Wo in Eschhofen die Lahntalbahn verläuft, liegt zwischen Lahn und Bahndamm die schwere Dampflok begraben. 
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Wo in Eschhofen die Lahntalbahn verläuft, liegt zwischen Lahn und Bahndamm die schwere Dampflok begraben. 

Dramatische Ereignisse im Februar 1946

„Fürchterliches Unglück“ in Limburg: Dampflok stürzt neben die Lahn 

Limburg im Februar 1946: Es geschieht ein folgenschwerer Unfall. An einer Brücke stürzt ein Zug die Böschung hinunter in die Lahn. 

  • Februar 1946: Zugunglück in Limburg
  • Hochwasser in der Lahn soll eine Ursache gewesen sein
  • Feuerwehr Kommandant aus Limburg wird Zeitzeuge

Limburg - Die wenigsten Menschen in unserer Region haben davon Kenntnis, dass im Erdreich nahe der Autobahnbrücke zwischen der Lahn und derLahntalbahn eine Lokomotive begraben liegt. Die 135 Tonnen schwere Zugmaschine war am 12. Februar 1946 von den Schienen gestürzt. Es wird vermutet, dass das schwere Unglück von der Sprengung der Brücke gegen Kriegsende und dem anschließenden Hochwasser mitverursacht wurde. Heute kann nur noch spekuliert werden, inwieweit es sich bei dem bahnbrechenden Ereignis um eine Spätfolge der von der Wehrmacht vorgenommenen Sprengung handelt.

Ursache für Zugunglück in Limburg: Wasserwirbel in der Lahn

Über acht Tage lang staute sich das Hochwasser durch das Gestein in der Lahn. Die acht Tage der bis zum Bahndamm aufgestauten Wassermassen hatten dem Gleiskörper offenbar stark zugesetzt. Chronisten berichteten damals, dass sich durch die Sprengung ein Wasserwirbel gebildet habe, der den Damm der am Ufer verlaufenden Lahntalbahn unterspülte, der schließlich elf Monate später bei einem erneuten Hochwasser dem Gewicht der fahrenden Lok nicht mehr standhielt.

Zugunglück: Feuerwehr Kommandant aus Limburg wird Zeitzeuge

Dass der schlimme Unfall nicht in Vergessenheit gerät, ist dem damaligen Bahnbediensteten Otto Kalteyer sowie dem Limburger Kreisfeuerwehr-Kommandant und Dachdeckermeister Aloys Perabo zu verdanken. Beide Zeitzeugen kamen 1992 in einer Sonderausgabe des Eisenbahn Journals mit dem Titel "Helmut Kaleve - Ein Lokführer von der Lahn erzählt" zu Wort, das im Limburger Stadtarchiv aufbewahrt wird. Die Limburgerin Marie Louise Winter geborene Perabo verwahrt die Originalaufzeichnungen ihres Vaters und zitiert daraus.

In Limburg sollte Feierabend sein - Heimathistoriker über "fürchterliches Unglück"

Der Heimathistoriker Franz-Karl Nieder (Linter) hat später in umfangreichen Recherchen den Ablauf der damaligen Ereignisse durch wichtige Detailinformationen ergänzt. Es geschah am Morgen des 12. Februar 1946. Eine Lokomotive der Baureihe 50 befand sich auf der Rückfahrt vom Frankfurter Hauptgüterbahnhof, wo die Lok restauriert worden war, nach Limburg. Im Schlepptau bis Oberbrechen hatte die Lok einen Schadwagenzug mitnehmen müssen. Als der Zug dort abgestellt war, seien die beiden Schaffner, Johann Braun und Josef Müller, "zu uns auf den Führerstand geklettert, um mit uns in Limburg den Dienst zu beenden", schreibt Kalteyer. "Den Feierabend schon in greifbarer Nähe, sollte uns vieren an der Autobahnbrücke bei Limburg ein fürchterliches Unglück widerfahren."

So sah eine Güterzug- Lokomotive der Baureihe 50 aus. Nach der Elektrifizierung der Taunusstrecke Limburg-Frankfurt wurden sie von 1972 an nicht mehr eingesetzt.

