Gedenkfeier

Limburg hat den Mord an Charles Werabe nicht vergessen

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Mit einer kurzen Feier und der Einweihung einer Gedenktafel in der Brückengasse haben die Stadt und verschiedene Initiativen an Charles Werabe erinnert. Der 55-Jährige wurde 2014 aus rassistischen Beweggründen ermordet.

Um an sein Schicksal zu erinnern und um die Bürger zu ermutigen, nicht wegzusehen, wenn rechte Sprüche im eigenen Umfeld wieder hoffähig werden, haben das Bündnis für Courage gegen Rechts, die Stadt Limburg, der Förderverein Obdachlosenhilfe, das Walter-Adlhoch-Haus und die Jugend- und Drogenberatung für 600 Euro am Tatort eine Gedenktafel für Werabe aufstellen lassen.

Bürgermeister Dr. Marius Hahn (SPD) gab bei der Gedenkstunde für Werabe offen zu, dass nicht alle Limburger die Errichtung der Gedenktafel für den Getöteten gerne gesehen hätten. Er wolle das aber nicht in Limburg haben, dass Menschen aus rassistischen Motiven angegriffen oder gar getötet würden. In Limburg würden Menschen aus über 100 Nationen weitestgehend gut zusammenleben. Die Stadt stehe für Vielfalt. Und sie habe, so Hahn, aus dem Fall von damals gelernt. Mittlerweile gebe es in den städtischen Notunterkünften mehr Privatsphäre und eine bessere Betreuung.

Thomas Rösel, Sprecher des Bündnisses Courage, dankte dem Bündnis-Aktiven Oliver Parplies, der vor einem Jahr die Idee zu dem Gedenkstein gehabt hatte. Harry Fenzl, Leiter des Sachbereichs Wohnungslosenhilfe der Caritas, sagte: „Charles Werabe war Flüchtling. Er hatte seine Heimat, das Bürgerkriegsland Ruanda, mit 13 Jahren verlassen und versucht, in Deutschland eine neue Heimat zu finden.“ Trotz vieler Versuche sei ihm dies nicht gelungen. Am Ende seines Lebens habe er in einer Notunterkunft der Stadt Limburg für Obdachlose Zuflucht gesucht. Dort in der Brückengasse 2 traf er dann zufällig auf seine drei späteren Mörder, zwei 43-Jährige und einen 22 Jahre alten Mann. Fenzl sagte: „Er hat Menschen getroffen, deren Geist und Haltung vergiftet waren von einer menschenverachtenden Ideologie, vom Hass auf alle, die anders sind.“

Der Caritas-Vertreter bedauert, dass der gewaltsame Tod von Werabe, die Morde der NSU, die Ausschreitungen vor Flüchtlingsunterkünften sowie Hass und Hetze im Netz bisher nicht dazu geführt hätten, dass es der breiten Mehrheitsgesellschaft gelungen sei, rechtsextreme und menschenfeindliche Positionen zu entlarven und zu isolieren. Stattdessen sei, so Fenzl, die AfD in die Parlamente eingezogen. Wir erlebten eine Verrohung der Sprache und des Miteinanders. Sogar Politiker etablierter Parteien versuchten, Härte zu zeigen und mit der AfD mitzuhalten anstatt gegenzuhalten. Teile der Mitte seien nach rechts gerückt.

Von Fenzl genannte Zahlen zeigen, dass in unserer Gesellschaft nicht immer die Ausländer Täter und die Deutschen Opfer sind: „704 politisch motivierte Angriffe auf Asylsuchende zählt die Bundesregierung im ersten Halbjahr 2018, bei denen 120 Menschen verletzt wurden. Dabei gab es 627 Angriffe auf Flüchtlinge und 77 Attacken auf Asylunterkünfte. Das schleichende Verständnis für diese Taten im Gegensatz zu mangelndem Mitgefühl für die Opfer ist erschreckend.“ So entwickle sich ein Klima der Gewalt gegen Menschen. Fenzl meinte, die sich in Limburg zuspitzende Wohnungsnot, die nicht Flüchtlinge verursacht hätten, verschlechtere das Klima noch. Folglich regte Fenzl die Gründung eines „Bündnisses für Wohnen“ im Kreis an unter Einbeziehung aller gesellschaftlichen Kräfte, auch der Kirchen und der Wohnungswirtschaft.

Parplies kritisierte, dass unter dem Deckmantel der Flüchtlingspolitik immer öfter

Fremde zu Sündenböcken

für alles Mögliche erklärt würden. „Menschenfeindlichkeit ist aber keine Meinung“, betonte Parplies. Deswegen sei dieser Ort der Erinnerung möglich.

Pfarrer Herbert Leuninger segnete die Gedenktafel, an der die zahlreichen Gäste Lichter entzündeten und Blumen ablegten. Fenzl sorgte zusammen mit der Akkordeonvirtuosin Veronika Todorova für eine würdige musikalische Umrahmung der Zusammenkunft.

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