Mit einem fehlenden Pflegebett machten die Linken in Limburg auf Mängel im Gesundheitssystem aufmerksam.
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Mit einem fehlenden Pflegebett machten die Linken in Limburg auf Mängel im Gesundheitssystem aufmerksam.

Gewinnorientiert

Limburg: Linke beklagt Pflegenotstand

Aktion vor der evangelischen Kirche am Bahnhof

Limburg -Auf den Pflegenotstand und Ärztemangel sowie die Auswirkungen der fortschreitenden Privatisierung des Gesundheitssystems hat die Partei Die Linke am Samstag vor der evangelischen Kirche am Limburger Bahnhof aufmerksam gemacht. Die hessische Landesvorsitzende Petra Heimer sowie die gesundheitspolitischen Sprecher von Bundes- und Landtagsfraktion, Dr. Achim Kessler und Christine Böhm, schafften symbolisch ein fehlendes Pflegebett zum Infostand des heimischen Kreisverbands herbei.

Petra Heimer erläuterte, warum zu Anfang der Corona-Pandemie in einem modernen Land wie Deutschland in den Krankenhäusern nicht genügend Notfall- und Intensivbetten sowie Mund-Nasen-Schutz zur Verfügung gestanden hätten. Seien Krankenhäuser privat, stehe der Gewinn eben über dem Wohl von Patienten und Mitarbeitern. So werde die Gesundheit der Bürger leichtfertig aufs Spiel gesetzt. Und dem Pflegepersonal nutze es, so Heimer weiter, wenig, abends einen netten Applaus für ihren hohen Einsatz zu erhalten. Fachlich gute und arbeitsmäßig stark beanspruchte Mitarbeiter in solch systemrelevanten Berufen bräuchten eine deutlich bessere Bezahlung.

Die Landtagsabgeordnete Christine Böhm erklärte, warum sieben Prozent der Hausarzt-Sitze in Hessen nicht besetzt seien und sich gerade hier auf dem Land die Situation die kommenden Jahre noch deutlich zu verschärfen drohe. Ärzte würden mit Privatpatienten eben an meisten Geld verdienen und sich darum in reichen Städten ansiedeln.

Plädoyer für eine Bürgerversicherung

Die gesundheitspolitische Sprecherin der Linken hat zudem den Eindruck, dass die Landesregierung in Wiesbaden sich wenig um Landkreise wie Limburg-Weilburg kümmere. Durch eine Verbesserung der Ausbildungssituation junger Ärzte sowie der Infrastruktur auf dem Land müsse aber auch hier deutlich mehr gegen Ärztemangel getan werden.

Krankenhäuser müssten vor Ort erhalten bleiben, denn ohne sie würden viele weitere Ärzte aus der Region verschwinden. Doch ein Drittel der Geburtshilfestationen seien in Hessen in den vergangenen Jahren beispielsweise bereits geschlossen worden.

Böhm sprach sich auch für die Verbesserung der Mobilitätsangebote gerade für ältere Menschen aus, die nicht mehr selbst Auto fahren wollten. Jeder müsse die Chance haben, in höchstens 30 Minuten Fahrzeit das nächste Krankenhaus zu erreichen, so die gesundheitspolitische Sprecherin aus Wiesbaden. Hessen brauche auch 11 000 zusätzliche Pflegekräfte. Der Grund, warum hier Fachpersonal fehle, sei jedoch nicht nur die zu schlechte Bezahlung, sagte die Landtagsabgeordnete. Darüber hinaus sei die Arbeitsbelastung zu hoch. Von daher müsse dafür gesorgt werden, dass die Betroffenen ein Arbeitsumfeld vorfinden würden, in dem sie nicht aus gesundheitlichen Gründen frühzeitig gezwungen seien, den Beruf aufzugeben.

Bundestagsabgeordneter Achim Kessler warf CDU, SPD, Grünen und FDP vor, das deutsche Gesundheitssystem in den vergangenen Jahren nur auf Profit getrimmt zu haben. Und wenn es nur noch um Gewinne gehe, werde eben an Material gespart und die Gesundheit der Menschen aufs Spiel gesetzt. Ein Patient müsse solange behandelt werden, wie es gesundheitlich notwendig sei, und nicht, wie lange er dem Krankenhaus Gewinn bringe. Einnahmemaximierung gehe ebenfalls auf Kosten von Mitarbeitern. Von daher zeige gerade die Corona-Pandemie deutlich, dass ein Gesundheitssystem wieder in öffentliche Hand gehöre.

Das Problem mit der ärztlichen Unterversorgung auf dem Land möchten die Linken laut Kessler mit einer Abschaffung der privaten Krankenversicherungen erreichen. Dafür solle es eine Bürgerversicherung geben, in die alle - vom Beamten bis hin zum Freiberufler - einzahlten und die jedem Menschen die gleiche gute Behandlung sichere.

Die heimische Kreissprecherin der Linken, Rachel Backhaus, bezeichnete die Gesundheitspolitik auch für unsere Region als großes Thema. Der Kreisverband werde weiterhin mit einem monatlichen Infostand in Limburg informieren und für Bürgerfragen zur Verfügung stehen. Robin Klöppel

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