Die Stele in der Werner-Senger-Straße soll stehenbleiben, allerdings ohne aufwendige Technik. Die Stele soll der Lichfielder Künstler Peter Walker für sein Projekt "Pity of war" nutzen.
+
Die Stele in der Werner-Senger-Straße soll stehenbleiben, allerdings ohne aufwendige Technik. Die Stele soll der Lichfielder Künstler Peter Walker für sein Projekt "Pity of war" nutzen.

Einst im Schwarzbuch

Limburg: Lösung für umstrittene Stelen scheint nahe

Für alle drei Standorte schlägt die Verwaltung unterschiedliche Vorgehensweisen vor, aber keine bleibt, wie sie war.

Limburg -Seit Jahren suchen Limburger Stadtpolitik und Verwaltung nach einer sinnvollen Verwendung für die drei Stelen aus Cortenstahl in der Innenstadt. Seit November 2019 sind sie offiziell abgeschaltet. Nun zeichnet sich eine Lösung ab. Der Magistrat empfiehlt der Stadtverordnetenversammlung, die Stele in der oberen Bahnhofstraße zu entfernen und durch eine DFI-Anlage (dynamische Fahrgastinformation) zu ersetzen, die Stele in der unteren Bahnhofstraße zunächst einmal ersatzlos zu entfernen und die Stele in der Werner-Senger-Straße künstlerisch zu nutzen.

Die Stelen haben der Stadt in der Vergangenheit einiges an Aufmerksamkeit beschert. Der Steuerzahlerbund hat sie zwei Mal in sein Schwarzbuch wegen der Verschwendung von Steuergeldern aufgenommen. Die Suche nach Lösungen war jedoch nicht einfach, denn es bedurfte der Zustimmung der Planerin, um die Stelen anders als vorgesehen zu verwenden oder sie gegebenenfalls auch zu demontieren. Und es waren Lösungen zu suchen, da sie mit öffentlichen Mitteln des Landes gefördert worden waren und die Förderung dabei einer Zweckbindung von 15 Jahren unterliegt.

Es ist Zeit, einen

Schlussstrich zu ziehen

"Die Entscheidung ist uns nicht leicht gefallen. Alle, die sich in der Vergangenheit für die Aufstellung und die technische Ausstattung der Stelen ausgesprochen haben, taten dies im guten Glauben, damit positive Akzente für die Innenstadtgestaltung zu setzen. Dieser Aspekt ist nicht in Erfüllung gegangen. Und das Ganze hat auch noch viel Geld gekostet", sagt Bürgermeister Dr. Marius Hahn (SPD). Doch nun sei es höchste Zeit, einen Schlussstrich zu ziehen.

Was der Magistrat vorschlägt, ist eine Mischung aus verschiedenen Vorschlägen und Ansätzen, die in den vergangenen Jahren diskutiert und angeregt wurden. Der Standort in der oberen Bahnhofstraße soll weiter genutzt werden. Dort ist der Aufbau einer dynamischen Fahrgastinformation für die Nutzer des Nahverkehrs im und am Bahnhof vorgesehen. Der vorhandene Korpus aus Cortenstahl wird jedoch abgebaut, da die Kosten für eine Umrüstung zu hoch sind (115 000 Euro für drei Stelen) und das Problem mit den hohen Temperaturschwankungen im Korpus und die damit verbundenen hohen Energie- und Wartungskosten bestehen blieben.

Kunstprojekt

in der Südstadt

Die Stele in der unteren Bahnhofstraße soll zunächst einmal ersatzlos demontiert werden. Eine DFI-Anlage kommt dort nicht in Frage, da der Standort in keiner direkten Wegebeziehung zum Bahnhof steht. Die Stele bietet ihr Informationsangebot auf der Seite zur Bebauung und damit dem Publikumsverkehr abgewandten Seite an. Die beiden demontierten Stelen sollen in einem Kunstprojekt des Städteförderprogramms der Südstadt "Sozialen Stadt" verwendet und bis dahin zwischengelagert werden.

Für die Stele in der Werner-Senger-Straße wird eine künstlerische Verwendung angestrebt. Auch die Planerin der Stelen hatte den Wunsch geäußert, ihre Objekte nicht einfach abzubauen. "Der Lichfielder Künstler Peter Walker möchte sein Projekt ,Pity of war' auch in der deutschen Partnerstadt Limburg umzusetzen", sagt Hahn. Das Projekt soll an die vielen ungenannten und damit vor allem an die zivilen Opfer des Zweiten Weltkriegs erinnern. In England hat Walker schon verschiedene Standorte mit Skulpturen ausgestattet.

Die Skulptur kann dort ihren Platz finden, wo sich aktuell noch die Bildschirme befinden. Eine Lösung ist dann noch für die Anzeige der Friedrich-Dessauer-Schule notwendig, die eine Bildschirmseite nutzt, um über ihr in direkter Nachbarschaft befindliches "Monument of Friendship" zu informieren.

Funktion nie erfüllt, dafür schon mehr als

eine halbe Million Euro ausgegeben

Die zwei Stelen in der Bahnhofstraße wurden 2012 aufgestellt, die in der Werner-Senger-Straße 2014. Die drei Stelen sind Bestandteil eines Leitsystems, das entwickelt worden war, nachdem sich das ehemalige Bahnwerk zu einem Einzelhandelsstandort gewandelt hatte und neue Konkurrenz durch das FOC in Montabaur drohte. Das Bestreben in Limburg war es, die Innenstadt zu stärken. An klar definierten Standorten sollten mit den Stelen räumlich sowie gestalterisch wirksame Elemente angeordnet werden, die Orientierungshilfe und Informationen geben. Verbunden werden sollten die Stelen mit einem rostroten Band. Ziel war es, mit künstlerischen und gestalterischen Mitteln eine durchgängige und wiedererkennbare Idee zur Fußgängerorientierung im Sinne eines Fußgängerleitsystems umzusetzen.

Allerdings mussten bei der Umsetzung von Beginn an Abstriche gemacht werden. Das rostrote Band ließ sich nicht wie geplant umsetzen. Die Probephase mit einer begehbaren Fläche aus Cortenstahl war durch einen Unfall schnell beendet. Das Band, ursprünglich in der Breite der Stelen geplant, büßte an Breite deutlich ein und verlor so auch einen Teil seiner Leitfunktion.

Die Stelen selbst sollten mit Bildschirmen und Touchscreenfunktion den Touristen und Kunden der Stadt als Informationsportal dienen, das über Angebote (Hotel, Gastronomie, Veranstaltungen, Sehenswürdigkeiten) Auskunft gibt. Allerdings erfüllten sie die Funktion zu keinem Zeitpunkt. Die Technik war durch die sich entwickelnde Smartphonetechnik schnell überholt, zudem sehr störanfällig und damit wartungsintensiv sowie mit hohen Energiekosten belastet, da der Korpus aus Cortenstahl eine aufwendige Kühlung erfordert.

Auf Anfrage in der Stadtverordnetenversammlung wurde am 17. Februar 2020 mitgeteilt, dass sich die Investitionskosten für die drei Stelen auf 445 683,86 Euro beliefen, die seit Inbetriebnahme anfallenden Betriebskosten summieren sich auf 63 434,74 Euro. Für die Demontage der beiden Stelen in der Bahnhofstraße sind Kosten in Höhe von insgesamt 10 000 Euro veranschlagt, für die Umgestaltung der Stele III in der Werner-Senger-Straße rund 1000 Euro. red

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare