Blumen für die Ehefrau des Wahlsiegers: Die Leiterin des Rechtsamts, Silke Derichs (links), überreicht am Sonntagabend in ihrer Funktion als Wahlleiterin der Ehefrau des wiedergewählten Limburger Bürgermeisters, Stephanie Tudman-Hahn, einen Blumenstrauß.
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Blumen für die Ehefrau des Wahlsiegers: Die Leiterin des Rechtsamts, Silke Derichs (links), überreicht am Sonntagabend in ihrer Funktion als Wahlleiterin der Ehefrau des wiedergewählten Limburger Bürgermeisters, Stephanie Tudman-Hahn, einen Blumenstrauß.

Analyse der Bürgermeister-Stichwahl

Limburg: Nach der Wahl ist vor der Wahl

  • Stefan Dickmann
    vonStefan Dickmann
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Warum hat es für Herausforderer Stefan Laux nicht gereicht - und wer wird Erster Stadtrat?

Limburg -Die CDU und die Grünen verbindet nach der Bürgermeister-Stichwahl am Sonntag eine gemeinsame leidvolle Erfahrung: Denn nun wissen auch die Christdemokraten, wie seltsam es sich anfühlt, wenn die Kommunalwahl als Sieg wahrgenommen werden darf, aber der eigene Bürgermeisterkandidat davon gar nicht profitieren konnte.

Einige Grüne in Limburg ärgern sich über das schlechte Abschneiden ihrer Kandidatin bei der Wahl am 14. März noch immer mehr als dass sie sich über ihren Wahlsieg und die Verdoppelung ihrer Mandate freuen. Jetzt muss sich auch die CDU fragen: Wie kann es sein, dass wir weiterhin stärkste Fraktion sind, unseren Vorsprung vor der SPD sogar ausbauen und doppelt so viele Mandate haben wie die erfolgreichen Grünen, die derzeit einen Lauf haben, aber es uns trotzdem nicht gelungen ist, den von uns unterstützten Kandidaten zum Bürgermeister zu machen?

Vorsprung: Bürgermeister Dr. Marius Hahn (SPD) konnte bei der Stichwahl seinen Vorsprung auf seinen Herausforderer Stefan Laux (CDU) von knapp 600 Stimmen am 14. März auf 915 Stimmen bei der Stichwahl am Sonntag ausbauen. Sehr viel aufschlussreicher ist aber eine andere Zahl: Vergleicht man die absolute Stimmenzahl für Hahn, ist er bei der Stichwahl von 431 Menschen mehr gewählt worden als noch am 14. März. Laux konnte sein erstes Ergebnis hingegen nur um 107 Stimmen verbessern.

Das heißt im Kern: Wer von Laux überzeugt war, hat ihn im Grunde genommen schon am 14. März gewählt. Aber wer ihn da nicht gewählt hatte, hat es auch zwei Wochen später nicht gemacht. Der Bürgermeister wiederum konnte bei der Stichwahl vier Mal so viele neue Wähler von sich überzeugen. In der Stichwahl galt er für die Wähler, die zunächst nicht für ihn gestimmt hatten, als die bessere Alternative.

Wahlbeteiligung: Bei der Stichwahl am Sonntag gab es 1382 weniger gültige Stimmen als bei der Bürgermeisterwahl am 14. März. Das heißt, 1382 Menschen haben gar nicht mehr gewählt - weil sie offenbar beide Kandidaten nicht überzeugend fanden. Doch vor allem viele dieser Menschen hätte Laux animieren müssen, für ihn zu stimmen, um gewinnen zu können.

Bekanntheitsgrad: Die mangelnde Bekanntheit des Herausforderers ist die Interpretation der Niederlage aus Sicht der CDU und ihres Kandidaten. Demnach hatte Stefan Laux schlechtere Chancen auf einen Wahlsieg. Das persönliche Gespräch ist gerade bei einer Personenwahl ein entscheidender Faktor - und die fortschreitenden Digitalisierung unseres Alltags hat daran nichts geändert. Es ist ein Irrglaube, dass die meisten Wähler Programme von Kandidaten vergleichen und rein sachbezogen ihre Entscheidung treffen. Am Ende ist es die simple Frage: Mit welchem Kandidaten würden Sie lieber ein Bier trinken gehen? Wenn der Herausforderer aber als Folge der Pandemie kaum die Chance auf persönliche Kontakte hat - sei es im Straßen- oder Haustürwahlkampf sowie auf Festen, Konzerten und auch Wahlkampfveranstaltungen - kann die Bierfrage eben nicht so gut beantwortet werden. Ein klarer Vorteil für den bekannteren Amtsinhaber.

