Sammeln ab Samstag Geld für eine Verbesserung der Bühnenkonstruktion (von links): Stephan Schmidt, Tim Färber, Eric Sidibe, Thorsten Rosam und Daniel Geberzahn.
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Sammeln ab Samstag Geld für eine Verbesserung der Bühnenkonstruktion (von links): Stephan Schmidt, Tim Färber, Eric Sidibe, Thorsten Rosam und Daniel Geberzahn.

Für das Festival in Diez fehlen die Finanzen

Enorme Verluste durch Corona: Kalkwerk-Verein benötigt Geld - Crowdfunding-Aktion gestartet

  • vonRobin Klöppel
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Aufgrund von Corona fiel das Kalkwerk-Festival in diesem Jahr aus. Die Verluste machen sich bei dem Verein bemerkbar. Deshalb wurde nun eine Crowdfunding-Aktion gestartet.

  • Wegen der Corona-Pandemie mussten Großveranstaltungen abgesagt werden
  • Auch das jährliche Kalkwerk-Festival bei Limburg fiel aus
  • Nun wurde eine Crowdfunding-Aktion gestartet

Limburg/Diez - Das Kalkwerk-Festival ist Jahr für Jahr eines der größten Musik-Festivals der Region. Dieses Jahr hätte im früheren Kalkwerk der Firma Schaefer-Kalk zwischen Diez und Limburg die 40. Auflage stattfinden sollen, wie immer mit Varieté, Kalkwerk-Bands und als krönendem Abschluss jeweils einer bekannten auswärtigen Band als Headliner. Doch Corona* hat dem veranstaltenden Verein Kultur- und Jugendförderkreis Diez einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Der zweite Vorsitzende Daniel Geberzahn berichtet, dass seit dem gestrigen Freitag, dem eigentlich geplanten Start des diesjährigen Festivals, eine Crowdfunding-Aktion unter dem Motto "Ich bin Kalkwerk" stattfinden soll, um die entstandenen Verluste von circa 35 000 Euro auszugleichen. "Wir wollen alle dafür mobilisieren, die einen Bezug zum Kalkwerk haben", sagt Tim Färber.

Limburg: Kalkwerk-Festival wegen Corona ausgefallen - Herbe Verluste

Geberzahn erklärt, dass das Kalkwerk-Festival finanziell nicht in seiner Existenz bedroht sei, jedoch das Geld benötigt werde, um, wie seit fünf Jahren geplant, endlich die Bühne auf beiden Seiten zu verbreitern und neu zu überdachen. Damit soll gewährleistet werden, dass auch die Besucher in den hinteren Reihen die Varietékünstler künftig optimal sehen können. Gerade wenn die beispielsweise hoch auf dem Trapez stünden, seien sie für Teile der Gäste bisher nur schlecht zu sehen. 

Crowdfunding funktioniert so, dass die Organisatoren auf der Projektseite im Internet bestimmte Kalkwerk-Produkte wie CDs, T-Shirts und einige Überraschungen mehr anbieten. Für die Buchung dieser überweisen die Kalkwerk-Freunde vorab Geld, das in die Verbesserung der Bühne gesteckt wird. Natürlich kann jeder, dem der Fortbestand des Festivals wichtig ist, auch ohne Gegenleistung jederzeit dem gemeinnützigen Verein mit derzeit 200 Mitgliedern eine Spende zukommen lassen.

Limburg: Kalkwerk-Verein benötigt Geld - Wollen keine staatlichen Zuschüsse

Der Vereinsvorstand habe sich, wie Tim Färber vom Orga-Team erläutert, dagegen entschieden, beim Land Hessen Soforthilfe für das Kalkwerk-Zentrum zu beantragen, weil dieser der Meinung sei, dass viele andere Kulturstätten das Geld dringender benötigten. Im Verein sei auch schon vor Längerem der Beschluss gefasst worden, keine öffentlichen Zuschüsse, etwa von der Stadt, anzunehmen, damit gewährleistet bleibe, dass das Organisationsteam des Festivals weiterhin völlig unabhängig arbeiten könne.

"Das Kalkwerk ist ein Paradebeispiel für einen selbstbestimmten und erfolgreichen Kulturbetrieb", erklärt Thorsten Rosam vom Orga-Team. Aus eigener Hand und aus eigenen finanziellen Mitteln sei über die Jahre eine Oase für Kunst, Musik, Theater und Kultur entstanden. Toleranz und Integration würden hier aktiv gelebt. In normalen Jahren ist die Selbstfinanzierung des Festivals auch kein Problem, da im Schnitt an den drei Tagen 6500 Besucher kommen. Daniel Geberzahn fügt hinzu, dass das eigentlich für dieses Wochenende geplante Programm 2021 nachgeholt werden solle. Die Kalkwerk-Bands freuten sich immer lange im Voraus auf das jährliche Festival. "Hier spielt jeder außer den Headlinern ohne Gage, weil es den Bands eine Ehre ist, beim Heimspiel aufzutreten", weiß Geberzahn. Gerade für die jüngeren Bands sei es ein Highlight, mal vor 1000 Zuschauen auf der Bühne zu spielen.

Limburg: Kalkwerk-Verein benötigt Geld - Crowdfunding-Aktion gestartet

Auch wenn das Kalkwerk vor allem während des Festival-Wochenendes im öffentlichen Fokus steht, ist es doch das ganze Jahr über vor allem für heimische Musiker, aber auch Theaterspieler und Handwerker eine wichtige Proben- und Arbeitsstätte. Alleine 29 Probenräume stehen auf dem Gelände zur Verfügung, fünf Werkstätten und drei Ateliers. "Hier proben immer zwischen 30 und 40 Bands", erzählt Geberzahn. Von daher sollte es für jeden Kulturliebhaber ein Anliegen sein, dass die Arbeit trotz der Corona-Verluste uneingeschränkt fortgesetzt werden kann. Denn der Verein möchte von den hier aktiven Künstlern weiter nur einen symbolischen Beitrag für die Nutzung der Probenräume nehmen.

Denn es gehe darum, dass auch neue Bands aus der Region ohne großen Aufwand zu einem vernünftigen Probenraum kämen, wie Eric Sidibe betont. Als Gegenleistung verpflichteten sie sich, beim Festival aufzutreten und dort auch Helferschichten zu übernehmen. Das Festival und gemeinsame Arbeitseinsätze seien auch für den Zusammenhalt der Kalkwerker wichtig, die sich ja sonst das Jahr über oft überwiegend in ihren eigenen Gruppen bewegten.

Auch wenn der Verein, so Geberzahn, Jugendförderkreis heiße, gebe es auch Bands, die schon Ewigkeiten im Kalkwerk probten. Die ältesten Aktiven seien über 60. Das Schöne am Kalkwerk sei, dass hier alle Bevölkerungsschichten gleichermaßen willkommen seien. Da habe der Akademiker keine Berührungsängste mit dem Punker. Die bei den Festivals eingespielten Gewinne würden dann wieder dafür verwendet, die Gebäude auf dem Gelände in Schuss zu halten und neue Kulturprojekte zu finanzieren.

Unter www.startnext.com/ichbinkalkwerk können sich alle an der Crowdfunding-Aktion beteiligen.

Von Robin Klöppel

Aufgrund der Corona-Krise leidet auch der Einzelhandel. In Limburg soll es deshalb gleich an zwei Tagen verkaufsoffene Sonntage geben. An diesen Tagen sind die Geschäfte geöffnet.

*fnp.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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