So sah die Unfallstelle auf der Schiede in Limburg im Oktober 2019 kurz nach der mutmaßlichen Lkw-Attacke aus.
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So sah die Unfallstelle auf der Schiede in Limburg im Oktober 2019 kurz nach der mutmaßlichen Lkw-Attacke aus.

Juristische Aufarbeitung

Lkw-Attacke in Limburg: Prozess soll schon bald beginnen

  • Stefan Dickmann
    vonStefan Dickmann
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Das Landgericht prüft die Zulassung der Anklage. Der 33-jährige Syrer soll sich wegen versuchten Mords verantworten.

  • Die mutmaßliche Lkw-Attacke in Limburg im Oktober 2019 wird juristisch aufgearbeitet
  • Bei dem Vorfall wurden 18 Menschen verletzt, der Tatverdächtige stand unter Drogen
  • Das voraussichtliche Datum für den Prozessbeginn steht nun fest

Limburg - Schon im September könnte vor dem Landgericht Limburg der Prozess gegen den Mann eröffnet werden, der im Oktober 2019 mitten im Limburger Berufsverkehr einen schweren Verkehrsunfall mit einem Lkw auf der Schiede verursacht hat, den er wenige Minuten zuvor geraubt hatte. Zehn Fahrzeuge wurden beschädigt, 18 Menschen verletzt.

Mutmaßliche Lkw-Attacke in Limburg: Staatsanwaltschaft spricht von versuchtem Mord

Nach Angaben seines Anwalts Bernward Kullmann aus Mainz sind bis Ende Oktober acht Verhandlungstermine angesetzt. Die Anklage der Staatsanwaltschaft in Frankfurt lautet unter anderem auf versuchten Mord, gefährliche Körperverletzung, Nötigung und gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr. Derzeit wird vom Landgericht Limburg die Zulassung der Anklage geprüft, wovon jedoch auszugehen ist.

Weil der mutmaßliche Täter während der Tat unter erheblichem Drogeneinfluss (Cannabis) stand und nach Informationen dieser Zeitung regelmäßig Drogen konsumiert haben soll, ist davon auszugehen, dass er vermindert schuldfähig sein dürfte und er bei einer möglichen Verurteilung seine Strafe im Maßregelvollzug absitzen könnte, wie es ihn zum Beispiel auch in Hadamar gibt. Bei dem Prozess dürfte das Motiv des Mannes eine große Rolle spielen, ein inzwischen 33-jähriger Syrer, der seit der Tat in Untersuchungshaft sitzt, zuvor im Landkreis Offenbach wohnte, aber regelmäßig in Limburg bei Verwandten zu Besuch war. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt geht davon aus, dass er den Unfall, bei dem es zum Glück keine Schwerverletzten gab, bewusst herbeigeführt und den Tod von Menschen billigend in Kauf genommen hat.

Limburg: Lkw war mit hochmodernem System ausgestattet

Im Mittelpunkt des Verfahrens dürfte außer dem psychiatrischen Gutachten vor allem das technische Gutachten stehen. Denn der Syrer, der vor seiner Flucht aus seiner Heimat Lkw-Fahrer war, steuerte einen hochmodernen Lkw, der mit einem Bremssystem ausgestattet ist, das auch automatisch bremsen kann, zum Beispiel, wenn der Abstand zum vorderen Fahrzeug zu gering ist. Wie der Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft in Frankfurt, Georg Ungefuk, auf Anfrage mitteilt, hat dieses Bremssystem während der Unfallfahrt funktioniert. Aber der mutmaßliche Täter habe den automatischen Bremsvorgang unterbrechen können, indem er wieder Gas gab, was er laut Gutachten getan habe.

Im Prozess dürfte es also darum gehen, welches Motiv der Syrer wirklich hatte: Wollte er "nur" flüchten oder hatte er tatsächlich die Absicht, einen Unfall zu verursachen und Menschen zu schädigen. Der Syrer, der nach der Tat festgenommen wurde, verweigert die Aussage. Nach Ungefuks Angaben haben die Ermittlungen keine Hinweise ergeben, dass es ihm darum gegangen sein könnte, mit dem Lkw zu flüchten.

Mutmaßliche Lkw-Attacke in Limburg: Verwirrendes Detail

Etwas verwirrend bleibt, warum der Lkw ohne Zündschlüssel weiterhin fahrfähig war. Der eigentliche Lkw-Fahrer, der vor einer roten Ampel im Rückstau stand, hatte, bevor er vom Syrer aus der Fahrerkabine gewaltsam gezerrt wurde, nach eigenen Angaben den Zündschlüssel abgezogen. Trotzdem ließ sich der Lkw weiterfahren - zumindest 300 Meter weiter mit einer Geschwindigkeit von 44 km/h. Der Syrer fuhr nach Auffassung der Staatsanwaltschaft ungebremst in mehrere Autos auf der zu dieser Uhrzeit (ca. 17.20 Uhr) stark befahrenen Straße und blieb in Höhe des Landgerichts stehen.

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