Wegen einer fehlerhaften Behandlung im Limburger Krankenhaus vor mehreren Jahren ist einem zehnjährigen Jungen, der seitdem schwerstbehindert ist, vom Landgericht Limburg ein Schmerzensgeld in Höhe von einer Million Euro zugesprochen worden.
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Wegen einer fehlerhaften Behandlung im Limburger Krankenhaus vor mehreren Jahren ist einem Jungen, der seitdem schwerstbehindert ist, vom Landgericht Limburg ein Schmerzensgeld in Höhe von einer Million Euro zugesprochen worden.

Eine Million Euro Schmerzensgeld

Junge nach Behandlungsfehler in Klinik schwerstbehindert

  • VonSebastian Richter
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Vor zehn Jahren erleidet ein Kleinkind in einem Krankenhaus einen schweren Hirnschaden. Schuld daran trägt das Klinikpersonal, wie das Landgericht Limburg urteilt.

Limburg – Eine Million Euro Schmerzensgeld – das ist das Urteil des Landgerichts Limburg nach einem Vorfall vor zehn Jahren in einem Krankenhaus. Damals wurde einem ein Jahr altem Jungen ein Antibiotikum gegeben. Der Junge weinte daraufhin so heftig, dass er sich an einem zuvor gegessenen Stück Apfel verschluckte. In der Folge erlitt er einen schweren Hirnschaden. Die Schuld der Pflegekräfte ist erwiesen, wie das Landgericht am Montag (28.06.2021) mitteilt.

Die Kammer orientierte sich bei der Höhe des Schmerzensgeldes an den fatalen Konsequenzen, die der Vorfall für den Jungen hatte: Er werde nie „ein auch nur näherungsweise normales Leben“ führen. Mindestens 500.000 Euro hatte der inzwischen Elfjährige gefordert. Diese Summe zuzüglich Zinsen sollen laut dem Gericht das betreffende Krankenhaus im Kreis Limburg-Weilburg, eine Krankenschwester und eine Belegärztin zahlen.

Urteil in Limburg: Schwerwiegende Fehler beim Personal des Krankenhauses

Der Junge wurde im Dezember 2011 wegen eines Infekts in die Klinik eingeliefert. Das Antibiotikum sollte ihm über einen Zugang verabreicht werden. Die Krankenschwester habe gewusst, dass der Junge kurz zuvor gegessen hatte, urteilte das Gericht Limburg. Sie hätte damit rechnen müssen, dass sich der Einjährige über die Medikamentengabe aufregen würde. Um ein Verschlucken an den Speiseresten zu verhindern, hätte sie länger warten müssen.

Laut dem Landgericht war das aber nicht der einzige Fehler, der zu dem schweren Hirnschaden führte. Auch die eingeleiteten Rettungsmaßnahmen seien „fehlerhaft und in der durchgeführten Form sogar schädlich“ gewesen.

Limburg: Schwerer Hirnschaden verwehrt dem Opfer eine normale Kindheit

Durch den Hirnschaden könne der Junge laut dem Gericht nicht sprechen und laufen. Eine normale Kindheit sei ihm verwehrt geblieben. „Spielen mit seinen Eltern, Geschwistern oder anderen Kindern, der Besuch eines Kindergartens oder einer normalen Schule, der Aufbau von regulären Sozialbeziehungen zu Gleichaltrigen seien ihm verwehrt“, so das Gericht. Rund um die Uhr sei er auf fremde Hilfe angewiesen.

Auch in Zukunft soll der Junge abgesichert werden. „Sämtliche künftigen unvorhersehbaren immateriellen sowie alle vergangenen und künftigen materiellen Schäden, die ihm infolge einer fehlerhaften Behandlung entstanden sind beziehungsweise noch entstehen werden“, sollen ihm ersetzt werden, so das Gericht in Limburg. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. (spr/dpa)

Im April entschied das Landgericht Limburg, einen Mann nach einem Überfall auf eine 30-Jährige in die Psychiatrie einzuweisen. Er sei nur eingeschränkt steuerungsfähig.

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