Heike Gerhardt ist froh, dass die beiden Männer ihren Vater Herbert gefunden und ihm geholfen haben. Erst einmal bleibt Herbert Gerhardt bei seiner Tochter.
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Heike Gerhardt ist froh, dass die beiden Männer ihren Vater Herbert gefunden und ihm geholfen haben. Erst einmal bleibt Herbert Gerhardt bei seiner Tochter.

Zwei Männer greifen beherzt ein

Limburg: Zwei Männer eilen demenzkrankem Rentner zu Hilfe - und retten ihm das Leben

  • vonTobias Ketter
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Limburg: Demenzkranker Senior verschwindet aus Altenheim und stürzt. Nach einer erfolgslosen Suchaktion beweisen zwei junge Männer Zivilcourage.

Limburg - Die Kreisstadt Limburg hat zwei neue Lebensretter. Daniel Bauer und Benny Krick bewiesen vor knapp drei Wochen Zivilcourage, als sie die Rufe eines verletzten Rentners in der Industriestraße hörten und ihm zu Hilfe eilten. Dem beherzten Einsatz der beiden Männer ist es zu verdanken, dass der demenzkranke Senior noch lebt und mit einigen Wunden und einer Unterkühlung davongekommen ist.

Nur rund 24 Stunden lang war der 88-jährige Herbert Gerhardt in einem Limburger Seniorenzentrum beheimatet. Dann entschloss er sich, das Gelände, nur mit einem Pullover, einer Hose und Pantoffeln bekleidet, zu verlassen. "Wir haben meinen demenzkranken Vater einen Tag vor dem Vorfall in das Seniorenzentrum gebracht, da er zu Hause kaum noch laufen konnte", sagt Heike Gerhardt. Der Ausflug des 88-Jährigen endete auf dem Betriebsgelände der Firma Limtronik in der Limburger Industriestraße. Dort sei der orientierungslose Mann vermutlich an einem Zaun hängen geblieben, gestürzt und dann nicht mehr auf die Beine gekommen.

Rentner stürzt bei Abendspaziergang in Limburg: Zwei Männer hören Hilferufe

Auf die Hilferufe des Seniors wurden Daniel Bauer und Benny Krick aufmerksam, die gerade einen Abendspaziergang in der Stadt machten. "Normalerweise laufen wir nicht durch die Industriestraße", sagt Bauer. "Es war ein glücklicher Zufall, dass unsere Route diesmal dort entlangführte." Als sie Herbert Gerhardt in der Dunkelheit entdeckten, eilten die beiden 37-Jährigen sofort zu ihm. Während Bauer sich mit dem Rentner unterhielt, um ihn zu beruhigen, wählte Krick den Notruf. Herbert Gerhardt habe völlig klare Antworten gegeben. "Allerdings wusste er nicht wirklich, wo er sich befindet", berichten die beiden Retter.

"Da der Mann wegen den niedrigen Temperaturen und dem stürmischen Wind stark unterkühlt war, hat mein Kumpel ihm dann noch seine Jacke geliehen", sagt Daniel Bauer. Ihm fiel auf, dass der Senior am Kopf blutete. Deshalb hielten die beiden Limburger einen Lastwagen an, der auf der Industriestraße unterwegs war. Der Fahrer schenkte ihnen ein Erste-Hilfe-Päckchen, so dass die beiden Retter die Wunde am Kopf des Seniors schon vor dem Eintreffen des Krankenwagens versorgen konnten.

Polizei und Krankenwagen vor Ort: 88-Jähriger aus Limburg kann Klinik schnell verlassen

Wenige Minuten später trafen die Polizei, die Verwandten von Herbert Gerhardt und auch der Krankenwagen auf dem Firmengelände ein. Der 88-Jährige wurde dann zur Erstversorgung ins Krankenhaus nach Diez gebracht. Noch am selben Abend verlegten die Rettungskräfte den Mann für weitere Untersuchungen ins Limburger St.-Vincenz-Krankenhaus. Über Nacht musste er dort allerdings nicht bleiben. Gegen 1 Uhr in der Früh nahm ihn seine Tochter mit nach Hause. Dort erholt sich der Rentner nun von seinen Verletzungen.

"Wir haben uns entschlossen, meinen Vater nicht zurück in das Seniorenheim zu bringen", sagt Heike Gerhardt. "Dafür ist er anscheinend noch zu fit." Laut der Tochter des Seniors könne er seit dem Vorfall vor einigen Wochen wieder sehr gut laufen. "Vorher hat er sich kaum noch bewegt. Es ist fast wie ein Wunder", freut sich die Tochter.

Rentner aus Limburg plant persönliches Treffen mit seinen Lebensrettern im Sommer

Sie ist den beiden Lebensrettern aus Limburg sehr dankbar. Viele Verwandte und Freunde seien an der Suchaktion nach dem Verschwinden aus dem Seniorenheim beteiligt gewesen. "Ich selbst bin auch mehrfach mit dem Auto die Industriestraße entlanggefahren, konnte meinen Vater aber nicht sehen, da das Firmengelände nicht beleuchtet war", berichtet Heike Gerhardt. Umso erleichterter war die Tochter, als sie darüber informiert wurde, dass man ihren Vater gefunden habe.

Zum Dank für das couragierte Eingreifen hat die Tochter des demenzkranken Mannes den beiden Rettern Pralinen und einen Umschlag mit Geld übergeben. "Ein Menschenleben ist zwar nicht bezahlbar, aber ich wollte einfach nochmals deutlich machen, wie dankbar ich ihnen bin", sagt sie. Für Krick und Bauer war das Einschreiten eine Selbstverständlichkeit. "Als wir die Rufe gehört haben, war uns sofort klar, dass wir helfen müssen", sagen die beiden 37-Jährigen, die schon seit der Realschule befreundet sind. Sollte es die Corona-Pandemie zulassen, wollen sie sich im Sommer nochmals persönlich mit Familie Gerhardt treffen. (Tobias Ketter)

Auch in Kelsterbach griffen zwei junge Männer beherzt ein und retteten einem Mann das Leben. Dafür wurden sie sogar als „Helden des Alltags“ ausgezeichnet.

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