Das "Bauschild" neben dem Kiosk auf dem Domberg steht schon und weist, auf die Umsetzung im nächsten Jahr hin. Der Ortsbeirat lehnt den geplanten Bau eines Besucherzentrums aber ab.
+
Das "Bauschild" neben dem Kiosk auf dem Domberg steht schon und weist, auf die Umsetzung im nächsten Jahr hin. Der Ortsbeirat lehnt den geplanten Bau eines Besucherzentrums aber ab.

Mögliche Sparmaßnahme

Limburg: Ortsbeirat will kein Besucherzentrum auf dem Domplateau

  • Stefan Dickmann
    vonStefan Dickmann
    schließen

Zweiter Bauabschnitt für die Umgestaltung bleibt umstritten. Entscheidung liegt bei den Stadtverordneten.

Limburg -Der Ortsbeirat Innenstadt hat sich erneut gegen den Bau eines kleinen Besucherzentrums auf dem Domberg (neben dem Kiosk) ausgesprochen. Es ist für Menschen gedacht, die an einer Domführung teilnehmen wollen.

Die Stadtverordneten hatten der Planung im Februar 2019 mehrheitlich zugestimmt - mit den Stimmen von CDU und SPD. Auf dem Gelände steht inzwischen eine Bautafel, die anzeigt, wie das Gelände künftig aussehen soll. Daneben steht: "Hier entsteht ein Besucherzentrum mit Neugestaltung der Außenanlage sowie Umbau des Kiosk. Geplante Umsetzung: 2021."

Dass sich der Ortsbeirat in seiner jüngsten Sitzung erneut mit dem Thema befasst hat, liegt an einer Vorlage des Magistrats, in der es eigentlich um Fördergelder geht, die die Stadt beim Land Hessen zur Finanzierung des Projekts beantragen möchte - immerhin eine Summe von 170 000 Euro. Das heißt: Sollte die Stadt dieses Geld erhalten, wären die Investitionskosten deutlich kleiner.

Baukosten:

250 000 Euro

Die Ausgaben für den Neubau des Besucherzentrums inklusive neuer öffentlicher Toilettenanlage werden (ohne die Fördergelder) auf 250 000 Euro geschätzt. Das Bistum stellt dafür einen Zuschuss in Höhe von 40 bis 50 Prozent in Aussicht. Dazu kommen Planungskosten von rund 45 000 Euro. Deutlich kleiner sollen die Sanierungskosten für den Kiosk ausfallen, der auch eine Terrasse mit Tischen und Stühlen erhalten soll, an denen Kaffee und Kuchen serviert werden können.

Wie Ortsbeiratsmitglied Barbara Sylla-Belok (Grüne) mitteilt, hat der Ortsbeirat jedoch einen Änderungsantrag ihrer Fraktion mehrheitlich angenommen. Bei vier Ja-Stimmen und vier Enthaltungen sowie einer Nein-Stimme habe dieser sich gegen den Bau eines Besucherzentrums auf dem Domberg ausgesprochen, und zwar "auch deswegen, weil auf Grund der finanziellen Einbrüche durch die Corona-Krise die Stadt das Geld für wichtigere und sinnvollere Vorhaben sparen sollte", wie es in dem Antrag heißt. "Es war uns wichtig, noch einmal ein Signal gegen den Bau des Besucherzentrums zu setzen", teilt Sylla-Belok mit. Der Ortsbeirat habe sich schon am Anfang des Verfahrens dagegen ausgesprochen.

Gleichzeitig soll nach dem Wunsch des Ortsbeirats der Magistrat dafür Sorge tragen, dass die Pläne zum zweiten Bauabschnitt Domplateau so überarbeitet werden, "dass die für das Besucherzentrum vorgesehene Fläche und die Hälfte der für die Terrasse vorgesehenen Fläche von Bebauung freigehalten und in die Außenfläche integriert werden. Die somit erweiterte Außenanlage soll Grundlage für den Förderantrag werden." Laut Sylla-Belok haben sich die vier Ortsbeiratsmitglieder, die sich der Stimme enthalten hatten, in der Diskussion aber ebenfalls eine "grundsätzliche Ablehnung des Besucherzentrums" signalisiert.

Das letzte Wort haben allerdings die Stadtverordneten; Beschlüsse der Ortsbeiräte sind formal Empfehlungen. SPD-Fraktionschef Peter Rompf verweist zwar auf die noch anstehende Fraktionssitzung am Montag in einer Woche, in der auch über die Vorlage und den Beschluss des Ortsbeirats gesprochen werde. Und grundsätzlich nehme seine Fraktion Beschlüsse der Ortsbeiräte ernst. Aber in diesem Fall "sollten wir bei der Planung bleiben", sagt Rompf. Er sehe weiterhin keinen Grund, davon abzuweichen. Auch weil sich die städtische Arbeitsgruppe Domplateau mit Stadtverordneten aller Fraktionen einvernehmlich für das Besucherzentrum ausgesprochen habe.

CDU-Fraktionschef Dr. Christopher Dietz verweist ebenfalls auf eine Fraktionssitzung am gleichen Tag. Man werde über den Beschluss des Ortsbeirats reden und sich auch die Argumente der CDU-Ortsbeiratsmitglieder anhören, die mit dem Besucherzentrum ein Problem haben.

Dass CDU und SPD ihre grundsätzliche Zustimmung jedoch zurückziehen, erscheint eher unwahrscheinlich. Es sei denn, die Corona-Krise und ihre finanziellen Auswirkungen würden zu einem vorläufigen Aus für die Pläne führen. Doch die Vorlage des Magistrats, unterzeichnet von Bürgermeister Dr. Marius Hahn (SPD), stammt vom 27. Mai, als die finanziellen Risiken bereits bekannt waren. Zumindest der Magistrat scheint eine Finanzierung nicht zu bezweifeln, zumal hohe Fördergelder des Landes fließen könnten.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare