Trübe Aussichten - der Einzelhandel steht im Regen: Ein symbolisches Foto für die aktuelle Lage, aufgenommen gestern Mittag in der Limburger Fußgängerzone.
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Trübe Aussichten - der Einzelhandel steht im Regen: Ein symbolisches Foto für die aktuelle Lage, aufgenommen gestern Mittag in der Limburger Fußgängerzone.

Corona und Konsum

Limburg: Niedrigere Mehrwertsteuer kein Kaufanreiz

  • vonRobin Klöppel
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Geschäftsleute und Kunden in der Region sind skeptisch. Die Ersparnis lohnt sich nur bei teuren Produkten.

Limburg -Eine niedrigere Mehrwertsteuer soll dazu beitragen, den durch die Corona-Krise stark gebremsten Konsum wieder in Schwung zu bringen. Der Bund hat den Satz bis zum Jahresende von 19 auf 16 Prozentpunkte gesenkt - aber hilft das, um das Ziel zu erreichen? Wir haben uns nach der ersten Woche umgehört.

Erstes Ergebnis: Nicht alle heimischen Geschäftsleuten geben die Mehrwertsteuersenkung an die Käufer weiter.

Das zweite: Sowohl Einzelhändler als auch Kunden sind sehr skeptisch, ob der erhoffte Anreiz etwas bringt.

Vor allem bei niedrigpreisigen Artikeln werde ein Abzug von drei Prozent keinen zum Kaufen animieren, heißt es übereinstimmend. Dagegen lohnt es sich natürlich, bei teuren Produkten wie Autos bis zum Jahresende zuzuschlagen.

Florian Kilbinger, Marketingverantwortlicher der Limburger Auto-Bach-Gruppe, sagt, dass sein Unternehmen die Mehrwertsteuersenkung voll weitergibt. Allerdings weist er die Kundschaft darauf hin, dass sie Neuwagen schnell bestellen müsse. Denn drei Monate Lieferzeit seien aktuell Standard. "Wir dürfen da nicht schummeln", sagt der Bach-Vertreter: "Wenn das Auto am 31. Dezember da ist, können wir bei der Mehrwertsteuer abziehen, Anfang Januar nicht mehr. Mit einer falsch datierten Rechnung würden wir uns strafbar machen". Wer sich spät entscheide und auf Nummer sicher gehen wolle, müsse dann eben ein neues Fahrzeug vom Lager oder als Alternative ein Gebraucht- beziehungsweise Jahreswagen nehmen.

Die Wettbewerbssituation und das Fairplay den Kunden gegenüber nennt Willi Schäfer, Inhaber von Expert Schäfer Elz, als Gründe für die Mehrwertsteuersenkung in seinem Geschäft. "Einige Kunden fragen gezielt danach", sagt Schäfer. Er rechnet jetzt aber nicht mir einer riesigen Kaufwelle, sondern nur damit, dass im Dezember einige für 2021 geplante Geräte-Anschaffungen vorgezogen werden.

Dr. Simone Spranz von Spranz Landhaus und Trachtenmoden an der Fleischgasse in Limburg sagt, dass es zu aufwendig sei, jedes Kleidungsstück neu auszupreisen. "An der Kasse ziehe ich aber die 2,5 Prozent, die ich wirklich spare, ab." Die Kunden würden sich natürlich darüber freuen, doch sie habe ihre Zweifel, ob dadurch wirklich der Verkauf angekurbelt werde. Dr. Simone Spranz kann auch Geschäfte verstehen, die die Steuersenkung nicht weitergeben. Der Kunde spare bei einem einzelnen Kauf nur wenig, für den Inhaber könne aber die summierte Ersparnis in schweren Corona-Zeiten eine wichtige Hilfe zum Überleben sein.

Horst O. Hoppe, Geschäftsführer von FC Factory Clothing in Limburg, gibt die Mehrwertsteuersenkung nicht an die Kunden weiter. Er habe aber vorher die Preise für auslaufende Saisonware sowieso schon um 20 Prozent gesenkt.

"Eine Aktion ohne Sinn und Verstand"

Er denke nicht, dass aufgrund weiterer 2,5 Prozent nun jemand auch nur ein Teil mehr kaufe. Dafür entstehe den Ladeninhabern aber alleine bei der Kassenumstellung ein großer Aufwand. Von daher spricht der CityRing-Vorsitzende von einer "Aktion ohne Sinn und Verstand". Was wirklich etwas gebracht hätte, um den Konsum anzukurbeln, wäre seiner Meinung nach eine Einkommensteuersenkung für die Bürger gewesen.

Giovanni Forte vom Café Rossini in der Altstadt sagt, dass er als Gastronom die Mehrwertsteuersenkung nicht weitergeben könne, denn er habe zweieinhalb Monate weiter seine laufenden Kosten, jedoch kaum Einnahmen gehabt. Von daher seien die nun wieder zahlreich kommenden Kunden gerne bereit, weiter die normalen Preise zu zahlen, um ihn zu unterstützen.

Und was sagen Kunden? Der Elzer Andreas Weber meint: "Die Leute werden ihr Geld jetzt nicht ausgeben, sondern es festhalten." Viele Bürger hätten durch die Einkommensverluste in der Corona-Zeit keine Rücklagen mehr und seien deshalb weiterhin sehr zurückhaltend mit Käufen.

Otto Riedl ist von Löhnberg mal wieder zum Einkaufen nach Limburg gekommen, aber die Mehrwertsteuersenkung ist auch für ihn kein Anreiz, mehr zu kaufen. Riedl glaubt, dass es vielen anderen genauso gehe und die Mehrwertsteuersenkung nicht den gewünschten Effekt erzielen werde. Jetzt über Käufe nachzudenken, sei wirklich nur bei größeren Anschaffungen interessant.

Carmen König aus Limburg denkt, dass die Mehrwertsteuererhöhung nicht den gewünschten Kaufanreiz auslösen und wirkungslos verpuffen wird. Für sie ist sie jedenfalls kein Grund, mehr zu kaufen. "Viele Geschäfte haben die Senkung doch vorher schon auf die Preise aufgeschlagen", sagt sie.

Venchula Duskova erläutert: "Die Senkung ist zu wenig. Dafür kaufe ich nicht mehr ein. Mit Maske macht Shoppen eh gerade keinen Spaß." Der Niederselterser Wolfgang Sandner sagt: "Für drei Prozent Ersparnis kaufen die Leute nicht mehr." Er selbst gebe als Rechtsanwalt aber die Mehrwertsteuersenkung an die Klienten weiter. Gerade bei Vorschüssen für spätere Leistungen sei das aber am Ende für ihn mit hohem Aufwand verbunden, die Ersparnis bis 31. Dezember sauber auszurechnen.

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