Das Gericht verurteilte den Angeklagten wegen gefährlicher Körperverletzung.
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Das Gericht verurteilte den Angeklagten wegen gefährlicher Körperverletzung.

Vorfall an Fastnacht in Weilmünster

Limburg: Messerstecher zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt

Vorwurf des heimtückischen versuchten Mordes hat sich nicht erhärtet.

Limburg -Bei einer Fastnachtsfeier am Abend des 23. Februar dieses Jahres in Weilmünster hatte ein 21-Jähriger aus Weinbach viermal auf einen Jugendlichen aus Kubach eingestochen und ihn dabei lebensgefährlich verletzt. Gestern fiel nun vor dem Limburger Landgericht das Urteil: Der 21-Jährige muss fünfeinhalb Jahre in Haft.

Weil sich im Zuge der Beweisaufnahme jedoch weder die bedingte Tötungsabsicht noch eine gewisse Heimtücke bei der Tatvorbereitung herauskristallisiert hatten, wurde der geständige Angeklagte nicht, wie von der Staatsanwaltschaft beantragt, wegen versuchten Mordes, sondern lediglich wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt. Das Schwurgericht unter Vorsitz von Dr. Andreas Janisch hielt ihm zugute, dass er strafbefreiend von dem Mordversuch zurückgetreten ist.

Soll heißen, dass der Täter die schnell aufeinanderfolgenden Messerstiche zwar ausgeführt hat und dabei nur haarscharf die Lunge und eine Arterie des 16-Jährigen verfehlte, dann jedoch ließ er von seinem Opfer ab und rannte weg. Der Angeklagte selbst hatte den Abbruch seiner Gewalttat damit erklärt, dass es einen Augenkontakt zwischen ihm und dem Geschädigten gegeben hat. In diesem Moment habe er die Sinnlosigkeit seines Tuns erkannt und Reue empfunden.

aufhört zu stechen

In Bezug auf den Rücktritt habe die Kammer die Einlassung des Angeklagten sehr kritisch überprüft, sagte Janisch in der Urteilsbegründung. Da die Schwere der Verletzung aus der Perspektive des Täters nicht erkennbar gewesen ist, weil sein jugendliches Opfer weder offensichtlich blutete, noch reglos zu Boden sank, und auch an der Messerklinge kein Blut erkennbar gewesen ist, sei die Tat als unbeendeter Mordversuch zu werten, erklärte Janisch und ergänzte: "Unser Recht erkennt den Rücktritt an, wenn der Täter aufhört zu stechen." Die Perspektive des Opfers sei hierbei ohne Belang.

Zugunsten des Angeklagten ging die Kammer zudem von einer erheblich verminderten Schuldfähigkeit aus, weil dieser über den gesamten Tattag große Mengen von Alkohol und Drogen konsumiert hatte. "Gerade in Bezug auf das Kokain, dessen aggressionssteigernde Wirkung zu dieser sinnlosen Tat geführt hatte, war es für uns wertvoll, dass der Angeklagte seine Glaubwürdigkeit untermauerte, indem er Angaben zum Verkäufer machte", sagte der Vorsitzende Richter.

Angriff im RTW

Es habe allerdings auch einiges gegen den 21-Jährigen gesprochen. So habe dieser unter Verwendung des Springmessers mit einer Klingenlänge von 8,5 Zentimeter eine lebensgefährliche Handlung vorgenommen und der Geschädigte leide noch heute unter erheblichen psychischen Belastungen, so Janisch. Strafverschärfend bewertete die Kammer, dass der Angriff in einem Rettungswagen (RTW) geschah, also einem Ort, wo sich Menschen in besonderer Weise geschützt fühlen.

Mit ihrem Urteil folgte die Kammer weitgehend dem Antrag der Strafverteidiger Albert Balmert und Olaf Wolf, die auf gefährliche Körperverletzung plädierten und die Strafhöhe im Bereich von fünf Jahren angesetzt hatten.

Staatsanwältin Sabine Hönnscheidt hingegen sah den Straftatbestand von versuchtem Mord für gegeben und hielt acht Jahre Haft für angemessen. Christian Agatz, der den Geschädigten in der Nebenklage vertrat, forderte sogar eine zehnjährige Gefängnisstrafe. "Es ist reine Glückssache, dass mein Mandant noch lebt", betonte er.

Um die Alkohol- und Drogensucht des 21-jährigen Weinbachers zu therapieren, wurde zudem seine Unterbringung im Maßregelvollzug angeordnet. Kerstin Kaminsky

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