npl_ballermann_311020
+
Als Ballermann-Star und Miss Germany ist Isi Glück bekannt geworden. Nun war sie der Stargast beim wegen Corona umstrittenen Mallorca-Stammtisch in der „Fabrik“ in Limburg.

Negatives Echo nach ZDF-Bericht

Mallorca-Party trotz Corona in Limburg sorgt für Aufregung: Stadt und Ausrichter im Streit

  • vonRobin Klöppel
    schließen
  • Joachim Heidersdorf
    Joachim Heidersdorf
    schließen

Kurz vor dem zweiten Corona-Lockdown wird in Limburg eine Mallorca-Party gefeiert. Das ZDF-Magazin „Hallo Deutschland“ strahlt einen Report darüber aus. Der Kreis will juristische Klärung.

Limburg – Auf Deutschlands beliebtester Ferieninsel ist es ruhig, doch die vom ZDF dokumentierte Mallorca-Party in Limburg schlägt im Nachhinein hohe Wellen. Der Kreis hat juristische Schritte angekündigt.

Das Gesundheitsamt hat die Veranstaltung in der Event-Location "Fabrik" in der Rudolf-Schuy-Straße jedenfalls nicht genehmigt, teilt der Kreis mit. Musste es auch nicht, sagen die Ausrichter. Sie berufen sich auf eine pauschale Genehmigung des aus ihrer Sicht zuständigen Ordnungsamts der Stadt Limburg. Dem Landkreis war die Party nicht bekannt, sagt Sprecher Jan Kieserg. Ob eine Genehmigung erforderlich war oder nicht, solle nun geprüft werden.

Mallorca-Party in Limburg trotz Corona: Bericht bei ZDF-Sendung „Hallo Deutschland“

Die Stadt Limburg widerspricht der Darstellung von "Fabrik"-Inhaber Sven Blümel und Sicherheitschef Michael Krzyzniewski, es sei alles ordnungsgemäß gelaufen. "Es kommt darauf an, ob die zulässige Personenzahl von 100 überschritten wurde und die Gäste sich konsequent an Tanzverbot und Abstandsregeln gehalten haben", so Sprecher Johannes Laubach. Dies stellt Laubach nach Ansicht des "Hallo Deutschland"-Berichtes stark infrage.

Er bestätigt, dass zum Zeitpunkt der Veranstaltung laut Verordnung Events mit maximal 250 Personen ohne gesonderte Genehmigung möglich gewesen sind. Freilich unter bestimmten Auflagen, wie Hygienekonzept und Abstandsregeln. Unabhängig von der Personenzahl seien Veranstaltungen untersagt, die geeignet seien, das Abstandsgebot zu gefährden. Der Sprecher erläutert, dass die Stadt dem Geschäftsführer der "Fabrik" Anfang September mitgeteilt habe, dass ein eingeschränkter Betrieb der "Fabrik" für möglich gehalten werde. Im Vorfeld seien die Bedingungen abgestimmt worden. Dabei sei die maximale Besucherzahl auf 100 festgelegt worden; die Stadt habe zudem auf Nachbesserungen bestanden. "Dabei ging es auch darum, auf Motto-Partys zu verzichten", sagt Laubach.

Mallorca-Party in Limburg trotz Corona: 100 oder 200 Gäste maximal erlaubt?

Blümel weist den Vorwurf entschieden zurück. "Das Ordnungsamt hat mir schriftlich bis zu 200 Gäste für Events genehmigt. Das kann ich durch den Schriftverkehr nachweisen", sagt er. Krzyzniewski hatte gegenüber dieser Zeitung von 150 angebotenen Karten und 120 erschienenen Gästen gesprochen.

Blümel findet es schade, wenn durch die rechtliche Prüfung des Vorgangs in Limburg der aus seiner Sicht falsche Eindruck entstehe, dass hier etwas Illegales passiert sei. Er meint, dass er im November ohne weitere Genehmigung bis zu 250 Personen in die "Fabrik" hätte lassen dürfen. Er habe aber in den vergangenen Wochen freiwillig nicht mehr als 150 Gäste ins Haus gelassen, weil ihm die Corona-Vorsorge wichtig sei. Aus diesem Grund habe er auch den "Mallorca-Stammtisch" vom Abend auf den Nachmittag vorverlegt. Dies sei keine Verpflichtung gewesen. "Daran sieht man, wie verantwortungsbewusst wir mit dem Thema Corona umgehen", betont Blümel.

