Dieses Unfallbild bot sich Polizei und Feuerwehr am frühen Montagabend, 7. Oktober 2019, auf der Schiede in Limburg. Der Mann, der laut Anklage den weißen Lkw kurz zuvor geraubt hatte, muss sich nun wegen versuchten Mords vor dem Landgericht Limburg verantworten.
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Dieses Unfallbild bot sich Polizei und Feuerwehr am frühen Montagabend, 7. Oktober 2019, auf der Schiede in Limburg. Der Mann, der laut Anklage den weißen Lkw kurz zuvor geraubt hatte, muss sich nun wegen versuchten Mords vor dem Landgericht Limburg verantworten.

Acht Verhandlungstage angesetzt

Limburg: Mutmaßliche Lkw-Attacke: Prozess startet am 9. September

  • Stefan Dickmann
    vonStefan Dickmann
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Ein 33-jähriger Syrer muss sich wegen versuchten Mords vor dem Landgericht verantworten. Er soll mit einem LKW absichtlich einen schweren Unfall verursacht haben.

Limburg -Bundesweit für Aufsehen sorgte ein schwerer Verkehrsunfall in Limburg im Oktober 2019 auf der Schiede vor dem Landgericht. Ein Syrer hatte kurz zuvor einen in der Diezer Straße im Rückstau stehenden Lkw geraubt und den Verkehrsunfall mit 18 Verletzten und zehn beschädigten Fahrzeugen verursacht. Von Mittwoch, 9. September, an muss sich der 33-Jährige unter anderem wegen versuchten Mordes vor dem Landgericht Limburg verantworten. Der Vorsitzende Richter ist Dr. Andreas Janisch.

Die von der Staatsanwaltschaft Frankfurt eingereichte Klage sei zugelassen worden, erklärte auf Anfrage der Sprecher des Landgerichts Limburg, Henrik Gemmer. Insgesamt seien acht Verhandlungstage angesetzt mit einem möglichen Urteil am Freitag, 30. Oktober. Die weiteren Verhandlungstermine sind am 25. September sowie am 2., 7., 19., 23. und 28. Oktober. Wie schon der Prozess gegen den Limburger Axtmörder wird auch der Prozess gegen den Syrer - zumindest beim Prozessauftakt, beim zweiten Verhandlungstag sowie bei der Urteilsverkündung - Corona bedingt im Gerichtszelt verhandelt, das auf dem Gelände der Firma Much im Offheimer Gewerbegebiet direkt an der A 3 steht.

Weil der Angeklagte zu den Vorwürfen schweigt, stützt sich der Vorwurf des versuchten Mords im Wesentlichen auf ein technisches Gutachten, in dem das Fahrverhalten des hochmodernen Lkw untersucht wurde. In dem Prozess muss geklärt werden, ob der Unfall durch den Lkw mit Absicht geschah. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt ist davon überzeugt, dass der Angeklagte absichtlich gehandelt hat, weil er das vom Lkw automatisch eingeleitete Bremsmanöver aktiv unterbrochen habe, indem er wieder Gas gab. Ob dies ein Fluchtversuch war oder ob der Angeklagte damit den Tod von Menschen zumindest billigend in Kauf genommen hat, muss das Gericht im Prozess klären.

Der eigentliche Lkw-Fahrer, den der Syrer laut Anklage gewaltsam aus der Kabine gezogen hatte, während er im Rückstau stand, hatte geistesgegenwärtig den Zündschlüssel an sich genommen. Dennoch war der Lkw weiterhin fahrbereit. Als es zum Unfall auf der im Berufsverkehr dicht befahrenen Schiede stadtauswärts kam, soll der Lkw ein Tempo von 40 km/h gehabt haben. Der Anwalt des Angeklagten, Bernward Kullmann aus Mainz, hat nach eigenen Angaben noch keinen Einblick in das technische Gutachten erhalten, obwohl er längst Akteneinsicht beantragt habe. Der Sprecher des Landgerichts Limburg erklärte, die Klage sei erst vor wenigen Tagen zugelassen worden. Es sei üblich, dass der Richter während der Prüfung Einsicht in alle Akten habe.

Im Prozess wird auch der psychische Zustand des Angeklagten eine wichtige Rolle spielen. Laut Anklage befand er sich unter erheblichen Drogeneinfluss (Cannabis). Ein Verwandter des Angeklagten hatte gegenüber dieser Zeitung erklärt, sein Cousin habe regelmäßig Drogen konsumiert. Obwohl der Angeklagte im Landkreis Offenbach wohnte, war er häufiger in Limburg, um Verwandte zu besuchen. Von Stefan Dickmann

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