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Behütet von einer roten Rundkappe trägt er eine rote Robe. Mit einem Holzstab mit Knauf in den mit weißen Handschuhen bedeckten Händen ist Domschweizer Maurizio Longo der neue Wächter der Limburger Bischofskirche.

Repräsentatives Amt

Neuer Domschweizer im Limburger Georgsdom

Maurizio Longo hat in Limburg seinen Traumjob gefunden.

Limburg -Die rote Robe ist ihm noch etwas zu weit. Dass er ihr jemals die Fülle seines Vorgängers verleihen wird, darf bezweifelt werden; denn Maurizio Longo ist im Fitnessstudio um die Erhaltung seiner schlanken Linie bemüht. Dagegen scheint ihm sein neuer Job wie auf den Leib geschneidert. Der 43-Jährige mit sizilianischen Wurzeln hat den Eschhöfer Bernhard Wagner nach 15 Dienstjahren als "Domschweizer im Ruhestand" abgelöst und versieht seit 1. Oktober das repräsentative Amt, das mit der Aufsicht und viel Arbeit im und um den Limburger Georgsdom verbunden ist.

Ein halbes Jahr hat der Neue nun Zeit, dem Domkapitel zu zeigen, dass er der Richtige für dieses verantwortungsvolle Amt ist. "Dann wird die Robe angepasst", sagt Maurizio Longo freundlich lächelnd. Domküster Bruder Elmar Moosbrugger hegt daran keine Zweifel. "Die ersten Wochen haben gezeigt, dass er seine Aufgaben engagiert wahrnimmt", sagt der Sakristan über seinen neuen Kollegen, der ihn bei Bedarf unterstützen und vertreten soll.

Maurizio Longo ist ein Kind der dritten Generation der einst italienischen Gastarbeiter in Deutschland und von tiefer Religiosität geprägt. "Ich bin schon als Kind immer gerne in der Kirche gewesen und war mit sechs Jahren als Ministrant sehr engagiert. Mein Vater war mein Lehrer", sagt Longo, dessen Eltern beide aus Sizilien stammen und als Kinder in Deutschland aufgewachsen sind. Der kleine Maurizio lebte mit seiner Familie im baden-württembergischen Riedlingen, einer am Südrand der Schwäbischen Alb gelegene Stadt an der Donau. Er war gerade sieben Jahre alt als seine Famiglia 1984 in die Heimat der Großeltern zurückzog.

Hin und her zwischen Italien und Deutschland

Als er 16 war zog es die Eltern mit drei Kindern, zwei Jungen und ein Mädchen, wieder nach Deutschland. "Ich hatte die deutsche Sprache längst vergessen, dann aber Kurse besucht und eine Ausbildung zum Textilmechaniker gemacht", erzählt er. Doch 2004 lockte ihn wieder Bella Italia. Maurizio Longo stellte fest, dass er seinen erlernten Beruf dort nicht ausüben konnte, so dass er sich in der Tourismusbranche engagierte. "Ich musste ja Geld verdienen, um meine Familie zu ernähren", erzählt der Vater einer jetzt 16-jährigen Tochter. Tourismus in Italien, das sei eine Saisonarbeit, sagt er, der ehrenamtlich in der Kirche engagiert blieb und sich nach einem zweiten Beruf umsehen musste.

Über Blutspenden sei er zur Krankenpflege gekommen. Longo: "Ich fühlte mich dafür geeignet, zumal ich schon den Bruder meines Opas gepflegt hatte und habe dann in Italien diesen Beruf erlernt." 2016 zog es ihn wieder nach Deutschland. Er landete in Esslingen am Neckar. Maurizio Longo schwäbelt ein wenig, wenn er erzählt, dass er dort in der Pflege arbeitete und im Kirchendienst Don Gregorio Melone, dem Pfarrer der italienischen Gemeinde, geholfen hatte, der Ende 2019 in dieser Funktion Pfarrer Dr. Don Vito Lupo in Limburg abgelöst hat.

Der neue Domschweizer lebt seit 18 Monaten in Limburg und übte zuletzt den Beruf des Krankenpflegers in der neuen Wohnstadt aus. Nebenbei hatte er beim neuen italienischen Pfarrer den Küsterdienst in der St. Annakirche verrichtet. "Rein zufällig hatte ich im Internet die Stellenausschreibung für einen Domschweizer gelesen", berichtet Longo. "Es war mir immer eine Freude, mit Menschen zu arbeiten. Warum nicht auch in einem Gotteshaus?" Im März gab er beim Bischöflichen Ordinariat seine Bewerbung ab und wurde unter insgesamt acht Kandidaten ausgewählt.

Hausmeister beim lieben Gott

Maurizio Longo ist glücklich, seinen Glauben im Dienst an Gott leben zu dürfen - so, wie er es sich schon als Kind gewünscht hatte. Domschweizer sind Türhüter und Aufseher in der Bischofskirche, sozusagen Hausmeister beim lieben Gott, weil sie für Ordnung und Ruhe sorgen. Bei besonderen Gottesdiensten ist er in seiner festlichen Gewandung nicht zu übersehen. Behütet von einer roten Rundkappe trägt er eine rote Robe und hält einen Holzstab mit Knauf in den mit weißen Handschuhen bedeckten Händen.

So kennen ihn die Gläubigen, wenn er an den höchsten kirchlichen Festen und Feiertagen dem Zug der Mitwirkenden vor dem Kreuzträger, Messdienern, Diakonen, Priestern und dem Bischof in den Dom voranschreitet und in gleicher Reihenfolge wieder verlässt. Das ist die sichtbare, die repräsentative Seite seines Berufs, der sich jetzt in Corona-Zeiten in abgewandelter Form vollzieht.

Doch diese Aufgabe ist nur ein kleiner Teil seines Vollzeitjobs; denn der Domschweizer führt auch an den anderen Tagen die Aufsicht in der Kathedrale und sorgt sich nebenbei um die Sicherheit in der Stadtkirche. Er ist dann in Zivil anzutreffen. Außerdem vertritt er im Notfall den Küster in der Stadt- und der Annakirche. Der 43-Jährige hat Schlüsselgewalt und ist sozusagen "Mädchen für alles". Bei Maurizio Longo kommt noch hinzu, dass er bei Bedarf Domführungen in Italienisch anbieten kann. (Dieter Fluck)

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