Mit einem Victoryzeichen werben diese beiden Radler auf dem abgesperrten Parkstreifen für mehr Radwege in Limburg.
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Mit einem Victoryzeichen werben diese beiden Radler auf dem abgesperrten Parkstreifen für mehr Radwege in Limburg.

Aktion am Welttag des Fahrrads

Limburg: Mehr Platz für Radfahrer schaffen

  • vonRobin Klöppel
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ADFC fordert auf abgesperrtem Parkstreifen an der Diezer Straße mehr Radwege in der Region.

Limburg -Der Kreisverband Limburg-Weilburg des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) ist am gestrigen Internationalen Tag des Fahrrads in Limburg aktiv geworden. Radfahrer aus der Region versammelten sich gegen 16 Uhr in der Diezer Straße zwischen Schiede-Kreuzung und WERKStadt-Kreisel, um ihrer Forderung nach mehr politischem Engagement für ihr Thema in Limburg Nachdruck zu verleihen. Für vier Stunden wurde dafür der Randstreifen Richtung Diez zum Radweg umfunktioniert.

Ursprünglich hatte der ADFC eine der beiden Autospuren in Richtung Schiede nutzen wollen, doch die Stadt Limburg hatte es untersagt. Begründet wurde dies mit einer Baustelle und einem zu großem Rückstau in Richtung Kreisel im Berufsverkehr. Dies war nicht unbegründet, da am späten Nachmittag wesentlich mehr Autos als Radler zu verzeichnen waren und die Wagenkolonne auch so schon bis weit hinter den Kreisel stand.

Keine 50 Radler waren es dagegen wohl, die in der ersten Stunde der ADFC-Aktion bewusst oder unbewusst auf dem Radstreifen auftauchten. ADFC-Kreisvorsitzende Christine Rhodes war sich trotzdem zufrieden: "Man muss ja irgendwo mal anfangen und einfach mal etwas versuchen." Viele Bürger seien ja auch am späten Nachmittag noch am Arbeiten. Es sei die erste Aktion des ADFC am Internationalen Tag des Fahrrads in Limburg überhaupt, so Rhodes. Sonst habe er sich nur immer beim Radaktionstag der Stadt präsentiert.

Mehr E-Bikes und

viele Fahrräder

Der Kreisverband, dem 180 Mitglieder angehören, möchte künftig mehrere Fahrten in Limburg mit sogenannten Poolnudeln, Schaumstoffstäben, die den Autofahrern den vorgeschriebenen Mindestabstand von 1,50 Meter zum Radverkehr signalisieren sollen, starten. Der ADFC sei, wie Rhodes sagte, in Limburg an der Ausarbeitung des Masterplans Mobilität zwar beteiligt gewesen, vom Endergebnis sei sie jedoch enttäuscht. In Limburg und Umgebung müsse mehr getan werden. So gebe es im Kreis verglichen mit der Einwohnerzahl doppelt so viele E-Bikes wie im Bundesschnitt. 80 Prozent der Haushalte besäßen Fahrräder.

Stellvertretender Kreisvorsitzender Gregor Benner ergänzte, dass es besonders wichtig sei, am Rande von Bundesstraßen innerörtlich Radwege zu schaffen. Dadurch werde die Fahrt zur Arbeit mit dem Rad für Pendler attraktiver. An der Diezer Straße könnten dafür die Parkplätze am Seitenrand geopfert werden.

Erster Stadtrat Michael Stanke (CDU) sagte, dass für die Diezer Straße eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben worden sei. Aber es müsse dann auch parlamentarische Mehrheiten geben, was beim letzten Versuch nicht der Fall gewesen sei. SPD-Stadtverordnete Marietta Arnold sagte, die Stadt versuche, soviel es geht für den Radverkehr zu tun. Es gehe aber alles nur Schritt für Schritt. Mit dem Masterplan Mobilität sowie dem Luftreinhalteplan gebe es, so Arnold, schon gute Ansätze.

Der begeisterter Radfahrer Karl Diehl erzählte, dass er sich an der Aktion beteilige, damit in Limburg noch mehr Verkehrsraum für den Radverkehr geschaffen werde. Gerade bei der hohen Feinstaubbelastung sollte die Stadt seiner Meinung nach ein großes Eigeninteresse daran haben, dass viele Bürger aufs Rad umstiegen. Unter Bürgermeister Dr. Marius Hahn (SPD) werde schon einiges gemacht. So sei es eine tolle Sache, dass die zulässige Höchstgeschwindigkeit für den Autoverkehr in der Grabenstraße gesenkt worden sei. "Dadurch fühlen sich dort Radfahrer viel sicherer", sagte Diehl.

Mehrfach in gefährliche

Situationen geraten

Michael Albrecht fährt häufig mit dem Rad von Diez nach Limburg zur Arbeit. Er sei kein ängstlicher Mensch, aber gerade auf dieser Strecke sei er schon mehrfach in gefährliche Situationen geraten. Albrecht hofft nun, dass der Tag des Fahrrades politisch Verantwortliche wie Bürger dazu bringt, künftig mehr aufs Rad zu setzen. Bernd Wolf, der häufig mit dem Rad von Dietkirchen nach Diez fährt, sagte, dass Limburg noch mehr Radwege brauche. Zwischendurch gebe es immer wieder Passagen, wo man mitten durch die Stadt fahren müsse. "Das ist alles nicht ungefährlich", sagte Wolf.

