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Das Kasseler Landgericht hat über einen Limburger zu befinden, der versucht haben soll, seine ehemalige Freundin zu töten.

Justiz

Limburg/Kassel: Ex-Freundin mit Messerstichen fast getötet

Mann aus der Domstadt wegen versuchten Mordes vor dem Landgericht in Nordhessen

Limburg/Kassel -Wegen versuchten Mordes steht ein 33-jähriger Mann aus Limburg vor dem Kasseler Landgericht. Er soll versucht haben, Ende Januar seine ebenfalls aus Limburg stammende ehemalige Freundin mit zahlreichen Messerstichen zu töten. Die Frau überlebte schwer verletzt und lag nach der Tat dreieinhalb Monate im Krankenhaus.

Laut Anklage war der Mann in der Nacht zum 31. Januar diesen Jahres mit einem Mietauto von Limburg nach Kassel gefahren, wo seine Ex-Freundin nach der Trennung seit 2015 lebte. Die angehende Lehrerin absolvierte hier ihr Referendariat.

Staatsanwalt Martin Gerhard schilderte, wie der 33-Jährige am frühen Morgen an der Haustür der Wohnung im Stadtteil Rothenditmold klingelte, nachdem der Freund der jungen Frau zum Joggen aufgebrochen war. Die 30-Jährige erkannte den Ex-Freund durchs Fenster, beide lächelten sich sogar zu, dann öffnete sie arglos die Tür. Sofort, so der Staatsanwalt in seiner Anklage, habe der Mann mit dem rechten Arm die Tür aufgedrückt und die Frau in den Flur zurück gestoßen. Mit einem Keramikmesser habe er sofort mit großer Wucht auf sein Opfer eingestochen, das zahlreiche Stich- und Schnittverletzung in Bauch, Oberkörper und Gesicht davon trug.

Kopf gegen die Wand geschlagen

Mit der anderen Hand habe der Angeklagte in die Haare der Frau gegriffen und immer wieder deren Kopf gegen die Wand geschlagen. Als die Frau ohnmächtig zu Boden ging, habe er sich auf sie gesetzt, zuerst ihren Kopf immer wieder auf den Boden geschlagen und sie dann von hinten gewürgt.

Zwei auf der Straße vorbei gehende Zeugen waren auf die lauten Hilferufe der Frau aufmerksam geworden und hatten versucht, in den Flur zu kommen. Das gelang nicht, weil der Angeklagte die Tür zuhielt. Wenige Minuten später wurde er von alarmierten Polizeibeamten festgenommen, seither sitzt er in der JVA Kassel I in Untersuchungshaft.

Der Angeklagte ist ein schlanker, sportlicher Mann, der in Limburg geboren wurde, nach dem Abitur eine Informatik-Ausbildung abschloss, das anschließende Studium aber abbrach. 2011 hatte er seine Freundin kennengelernt, mit der er später in einem Stadtteil eine gemeinsame Wohnung bezog. Nach etwa dreieinhalb Jahren, so berichtete die 30-Jährige am ersten Prozesstag als Zeugin, habe er dreimal mit ihre Schluss gemacht, die Beziehung dann aber immer wieder aufgenommen. Er sei stets sehr eifersüchtig gewesen.

"Nach dem dritten Mal hat es mit gereicht und ich habe das endgültig beendet", sagte die Frau. Das war 2015. In den darauffolgenden Jahren habe der Angeklagte immer wieder angerufen oder SMS-Nachrichten geschickt, die letzte wenige Tage vor der Tat. Zuletzt habe sie ihm geschrieben, dass sie keinen Kontakt mehr wünsche.

Der Angeklagte berichtete, er habe sich umbringen wollen und sei nach Kassel gefahren, um von der Frau Abschied zu nehmen. Vor seiner Ex-Freundin hingegen hatte er behauptet, eine Weltreise zu planen. Zum Tatgeschehen äußerte er sich nicht, kündigte aber an, dies möglicherweise an einem der folgenden Verhandlungstage tun zu wollen.

Für den Mordprozess hat die 6. Strafkammer des Kasseler Landgericht noch vier weitere Verhandlungstage angesetzt, weiter geht es am 3. November. Mit einem Urteil wird am 10. Dezember gerechnet. Bis dahin sollen noch ein halbes Dutzend Zeugen und ein psychiatrischer Sachverständiger gehört werden.

von Thomas Stier

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