In den vergangenen Wochen hat es nach seinen Angaben sonst nur Sitzplatzveranstaltungen mit Abstand und Hygiene gegeben. Deswegen wäre es für ihn schade, wenn der "Fabrik", die bei solchen Events nur als Raumvermieter und nicht als Veranstalter auftrete, durch ungerechtfertigte Äußerungen über den "Mallorca-Stammtisch" ein Rufschaden entstünde. Der Inhaber fühlt sich ohnehin von der Stadt Limburg gegenüber Mitbewerbern benachteiligt. Eine andere Limburger Disco habe nach dem ersten Lockdown bereits mehrere Wochen vorher als er wieder aufmachen dürfen. Und "anderswo in Limburg" habe es sogar Veranstaltungen mit fast 500 Gästen gegeben habe, ohne dass es jemanden interessiert habe. Blümel glaubt, dass aufgrund der Schließung aller Locations im November viele illegale Partys in Limburg stattfinden werden. "Das kann nicht im Sinne der Corona-Vorsorge sein", sagt er. (Robin Klöppel und Joachim Heidersdorf)

Kommentar zur Ballermann-Party: Hallo Limburg, geht’s noch?

Es fällt mir schwer, in dieser Zeit etwas Negatives zur Veranstaltungsbranche zu schreiben. Aber nach dem Betrachten der unsäglichen Fernsehbilder von der Ballermann-Party fällt es leicht. Solche Auswüchse sind mitverantwortlich für den ganzen Schlamassel, unter dem jetzt wieder viele unnötig leiden müssen. Die wenigen schwarzen Schafe verdüstern das sonst so positive Bild. 95 Prozent der Gastronomen und Veranstalter haben sich in der Krise vorbildlich verhalten und alle Auflagen erfüllt. Warum sie nun Berufsverbot haben, versteht kaum einer. Gerechter wäre es, strenger zu kontrollieren und Verstöße härter zu sanktionieren.

Mich erstaunt und irritiert, dass die als „Stammtisch“ verharmloste Sause von wem und in welcher Form auch immer genehmigt worden sein soll. Diese Frage muss noch geklärt werden. Daran zu glauben, die Gäste würden sich bei einer solchen Fete diszipliniert verhalten, ist absurd. Das wäre das gleiche, als wenn im Dom nicht gebetet werden dürfte.

ZDF berichtet über Party trotz Corona in Limburg: Stadt in schlechtes Licht gerückt

Die Aufnahmen aus der „Fabrik“ strafen den Sicherheitschef Lügen. Er behauptet zwar am Ende des Beitrags, alles habe gut geklappt, sagt jedoch vorher vor der Kamera, dass „die“ um 19 Uhr (!) „schon ganz schön geladen sind mit Alkohol“. Und jeder sieht es: Das „ausgehungerte Partyvolk“, so der Reporter, singt, hüpft und tanzt in ausgelassener Stimmung. Eine Frau ohne Maske auf dem Tisch . . . Der von der Moderatorin verratene „Trick“, das Einhalten der Corona-Vorschriften gelinge durch die Vorverlegung auf 15 Uhr, hat nicht funktioniert. Überhaupt: Was ist besser daran, fünf Stunden früher besoffen zu sein und herumzugrölen? Es waren gewiss auch nüchterne und ruhige Leute da, aber in der Minderheit.

Party feiern mag für viele genauso wichtig sein wie für andere der Besuch im Konzert, Theater und Restaurant. Bei dieser Katastrophe besteht zwischen diesen Bedürfnissen und der Umsetzung jedoch ein gewaltiger Unterschied. Der in einer Sondersendung mit Millionen Zuschauern wiederholte ZDF-Beitrag hat Limburg wieder einmal bundesweit in ein schlechtes Licht gerückt. Völlig unnötig. In Anlehnung an den ZDF-Titel „Hallo Deutschland“ frage ich: „Hallo, Limburg, geht’s noch?“ (Joachim Heidersdorf)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare