Unfall geraubter LKW Limburg mutmaßliche Attacke Prozess
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Montag, 7. Oktober 2019: Im Feierabendverkehr kommt es in Limburg zu einem schweren Verkehrsunfall. Der Unfallverursacher wollte nach Auffassung der Staatsanwaltschaft mit dem Lkw Menschen töten.

Lkw fährt in stehende Autos

Lkw-Attacke in Limburg: Prozess beginnt am Landgericht

  • Stefan Dickmann
    vonStefan Dickmann
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Vorwurf des versuchten Mordes: Im Oktober 2019 fährt in Limburg ein Mann mit einem geraubten Lkw in stehende Autos. Nun beginnt der Prozess wegen mutmaßlicher Attacke.

  • Im vergangenen Jahr hat ein 33-Jähriger einen Lkw geraubt
  • Danach ist er laut Anklage ungebremst in stehende Autos gefahren
  • Das technische Gutachten über das Fahrverhalten belastet den Angeklagten schwer

Limburg - Die mutmaßliche Lkw-Attacke auf der Schiede in Limburg im Herbst vergangenen Jahres wird von Mittwoch (9. September 2020) an vor dem Landgericht in Limburg verhandelt. Unter Vorsitz von Dr. Andreas Janisch muss die Strafkammer klären, ob der Angeklagte – ein 33-jähriger Syrer, der aus seiner Heimat geflüchtet war – am Montag, 7. Oktober 2019, am späten Nachmittag versucht hat, mit einem von ihm kurz zuvor geraubten Lkw Menschen, die im Feierabendverkehr im Auto saßen, in Höhe des Landgerichts zu ermorden oder ob er „nur“ mit dem Lkw fliehen wollte.

Einen zunächst angenommenen terroristischen Hintergrund hatte die Polizei schnell ausgeschlossen, aber die Generalstaatsanwaltschaft in Frankfurt ließ eine Sondereinheit der Polizei in Wiesbaden wochenlang weiter ermitteln, die gleichfalls keinerlei Hinweise auf eine terroristische Tat finden konnte.

Mitmaßliche LKW-Attacke in Limburg: Zum Prozessauftakt werden 14 Zeugen befragt

Der Angeklagte war nach Informationen dieser Zeitung in der Lage, einen Lkw zu fahren, weil er dies schon in seiner Heimat getan haben soll. Das technische Gutachten über das Fahrverhalten des hochmodernen Lkw belastet den Angeklagten schwer, weil er zwar mit einer Geschwindigkeit von 40 bis 45 km/h nicht sehr schnell fuhr, aber laut Gutachten auch nicht gebremst, sondern Gas gegeben hat und deshalb – aus Sicht der Staatsanwaltschaft – den möglichen Tod von Menschen billigend in Kauf genommen hat, was den schwerwiegenden Vorwurf des versuchten Mordes erklärt. Dazu kommen weitere Straftatbestände wie der Raub und der gefährliche Eingriff in den Straßenverkehr.

Eine entscheidende Frage in der juristischen Bewertung dürfte auch sein, ob sich bei dem Verkehrsunfall vor allem die Personen potenziell in Lebensgefahr befunden haben, die während des Aufpralls auf der Rückbank im Auto saßen – ob sie also deutlich gefährdeter waren als vorne die jeweiligen Fahrer und Beifahrer. Und natürlich wird auch zu bewerten sein, in welchem Maße der Angeklagte während der Tat schuldfähig war. Er hatte laut Anklage vor dem Raub sehr viel Cannabis konsumiert, wie die Blutuntersuchung ergab.

Am ersten Prozesstag, der am Mittwoch, 9. September, um 9 Uhr beginnt und im Gerichtszelt auf dem Gelände der Firma Much im Offheimer Gewerbegebiet an der A 3 verhandelt wird, sind 14 Zeugen geladen, wie der Sprecher des Landgerichts, Henrik Gemmer, mitteilt. Dabei handelt es sich um die Unfallbeteiligten sowie Augenzeugen des Unfalls. Die Anklage vertritt Johannes Jacobi von Wangelin, die Verteidigung liegt in den Händen von Bernward Kullmann aus Mainz.

Limburg: Was über den Ablauf der Lkw-Attacke vom 7. Oktober 2019 bekannt ist

17.18 Uhr: Der angeklagte Syrer zieht auf der Diezer Straße in Limburg den Fahrer eines weißen Lkw gewaltsam aus der Fahrerkabine. Der Lkw steht im Rückstau vor der roten Ampel. Der Fahrer berichtet eine Stunde nach dem Unfall gegenüber dieser Zeitung, der Syrer habe seine Fahrertür aufgerissen und ihn angestarrt. Auf seine mehrfache Frage, was das soll, habe dieser nicht reagiert, ihn vom Sitz gezerrt und sei losgefahren. Ihm selbst gelingt es noch rechtzeitig, den Zündschlüssel abzuziehen; anschließend rennt er seinem Lkw hinter.

17.21 Uhr: Der mutmaßliche Amokfahrer ist links auf die Schiede abgebogen und fährt laut Anklage ungebremst auf vor ihm stehende Fahrzeuge auf. Die mutmaßliche Attacke endet vor dem Landgericht. Die beiden Fahrstreifen stadtauswärts sind blockiert durch den quer zur Fahrbahn stehenden Lkw und den mitgeschleiften, demolierten und teils erheblich beschädigten Autos.

Insgesamt sind acht Verhandlungstage angesetzt. Ein Urteil könnte am Freitag, 30. Oktober, gesprochen werden. Die weiteren geplanten Verhandlungstermine sind am 25. September sowie am 2., 7., 19., 23. und 28. Oktober. (Von Stefan Dickmann)

Lkw-Attacke: Das sind die Bilder vom Unfalltag:

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