ist. So sehe ich das auch. Partizipation macht solange Sinn, solange es Jugendliche gibt, die mitmachen wollen. Das ist unser täglich Brot in der Jugendarbeit. Mein Ansatz besteht darin, für Dynamik zu sorgen, viele gemeinsame Aktionen zu organisieren, einen Ausflug machen, in den Ferien mal wegfahren. Die Gruppe soll zusammen wachsen.

Wo sehen Sie die größte Herausforderung?

CHRISTIAN SPIEGELBERG: Jugendkultur und Stadtverwaltung, das sind schon zwei Paar Schuhe. Da müssen sich beide Seiten annähern. Die Strukturen sind aus meiner Sicht noch nicht kompatibel. Stadtverordnete wissen, dass es mehrere Monate oder sogar Jahre dauern kann, bis Beschlüsse vollständig umgesetzt werden. Für Jugendliche ist das viel zu langwierig. Ich sehe darin, das größte Risiko, dass die Umsetzung von Beschlüssen des Jugendparlaments viel zu lange dauern.

Kontakt

An einem Jugendparlament interessierte Jugendliche können sich an Kevin Heller von der Stadtverwaltung Limburg wenden, per E-Mail an kevin.heller@stadt.limburg.de oder unter (0 64 31) 20 34 35

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