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Limburg: Menschenschicksale auf kleinen Messingplatten

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Das Denkmal in der Schiede erinnert an den Standort der Synagoge der jüdischen Gemeinde in Limburg bis zu deren Zerstörung 1938.
Das Denkmal in der Schiede erinnert an den Standort der Synagoge der jüdischen Gemeinde in Limburg bis zu deren Zerstörung 1938. © JOSEPHINA RABIYA

Spurensuche nach Juden in der Domstadt

Ich habe neulich einen Artikel über Antisemitismus gelesen. Dabei ist mir aufgefallen, dass man oft nur über Antisemitismus liest und gar nicht über Freundschaft mit Juden. Woher kommt eigentlich Antisemitismus? Wie kann man ihn bekämpfen? Danach habe ich darüber nachgedacht, wie ich überhaupt Kontakt zu Juden bekommen kann. Mir ist aufgefallen, dass ich keine Juden kenne. Ich dachte mir: Wenn es mir so geht, dann wird es vielen anderen Jugendlichen in Limburg genauso gehen. In den folgenden Wochen habe ich mich auf die Suche nach dem Judentum in Limburg gemacht.

Zuerst habe ich recherchiert und bin auf einen Bericht der NNP gestoßen, dass die Synagoge der jüdischen Gemeinde in Limburg in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1939 abgebrannt ist. Das jüdische Gemeindeleben in Limburg kam danach zum Erliegen.

Nachdem die jüdische Gemeinde von Limburg neu gegründet wurde, war sie auf der Suche nach einer geeigneten Räumlichkeit für Zusammenkünfte. In dieser Zeit fanden ihre Zusammenkünfte im Haus des Bezirkscaritasverbandes und der Marienschule statt. Erst zehn Jahre nachdem es wieder eine jüdische Gemeinde in Limburg gegeben hatte, wurden ein jüdisches Gemeindehaus und eine Synagoge eingeweiht. Die Synagoge ist eine umgebaute Kirche. Die Kirche wurde dann mit Hilfe von Spenden und Hilfsgeldern in eine Synagoge umgebaut.

Während der Recherchen erinnerte ich mich an einen Radiobericht über den Künstler Gunter Demnig. Er macht Stolpersteine als Gedenken an die Menschen, die von den Nazis verfolgt und getötet wurden. Unter diesen Menschen waren unter anderem auch viele Juden. Die Stolpersteine hat er vor deren jeweiliges Haus in die Straße eingearbeitet. Sie bestehen aus Messing. Weltweit gibt es heute mehr als 80 000 dieser Stolpersteine.

In Limburg gibt es 108 Stolpersteine (Stand: 2020). Nicola Andersson hat eine App entwickelt, mit der man den Stein nur scannen muss, um die Geschichte des Menschen, dessen Namen auf dem Stein steht, entdecken zu können. Das habe ich in einem Bericht im Spiegel gelesen. Es gibt auch eine weitere Webseite: Stolperstein-guide.de. Auf dieser Webseite kann man den Namen einer Stadt eingeben, dann erscheint eine Liste aller Namen auf den Stolpersteinen in dieser Stadt. Wenn man dann auf den Namen von einem Menschen klickt, erfährt man die Geschichte der Person und den Standort des Stolpersteins.

Die Woche der Brüderlichkeit

Diese Stolpersteine erinnern an die Vergangenheit. Ich wollte mehr über die jüdische Gegenwart erfahren. Also recherchierte ich weiter und stieß auf die Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit. In Deutschland gibt es über 80 Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit. Seit dem Jahre 1951 feiern alle Gesellschaften die "Woche der Brüderlichkeit". Die "Woche der Brüderlichkeit" wird von Juden und Christen gemeinsam organisiert und ist so etwas wie der ökumenische Kirchentag. Von den Gesellschaften sind 15 in Hessen.

In Limburg gibt es auch eine, sie heißt: Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Limburg und wurde am 29. April 1992 gegründet.

Diana Hörle ist die jüdische Vorsitzende dieses Vereins in Limburg. Seit Jahrzehnten ist sie aktiv und erklärt das Judentum und den jüdischen Glauben. Sie hält Vorträge, besucht Schulen und engagiert sich sehr für das friedliche Zusammenleben zwischen Christen und Juden. Ihr besonderer Schwerpunkt liegt bei der Jugend.

Ich habe mit Diana Hörle telefoniert und sie hat mir viele spannende Dinge erzählt. Sie hat mir erklärt, worin sie eine Hauptursache für Antisemitismus sieht: "Jugendliche schnappen Vorurteile, aber auch Verschwörungstheorien auf. Dabei haben sie noch nie einen Juden getroffen und wissen nicht, dass ein Jude ein Mensch wie sie auch ist. Man kann nur dagegen vorgehen, wenn man auf die Jugendlichen zugeht und die Vorurteile aufklärt."

Mir ist klar geworden, dass keine Synagogen oder Stolpersteine weiterhelfen. Sie sind ohne Zweifel bedeutungsvoll, aber wichtiger ist, dass Menschen sich begegnen und austauschen. Diana Hörle hat mir klargemacht, dass insbesondere wir Jugendliche aktiv werden müssen. Auch in Limburg können wir etwas tun. Wir können uns darüber informieren, wann ein Gottesdienst in der Synagoge in Limburg stattfindet und dann fragen, ob wir teilnehmen können. Weitere Beispiele für erfolgreiche Aktivitäten nannte Diana Hörle auch, aber ganz besonderen Eindruck würde auf Jugendliche der Besuch der alten Synagoge in Essen machen. Ich fühle mich, als wäre ich schon dort gewesen: Diana Hörle ist in Essen geboren und hat in unserem Gespräch diesen Kulturort für mich sehr lebendig werden lassen in Limburg. Josephina

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