Diese kolorierte Postkarte aus der Sammlung Meurers im Limburger Stadtarchiv warb einst für die Gastwirtschaft und Sommerfrische im "Tal Josafat".
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Diese kolorierte Postkarte aus der Sammlung Meurers im Limburger Stadtarchiv warb einst für die Gastwirtschaft und Sommerfrische im "Tal Josafat".

Vergessene Plätze

Limburg: Kuranstalten im "Tale Josafat" fehlten die Gäste

Nicht nur Milch und Schorlemorle - Auch Werbung und Alkohol zog nicht

Limburg -Die Domstadt hatte nie den Anspruch, eine Kurstadt zu werden; dennoch gab es hier Anfang des 20. Jahrhunderts zwei Kuranstalten, an die sich wohl niemand mehr erinnern mag, zumal außer alten Fotos keine sichtbaren Zeugnisse erhalten sind. Es handelte sich um gastronomische Betriebe im östlichen und westlichen Teil des damals noch eng begrenzten Stadtgebietes, nämlich im Tal Josaphat und am Schafsberg.

Im Limburger Anzeiger vom 11. August 1909 steht zu lesen: "Kuranstalt nennt sich das neueste hiesige Unternehmen auf dem Gebiete der gastwirtschaftlichen Darbietung alkoholfreier Getränke. Besitzer ist Herr Anton Groß und errichtet ist die Kuranstalt im sogenannten 'Tale Josafat'. Da Limburg an Bevölkerung mit verschiedenartigsten Bedürfnissen stets zunimmt, so wird auch für ein Unternehmen dieser Art ein sein Bestehen sicherndes Publikum sich schon finden."

Unfall vier Wochen vor der Eröffnung

Ganz besonders der östliche Stadtteil werde es wohltuend empfinden, dass ihm nun etwas Ähnliches geboten sei wie dem westlichen Stadtteil durch die Horn'sche Milchkuranstalt im "Waldhof" am Schafsberg. In Begleitung von Kindern, die vor alkoholischen Getränken bewahrt bleiben sollen, werde man diese Gastlokale stets gerne aufsuchen, meinte einstmals der Chronist.

Der Neubau des Gebäudes durch den Werkmeister und späteren Wirt Anton Groß verlief nicht ohne Komplikationen. Vier Wochen vor der Eröffnung der Kuranstalt kam es nachmittags zu einem schweren Unfall, wonach ein Maurer aus Werschau mit lebensgefährlichen Kopfverletzungen von einer Sanitätskolonne ins Vincenz-Hospital eingeliefert werden musste. Eine Leiter war gebrochen und der Mann "aus ziemlicher Höhe niedergestürzt", wie es hieß.

Aufmunternde Offerte

Offenbar waren die Limburger schon in der damaligen Zeit Frohnaturen, denen nicht nach alkoholfreien Kuren zumute war. Schon siebeneinhalb Monate nach der Eröffnung machte der Besitzer der Kuranstalt in der Heimatzeitung publik, dass "die hohe Obrigkeit von Kreis und Stadt zu Recht befunden hat", dass er jetzt und in der Folgezeit seine Kunden nicht mehr allein mit Milch, Kaffee und Schorlemorle, Limonade, Kakao feinster Qualité mit Mineral und Chocolade bedienen dürfe. Nein, auch mit echtem Alkohol, mit Bier und Wein "wie man's will haben".

Maschinenmeister Anton Groß muss ein humorvoller Poet gewesen sein. In einer Anzeige, die der er am 26. März 1910 veröffentlichte, ist zu lesen: "Weil mancher - man begreift es wohl - sich daran will und muss erlaben. So lade ich denn freundlichst ein, jedweden der im schönen Tale, sich einmal herzlich will erfreun. Er wird in meines Hauses Saale auf der Veranda oder dort, wo freundliche Terrassen winken, wohl finden einen trauten Ort zur Ruhe bis zum Tagessinken. Für seine Stärkung steh'n bereit, so kalte wie auch warme Speisen; und Löschkraft für des Durstes Leid mag prima Bier von Busch beweisen! Bedienung gut und aufmerksam, die Preise mäßig. Drum willkommen ihr Gäste! Wer erst einmal kam, der wird gewiss noch öfter kommen! - Der Besitzer."

Diese aufmunternde Offerte schien in der Bevölkerung auch nicht so recht zu fruchten. Bereits im Oktober 1912, mithin zweieinhalb Jahre später, wurde die geneigte Leserschaft darüber in Kenntnis gesetzt, dass die Wirtschaft im Tal Josafat an Herrn Karl Magnus aus Langen (Hessen) übergegangen ist". Die Kuranstalt bestand aus einem Wohnhaus mit Vorbauten aus Backsteinen mit hölzernem Dachrand. Vor einem großen Raum, bei dem es sich um die Gaststätte handelte, befand sich eine Veranda aus Holz. Zudem gab es An- und Nebenbauten, drei Hühnerställe mit hölzernem Treppenaufgang und ein Aufzuchtraum.

Doch auch Magnus war im Tal Josaphat keine lange Karriere beschert. Bereits 1920 bewirtete Karl Gerich die Gäste, zwei Jahre später empfahl Gottfried Willems in einer Zeitungsanzeige den Besuch der Gartenwirtschaft. Es muss nicht gut gelaufen sein, selbst das Angebot für Kaffee, Kuchen und Erdbeerbowle im umbenannten Park-Restaurant lockte nicht genug Gäste an, so dass im Januar 1926 der Gastwirt August Eggert für das inzwischen umfirmierte "Parkhotel Tal Josaphat" den Konkursantrag stellte.

Letzte Hinweise auf den gastronomischen Betrieb finden sich in der Ankündigung eines Frühlingskonzerts im April und ein Konzert der Kapelle Lang im Juli 1926. Danach gingen in dem Betrieb für immer die Lichter aus. Im Tal Josaphat 6 wurde daraus später ein Wohnhaus.

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