Georgsbrunnenhistorisch2_08
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An der Werner-Senger-Straße befand sich diese Anlage mit dem Georgsbrunnen. In dem großen Gebäude waren Dienststellen der Stadtverwaltung und Büros des Caritasverbandes.

Vergessene Plätze

Limburg: Katholisches Gemeindehaus, Wehrmacht und Stadthalle

46 Jahre bestand der St. Georgshof, dann kam Karstadt

Limburg -Zwischen dem ersten Bundeskanzler Konrad Adenauer (1949 bis 1963) und seinem dritten Nachfolger Willy Brandt (1969 bis 1974) lagen von CDU bis SPD parteipolitische Welten. Doch eines hatten sie gemeinsam. Sie waren beide - ein jeder zu seiner Zeit - im altehrwürdigen Limburger St. Georgshof zu Gast. 46 Jahre lang war dieses Gebäude an der Ecke Schiede/Diezer Straße mit seinem großen Saal mit Empore und seinen fünf Nebenräumen ein Gemeinde- und Vereinshaus, bis er im Januar 1977 von der neu gebauten Stadthalle abgelöst und an seiner Stelle das Karstadt Warenhaus errichtet wurde.

Der St. Georgshof war katholischen Ursprungs. Daran erinnert das "St." seines Taufpatrons, des heiligen Georgs, dem bereits die Obhut des Domes übertragen war. Es war die Katholische Stadtpfarrei, deren damaliger Kirchenvorstand bereits am 19. Februar 1918 eine Kommission mit dem Auftrag ins Leben rief, die Errichtung des St. Georgshofes in die Wege zu leiten.

Auslöser war, dass es in der Domstadt an geeigneten und schönen Sälen mangelte; besonders für große Veranstaltungen war nicht genug Platz. Der größte Festsaal für gut 300 Personen bestand damals im Hotel "Alte Post", in dessen Gebäude sich heute die Nassauische Neue Presse befindet. Somit sollte der St. Georgshof nicht nur rein katholischem Leben dienen, sondern zugleich dem allgemeinen Mangel der Stadt an Versammlungsstätten abhelfen. Zudem sollte er eine verkehrs- und werbetechnisch großartige Bereicherung für die aufstrebende Stadt werden.

Noch im Kriegsjahr 1918 wurde an der oberen Schiede für 70 000 Mark das Beres'sche Haus mit Garten und der Moos'sche Garten erworben, der mit einer Gastwirtschaft bebaut war. Als gegen Ende des Jahres 1919 die Geldentwertung immer mehr zunahm, rückte das Bauvorhaben zunächst in weite Ferne.

Erst im August 1930 gelang es schließlich mit Hilfe eines Darlehens, mit der Umsetzung zu beginnen. Der aus einem Wettbewerb hervorgegangene geistige Vater des Projekts, der Frankfurter Architekt Martin Weber, hatte eine Stahlskelettbauweise konstruiert, die eine kurze Bauzeit ermöglichte, so dass bereits am 4. April 1931 die Einweihung gefeiert werden konnte. Nach einem guten Jahr standen Säle, Restaurant, Konferenzzimmer, Kegelbahn, Kindergarten und -hort zur Nutzung offen.

Dass sich die Bauzeit in Grenzen hielt, war nicht zuletzt dem damaligen Bischof Antonius Hilfrich zu verdanken. In der Zeit der Weltwirtschaftskrise hatte er dafür gesorgt, dass sämtliche Limburger Firmen, rund 100 an der Zahl, mit Aufträgen bedacht wurden: eine Arbeitsbeschaffung par excellence. Freilich konnte die Katholische Stadtpfarrei die Kosten nicht alleine stemmen, so dass das Bistum zur Mithilfe gefordert war.