Partei: Die CDU hatte sich - allerdings schon lange vor der Pandemie - bewusst entschieden, auf den Quereinsteiger zu setzen, der zwar Parteimitglied ist, aber eben keinen Kandidaten zu nominieren, der ein Parteifunktionär wie der Vorsitzende des Stadtverbands oder der Fraktion ist, und auch keinen Kandidaten aufzustellen, der als CDU-Politiker ein wichtiges Amt bekleidet wie den Ersten Stadtrat oder den Stadtverordnetenvorsteher. Auch im Nachhinein ist das ein mehr als erstaunlicher Vorgang.

Jeder der vier in Frage kommenden potenziellen Kandidaten der CDU für das Bürgermeisteramt in Limburg mag für sich genommen gute persönliche Gründe gehabt haben, nicht anzutreten. Aber in der Summe ist es ein parteipolitisches Armutszeugnis für die CDU. Denn egal, welche politischen Stürme rund um Limburg auch toben mögen, die Limburger wählen bei Kommunalwahlen überwiegend die CDU. Sie vertrauen dieser Partei also offenkundig schon seit vielen Jahrzehnten. Vor diesem Hintergrund bleibt es ein Rätsel, warum ausgerechnet die CDU in Limburg nicht mit einem Kandidaten antritt, der das Partei-Label CDU trägt.

Parteizugehörigkeit: Wie viele Wähler in Limburg wissen, welcher Partei der von einer Wählerinitiative unterstützte Hahn und der Einzelkandidat Laux angehören? Seriös beantworten lässt sich diese Frage ohne eine repräsentative Umfrage zwar nicht, aber es ist zu vermuten, dass es viele Wähler nicht wissen. Wie auch, wenn weder bei Hahn noch bei Laux auf dem Stimmzettel und auf den Wahlplakaten eine Parteizugehörigkeit stand.

Für Hahn ist diese Strategie zwei Mal aufgegangen. Schon bei seiner Erstwahl 2015 wollte er bewusst nicht von seiner Partei nominiert werden. Aber er tat dies in einer konservativen und katholischen Stadt, die überwiegend CDU wählt, und einer SPD, die schon damals auf Landes- und Bundesebene keinen Lauf hatte. Und wieder bleibt das Rätsel, warum ausgerechnet die CDU unter ganz anderen Voraussetzungen das Gleiche getan hat.

Stadtteile: Nur zwei der sieben Stadtteile gingen an den Herausforderer. Dass er in Ahlbach und Offheim besser abschneiden würde als der Bürgermeister, ist nun keine sehr große Überraschung. Aber dass diese Teilsiege ausgerechnet in diesen CDU-Hochburgen mit 55,1 Prozent und 52,4 Prozent so gering ausfallen würden, ist schon sehr bemerkenswert. Das ist offenkundig ein Beleg dafür, dass Stefan Laux nicht als "der" CDU-Kandidat wahrgenommen wurde. Noch deutlicher wird das mit Blick auf Dietkirchen und Lindenholzhausen: Auch hier wählen die meisten Bürger überwiegend CDU, aber bei der Stichwahl gaben sie jeweils Hahn eine Mehrheit.

Ausblick: Nach der Wahl ist vor der Wahl - und damit ist nicht die nächste Limburger Bürgermeisterwahl im Jahr 2027 gemeint. Im nächsten Jahr, im Frühjahr, steht die Wahl des Ersten Stadtrats auf der Agenda. Diese Entscheidung treffen die Limburger Stadtverordneten. Ob Michael Stanke (CDU) Erster Stadtrat bleibt, hängt entscheidend davon ab, welche Fraktionen in der neuen Wahlperiode zusammenarbeiten und eine strategische Mehrheit bilden. Vier Konstellationen sind dabei möglich: Schwarz-Rot, Schwarz-Grün, eine Ampel oder gar keine Koalition oder Kooperation, sondern immer nur offene Abstimmungen. Auch angesichts der zweitwichtigsten Personalie im Rathaus ist die vierte Variante unwahrscheinlich.

Weil Hahn Bürgermeister bleibt, ist nun die SPD am Zug. Sie muss klären, wie sie Hahn zu einer Mehrheit verhilft. Das geht nur mit der CDU oder nur mit den Grünen und der FDP zusammen. Und das vor dem Hintergrund, dass es rechnerisch möglich ist, einen anderen Ersten Stadtrat aufzustellen und zu wählen, der nicht der CDU angehört.

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