Das Landgericht in Limburg
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Das Landgericht in Limburg. (Symbolfoto)

Perfide Herangehensweise

Prozess in Limburg: 61-Jähriger wollte wohl Frauen in den Suizid treiben, um sich zu befriedigen

  • vonAnken Bohnhorst-Vollmer
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Ein 61-Jähriger steht in Limburg vor Gericht. Er soll versucht haben, Frauen in den Suizid treiben. Seine Opfer suchte er wohl in Selbsthilfeforen.

  • Ein 61 Jahre alter Mann steht vor dem Landgericht Limburg.
  • Der Vorwurf: Der Angeklagte habe Frauen in den Selbstmord treiben wollen, um sich daran sexuell zu befriedigen.
  • In einem Fall wurde der Mord vollendet.

Limburg – Wegen Mord, versuchtem Mord und der Beteiligung an einer Tötung steht ein heute 61-jähriger Mann aus der Region ab Dienstag, 6. Oktober, vor der Schwurgerichtskammer des Landgerichts in Limburg. Die Opfer seien stets psychisch labile Frauen gewesen, die der Angeklagte in den Selbstmord habe treiben wollen, um sich an deren Suizid sexuell zu befriedigen, berichtet Oberstaatsanwalt Joachim Herrchen vor Prozessauftakt.

Prozess vor dem Landgericht Limburg: Mann wollte Frauen wohl in den Suizid treiben

Dabei sei der Mann jeweils ähnlich vorgegangen: In Selbsthilfeforen im Internet, in denen sich suizidgefährdete Menschen austauschen, lernte er die Frauen kennen, die an ihrer Lebenssituation verzweifelten und sich mit Selbstmordgedanken befassten. Er gewann deren Vertrauen und begann sie zu manipulieren.

Der älteste Fall, der jetzt verhandelt wird, datiert aus dem Frühjahr 2012. Der Angeklagte telefonierte und chattete täglich mehrmals mit einer Frau aus dem Raum Limburg, die ihm schließlich zu verstehen gab, dass sie sterben wolle, ohne dabei Schmerzen erleiden zu müssen. Das habe der Mann ausgenützt und der Frau drei Varianten zur Selbsttötung vorgeschlagen, sagt Oberstaatsanwalt Herrchen. Entweder solle sie Tabletten nehmen, und anschließend werde er sie erhängen. Oder er fahre mit der Frau in einen Wald, wo sie sich nackt ausziehen solle, ehe er sie erhänge.

Prozess vor dem Landgericht Limburg: Angeklagter soll sich psychisch angeschlagene Frauen gesucht haben

Als dritte Option bot er an, die Frau solle sich entkleiden, dann werde er ihr die Kehle durchschneiden. Die Frau willigte in Variante eins ein, offenbarte sich aber zwei Bekannten. Daraufhin wurde sie in die Psychiatrie eingewiesen. Die Anklage in diesem Punkt lautet: Der Beschuldigte habe sich bereiterklärt, ein Verbrechen zu begehen.

Der zweite Fall ereignete sich im November 2015 in Nürnberg. Erneut nahm der heute 61-Jährige über das Internet Kontakt zu einer psychisch angeschlagenen Frau auf, die sich allerdings zunächst nicht das Leben nehmen wollte. Dem Angeklagten gelang es auch hier, die Frau zu manipulieren und sie von ihrem Selbstmord zu überzeugen. Die Frau willigte ein und folgte den Anweisungen des Mannes. Sie entkleidete sich, legte sich einen Gürtel um den Hals und kletterte auf einen Stuhl. Dann änderte sie jedoch ihre Meinung und brach den Selbstmordversuch ab. Der Vorwurf in diesem Fall lautet: Versuchter Mord zur Befriedigung des Geschlechtstriebs.

Landgericht Limburg: Die perfide Masche mündete in einem Mord

Im dritten Fall, der ab Oktober vor dem Landgericht Limburg verhandelt wird, wurde der Mord allerdings vollendet. Auch hier gelang es dem Mann im Februar 2016, einer Frau aus Bremen zu suggerieren, dass sie ihrem Leben ein Ende setzen wolle. Auch sie zog sich für den Angeklagten nackt aus, legte sich einen Gürtel um den Hals und erhängte sich. Wegen einer vergleichbaren Tat ist der Angeklagte bereits rechtskräftig durch das Landgericht Gießen verurteilt worden, teilt Henrik Gemmer, Sprecher des Landgerichts, mit. Der Angeklagte befinde sich daher in Haft. (Von Anken Bohnhorst)

Generell berichten wir nicht über Selbsttötungen, damit solche Fälle mögliche Nachahmer nicht ermutigen. Eine Berichterstattung findet nur dann statt, wenn die Umstände eine besondere öffentliche Aufmerksamkeit erfahren. Wenn Sie oder eine Ihnen bekannte Person unter einer existentiellen Lebenskrise oder Depressionen leidet, kontaktieren Sie bitte die Telefonseelsorge unter der Nummer: 0800-1110111. Hilfe bei Depressionen und anderen psychischen Notfall-Situationen gibt es außerdem unter www.deutsche-depressionshilfe.de. Hilfe bietet auch der Krisendienst Frankfurt unter 069-611375. Weitere Infos finden Sie auf der Webseite www.bsf-frankfurt.de.

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