Lahn führte Hochwasser - Kurz vor Limburg wurde es brenzlig

Wegen der Hochwasser führenden nahe gelegenen Lahn hatte die Bahn zwischen Eschhofen-Mühlen und Limburg eine Langsamfahrstelle ausgeschildert, die von dem Zug nur mit 20 km/h passiert werden durfte. Kalteyer und Nieder schildern, wie der Lokführer August Weil die Maschine wohlweislich abbremste und dass es danach ungeheuerlich krachte. Kalteyer: "Die Maschine mit ihren 135 Tonnen Gewicht sackte ab, stürzte die Böschung hinunter und blieb im Hochwasser liegen. Ich wurde sofort ohnmächtig." Es war am Morgen gegen 4 Uhr. Der Lärm schreckte den in der Nähe im Eschhöfer Weg wohnenden Lokführer Wilhelm Lehna aus dem Schlaf, von dem die Autoren anmerken, dass dieser wegen seiner Parteizugehörigkeit zur NSDAP aus dem Bahndienst entlassen worden war. Der Anwohner sei rasch an den Gleisen entlang nach Limburg gelaufen, um Züge zurückzuhalten und Hilfe anzufordern.

Feuerwehr Kommandant aus Limburg über Rettungsaktion

Von der Rettungsaktion berichtet später Aloys Perabo, dass ihn in der Nacht der Notruf des Eisenbahnbetriebsamtes erreichte und er den Alarmlöschzug der Limburger Feuerwehr alarmierte. Die Eisenbahn-Feuerwehr habe bereits mit Karbidlampen die Unfallstelle beleuchtet. Perabo schreibt: "Die Lok lag mit dem Vorderteil im Wasser und wurde vom Hochwasser umspült. Der Tender ragte noch über den Bahnkörper hinaus und war von dort aus besteigbar. Ich kletterte bis zum Führerstand. Von diesem war jedoch wegen der ungenügenden Beleuchtung nichts zu sehen; denn die Eisenbahner waren von der im Tender befindlichen Kohle verschüttet."

Zugunglück in Limburg: Ein Toter, drei Verletzte

Kommandant Perabo forderte weitere Feuerwehrleute an, die mit Händen und Schaufeln die Kohle beseitigten. Zwischendurch wurden zwei Leitern beschafft, um einen Steg zwischen dem Bahnkörper und dem Führerhaus der Lok herzustellen. Darüber wurden drei der Verschütteten gerettet. Leider habe der vierte Verunglückte (es handelte sich laut Nieder um den 48-jährigen Zugschaffner Johann Braun aus Elz) nur noch tot geborgen werden können.

"Ich blutete am ganzen Körper" - Folgen des Unfalls in Limburg

Otto Kalteyer trug einen Schädelbasisbruch und zwei gebrochene Rückenwirbelknochen davon und schreibt: "Ich blutete am ganzen Körper, und es war schwierig, meinen mit Heißdampföl verschmierten Kopf zu reinigen. Meine Frau fand mich im Krankenhaus erst, als sie meine Arbeitskleidung und die Stiefel im Flur vor dem Krankenzimmer entdeckte. Lokomotivführer August Weil konnte seinen Dienst nicht wieder antreten; sein rechter Arm war verkrüppelt. Dem Zugschaffner Josef Müller musste ein Bein amputiert werden.

NSDAP-Mitglied wird nach Rettungsaktion in Limburg wieder eingestellt

Der entlassene Lokführer Wilhelm Lehna, der die Hilfsaktion veranlasst hatte, wurde in einem der Frankfurter Betriebswerke der Bahn wieder eingestellt. Feuerwehrinspektor Aloys Perabo erhielt vom Regierungspräsidenten ein Anerkennungsschreiben und wurde im Kreisblatt öffentlich belobigt.

Während der Tender wieder auf die Schienen gehievt werden konnte, war es damals mangels schwerer Kräne nicht möglich, die Lok zu heben. Laut Nieder wurde sie mit Zement ausgefüllt und liegt bis heute zugeschüttet zwischen Bahndamm und Lahnbett.

Bei Franz-Karl Nieder ist der Zusatz zu lesen: "Das Wasser- und Schifffahrtsamt Koblenz teilte auf Anfrage mit, dass dort "nach Rücksprache mit den Kollegen im Außenbezirk Diez" von einer Lokomotive in der Lahn nichts bekannt sei.

red

Frankfurt: Eine alte Lokomotive, die auf den Schienen durch die Innenstadt fährt, sorgt am Morgen für Aufsehen. Das steckt dahinter. Aufgrund von Corona fiel das Kalkwerk-Festival in diesem Jahr aus. Die Verluste machen sich bei dem Verein bemerkbar. Deshalb wurde nun eine Crowdfunding-Aktion gestartet.

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