Schon kurz nach der Einweihung erlebte Limburgs gute Stube traurige Jahre. Im März 1941 musste die Kirchengemeinde das Gebäude der Stadt übergeben, dessen Name in Stadthalle geändert werden. Kundgebungen der NSDAP und ihrer Gliederungen wurden bei der Vergabe bevorzugt. Die unseligen Machthaber jener Zeit wie Adolf Hitler, Himmler und Baldur von Schirach waren im Haus. Der große Saal mit Nebenräumen wurde in der NS-Zeit von der Wehrmacht zweckentfremdet und später von den Amerikanern in Beschlag genommen. Schließlich wurde das Gebäude am 19. September 1944 bei einem Fliegerangriff schwer beschädigt.

Nach erfolgter Instandsetzung veranlasste vier Jahre später von Cif. John S. Hussner, amerikanischer Stadtkommandant von Limburg, die Eröffnung eines Amerikahauses und richtete eine Bibliothek mit über 2000 meist englisch-sprachlichen Büchern ein. Es wurden dort bis Mitte 1951 auch Lehr- und Kulturfilme vorgeführt.

Danach erlebte der St. Georgshof eine Renaissance. Das Gebäude erlebte Glanzzeiten, die eine eigene Berichterstattung lohnen würde. Es blieb längst nicht mehr auf seine ursprüngliche Bestimmung als katholisches Gemeindehaus beschränkt, bot nunmehr Räume für große und kleine Festivitäten, unvergessene Karnevalssitzungen, Konzerte und Theatervorstellungen, für politische Kundgebungen und kirchliche Großveranstaltungen. Berühmte Musiker und Schauspieler wie auch geistliche Würdenträger gaben sich die Klinke in die Hand. Nachdem die Kirchengemeinde nicht mehr für die Unterhaltung aufkommen konnte, kaufte die Stadt im März 1969 den St. Georgshof für 1.2 Millionen Mark.

Das Gebäude mit den vielfältigen Einrichtungen wurde in jeder Hinsicht strapaziert, aber nicht saniert, so dass das große Haus mit seinen vielfältigen Einrichtungen alsbald nicht mehr zeitgemäß war, weder den geforderten Auflagen noch modernen Anforderungen Rechnung tragen konnte. Das war die Geburtsstunde der neuen Stadthalle, der heutigen Josef-Kohlmaier-Halle.

Am 10. Januar 1977 wurde der St. Georgshof geschlossen. Die letzte Großveranstaltung war der Winterball der Limburger Feuerwehr. Die Einweihung der neuen Stadthalle erfolgte 19 Tage später und mit dem Kauf des Objekts durch den Karstadt-Konzern am 1. Februar 1977 begann in der Kreisstadt eine neue Ära.

Karstadt hatte bereits 1972 in Limburg vis-a-vis des Rathauses sein neues Warenhaus eröffnet. Es war der erste Bauabschnitt. Dafür musste die Anlage mit dem Georgsbrunnen und neben der Rathaus-Apotheke ein großes Gebäude weichen, in dem sich Büros der Stadtverwaltung und des Caritasverbandes befanden. Eine Folge der Karstadt-Ansiedlung war die Umwandlung der Werner-Senger-Straße zur ersten Fußgängerzone. 1980 fiel der St. Georgshof, an dessen Stelle Karstadt seinen zweiten Bauabschnitt mit dem Parkhaus errichtete und seine Nutzfläche auf 8000 Quadratmeter erweiterte.

Anfang der 70er Jahre errichtete Karstadt den ersten Bauabschnitt seines Warenhauses in der Werner-Senger-Straße. Das Foto zeigt den Blick zur Schiede. An der Ecke Schiede/Diezer Straße stand zu dieser Zeit noch der St. Georgshof, der 1980 für den Karstadt-Erweiterungsbau abgebrochen wurde.
Der gute alte St. Georgshof stand an der Ecke Schiede/Diezer Straße. Auf der Schiedeseite (rechts) befand sich der Eingang zum Saal, an der Diezer Straße (links) der Eingang zur Gaststätte.

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