1. Startseite
  2. Region
  3. Limburg-Weilburg
  4. Limburg

Limburg: Kreismusikschule braucht dringend Geld

Erstellt:

Von: Stefan Dickmann

Kommentare

Viele junge Menschen haben durch die Kreismusikschule Instrumente spielen gelernt - wie man hier bei einem Tag der offenen Tür sieht.
Viele junge Menschen haben durch die Kreismusikschule Instrumente spielen gelernt - wie man hier bei einem Tag der offenen Tür sieht. © Koenig Johannes

Massive Finanzprobleme erfordern möglichst schnelle Unterstützung der Kommunen

Limburg -Die Kreismusikschule (KMS) Limburg, ein eingetragener Verein, ist eine Institution im Landkreis Limburg-Weilburg: Rund 1600 Kinder, Jugendliche und Erwachsene lernen hier zum Beispiel Klavier, Geige, Trompete oder Schlagzeug, spielen zum Teil in Ensembles, und die größten Talente unter ihnen schaffen es später in die namhaften Orchester. Große Sympathien und viele Freunde sind ihr also gewiss, aber die Kreismusikschule hat massive Finanzprobleme.

Das aktuelle Defizit ist so groß, dass in den nächsten Tagen die entscheidenden Gespräche mit Vertretern aus Politik, Wirtschaft, aber auch dem Betriebsrat anstehen, wie der Leiter der Kreismusikschule, Peter Schreiber, am gestrigen Freitag auf Anfrage dieser Zeitung mitteilte. Für die KMS arbeiten immerhin 45 Musiklehrer, die sozialversicherungspflichtig beschäftigt sind, überwiegend in Teilzeit.

Sanierungskonzept wird derzeit erarbeitet

Da die Kreismusikschule im Wesentlichen auf die finanzielle Unterstützung durch die Kommunen (überwiegend aus dem Altkreis Limburg) angewiesen ist, lautet seine Botschaft: Die Kommunen müssten die Kreismusikschule künftig finanziell mehr unterstützen als bisher. Das ist aus seiner Sicht der entscheidende Schritt zur Lösung des Problems.

Wie ernst die finanzielle Lage ist, verdeutlichte Limburgs Bürgermeister Dr. Marius Hahn (SPD) am Donnerstagabend am Ende der Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses in vertraulicher Runde unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Demnach brauche die Kreismusikschule innerhalb der nächsten Wochen eine sofortige weitere finanzielle Unterstützung, teilte er den durchaus verblüfften Stadtverordneten mit.

Wie Schreiber gegenüber dieser Zeitung mitteilt, nimmt die Kreismusikschule bereits die Dienste der MNT-Gruppe mit Sitz in Limburg in Anspruch, die unter ihrem Dach Wirtschaftsprüfer, Steuerberater, Rechtsanwälte und Unternehmensberater vereint, und den Auftrag hat, ein Sanierungskonzept zu erstellen. Das dürfte im Kern auf dauerhaft höhere Einnahmen, aber auch geringeren Ausgaben hinauslaufen. Mehr Geld für den Musikunterricht zu verlangen, ist aus Schreibers Sicht allerdings nicht sinnvoll, weil die KMS schon jetzt zu den teuersten Musikschulen zähle, und in Hessen für den Unterricht an Musikschulen generell mehr gezahlt werde als in den anderen Bundesländern. Und mit weniger Musiklehrern auszukommen, sei auch nicht möglich. Wer Posaune unterrichte, könne ja nicht auf einmal Geigen-Unterricht geben.

Einmalzahlungen und Hilfe durch das Land

Ein wichtiger Baustein der finanziellen Rettung der KMS dürfte in einem allerersten Schritt sein, dass möglichst alle Kommunen, die sie unterstützen, eine Einmalzahlung leisten, um das aktuelle Defizit zu verkleinern, das durchaus beachtlich sein soll, und in einem zweiten Schritt ihre jährliche Unterstützung zu erhöhen, damit es zu solch einem Defizit erst gar nicht mehr kommt.

Hahn signalisierte die Bereitschaft der Stadt Limburg, der KMS finanziell unter die Arme zu greifen, machte aber deutlich, er erwarte dies von den anderen Kommunen auch. Schon jetzt sei die Stadt der größte Nettozahler mit 80 000 Euro pro Jahr. Vermutlich wird es bald eine Sondersitzung des Haupt- und Finanzausschusses geben, der über eine Einmalzahlung und möglicherweise höhere Unterstützungszahlungen der Stadt Limburg beraten wird.

Der Leiter der Kreismusikschule war bereits am Dienstagabend im Kultur-Ausschuss der Stadt zu Gast und berichtete allgemein darüber, wie die KMS durch die Corona-Pandemie gekommen sei. Er erklärte zwar, die finanzielle Lage sei schwierig, aber wie ernst die Lage schon ist, wurde am Dienstag noch nicht klar. Mit der Pandemie hätten die finanziellen Schwierigkeiten allerdings nichts zu tun, betonte Schreiber im Ausschuss, diese habe durch nicht mehr möglichen Präsenzunterricht für ganz andere Probleme gesorgt. Es habe eine Soforthilfe des Landes Hessen über 30 000 Euro gegeben, und auch Kurzarbeit der Musiklehrer, wie er im Gespräch mit dieser Zeitung gestern weiter erklärte.

Schon vor der Pandemie habe die KMS den Versuch gestartet, dass Kommunen ihren freiwilligen Jahresbeitrag erhöhen, "Das hat 2019 keinen großen Erfolg gehabt", sagte Schreiber im Kultur-Ausschuss der Stadt. Die Ausgangslage nun ist jedoch eine andere.

Angst und Bange dürfte den Verantwortlichen trotzdem nicht sein. Neben dem Trägerverein KMS gibt es den "Verein der Freunde und Förderer der KMS Limburg" mit namhaften Vertretern im Vorstand, dem neben dem Landtagsabgeordneten Andreas Hofmeister (CDU) auch das Vorstandsmitglied der Kreissparkasse Limburg, Patrick Ehlen, angehört, sowie unter anderen auch der Elzer Bürgermeister Horst Kaiser (CDU).

Ehlen möchte sich zwar zu den konkreten Finanzproblemen der KMS gegenüber dieser Zeitung nicht äußern, aber er macht keinen Hehl daraus, dass "ich persönlich der KMS sehr gewogen bin". Er habe den Förderverein mit gegründet, sei selbst eine Zeit lang dessen Vorsitzender gewesen und durch die KMS als Kind selbst zur Musik gekommen.

"Wir arbeiten an einer Lösung", sagt auch Hofmeister. Der Förderverein allein könne die Finanzlücke allerdings nicht adäquat schließen. Noch im Laufe der Legislaturperiode, die im Herbst nächsten Jahres ende, werde es jedoch "mehr Unterstützung des Landes" für die Musikschulen in Hessen geben, was aufgrund der heterogenen Struktur der Musikschulen jedoch "nicht trivial" sei.

Auch die KMS setzt mittelfristig auf ein Landesmusikschulen-Gesetz, erklärt Schreiber, das die Kommunen verpflichten solle, ihre Musikschule vor Ort finanziell unterstützen zu müssen; bislang sind diese Zahlungen freiwillig.

Und ein weiterer Baustein zur finanziellen Unterstützung der KMS dürften heimische Unternehmer sein, die Spenden leisten - im Idealfall regelmäßig.

Auch interessant

Kommentare