Marianne Eufinger sagte, sie sei eben, wie erlaubt, in der Parkstraße gegen die Fahrtrichtung gefahren. Doch das sei nicht ungefährlich. Besser würde sie es finden, wenn auf einer Seite der Parkstraße das Parken verboten würde. Dann könnten auch mehr Schüler und Krankenhausbesucher dazu bewegt werden, auf das Rad umzusteigen. "Dem Radverkehr in der Stadt müsste mehr Raum gegeben werden", sagte Hildegard Rostek aus Diez. Gerade die Strecke nach Diez sei gefährlich. Die Alternative, über den Schafsberg zu fahren, sei für viele Radler einfach viel zu anstrengend.

"In der Corona-Krise haben viele Menschen das Fahrrad als krisensicheres Verkehrsmittel wieder entdeckt oder neu kennengelernt", sagte ADFC-Kreisvorsitzende Rhodes. Jetzt sei die Gelegenheit, dieses Umdenken in der Verkehrsmittelwahl auch in die Zeit nach Corona zu retten, indem, so der Slogan der ADFC-Kampagne, "mehr Platz fürs Rad" geschaffen werde.

Radhauptweg von Diez nach Limburg und

von dort zum ICE-Bahnhof soll geplant werden

Limburgs Stadtsprecherin Anna-Sophie Schindler beantwortet Fragen zum aktuellen Stand des Radverkehrs in der Kreisstadt.

Was hat die Stadt bisher in Sachen Radverkehr gemacht?

Bisher sind verschiedene Lückenschlüsse im Radwegenetz erfolgt. Dazu gehören die Wege in der Grabenstraße, in der Diezer Straße (zwischen Schiede und Grabenstraße) und in der Konrad-Kurzbold-Straße. Des Weiteren werden bestehende Radwege ausgebaut. Der jüngste war der zwischen Ahlbach und Offheim. Die Stadt fördert mit dem Programm "Limburg elektrisiert" die Anschaffung von E-Lastenrädern. Um auf das Thema Radfahren aufmerksam zu machen, veranstaltet die Stadt jährlich einen Fahrradaktionstag (2019 zum fünften Mal), macht seit 2015 bei der Aktion "Stadtradeln" mit und seit 2006 bei der Aktion "Mit dem Rad zur Arbeit". Bedingt durch die Pandemie gibt es dabei in diesem Jahr Absagen und zeitliche Verschiebungen. Im ICE-Parkhaus sind neue Fahrradabstellboxen mit Lademöglichkeiten aufgestellt worden und am Campus wurden neue Fahrradanlehnbügel aufgestellt, weitere im Stadtgebiet folgen.

Was ist noch in 2020 geplant?

Noch in diesem Jahr werden Lücken mit einem Radweg in der Offheimer Kapellenstraße sowie in der Eppenau geschlossen. In Ahlbach wird bei der Erschließung "Im Mergel" ein Fahrradschutzstreifen in der Jahnstraße gebaut. 579 000 Euro stehen dafür im aktuellen Haushalt zur Verfügung, außerdem gibt es Fördergeld vom Bund. Zudem soll ein gesamtstädtisches Radverkehrskonzept erarbeitet werden. Dabei soll eine Machbarkeitsstudie für den Radhauptweg von Diez in die Limburger Innenstadt und von dort zum ICE-Bahnhof in den Blick genommen werden. Des Weiteren sollen in diesem Konzept auch weitere Standorte für Fahrradabstellanlagen vorgeschlagen werden. Der Förderantrag dazu ist gestellt und die Ausschreibung vorbereitet. Im Haushalt 2020 stehen 80 000 Euro dafür zur Verfügung. In der Innenstadt sowie in den Stadtteilen sollen weitere Anlehnbügel im öffentlichen Raum aufgestellt werden.

Was ist langfristig vorgesehen?

Geplant sind Radwege in der Westerwaldstraße und am Knotenpunkt Über der Lahn/Dietkircher Weg. Die Umsetzung in der Westerwaldstraße ist für 2021 und im Dietkircher Weg für 2022 vorgesehen. Auf das intensive Drängen der Stadt Limburg hin wird nun ein 3,5 Meter breiter Geh- und Radweg an der Lichfieldbrücke im Zuge des Ersatzneubaus hin geplant. Zudem wird an der L 3443 auf gemeinsame Initiative der Stadt Limburg und der Gemeinde Hünfelden hin ein straßenbegleitender Radweg zwischen Lindenholzhausen und Mensfelden geplant. Am ICE-Bahnhof sollen weitere hochwertige Fahrradabstellanlagen für Pendler und Beschäftigte entstehen. Eine Möglichkeit ist die Beteiligung an der Bike + Ride-Offensive der Deutschen Bahn, die 2021 noch gefördert wird. Langfristig ist, wie erwähnt, die Errichtung eines Radhauptweges von Diez nach Limburg und von dort zum ICE-Bahnhof geplant.

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