Pulsierendes Leben auf dem Neumarkt Mitte der 1970er-Jahre zeigt dieses Foto aus dem Limburger Stadtarchiv. Der Wochenmarkt in der Mitte, umzingelt vom Park- und Parksuchverkehr.
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Pulsierendes Leben auf dem Neumarkt Mitte der 1970er-Jahre zeigt dieses Foto aus dem Limburger Stadtarchiv. Der Wochenmarkt in der Mitte, umzingelt vom Park- und Parksuchverkehr.

Dauerthema Parken

Limburg: Parkgebühren beschäftigen die Stadt seit 65 Jahren

Plätze für auswärtige Gäste sollten geschaffen und Dauerparken verhindert werden

Limburg -"Wie die meisten Städte in der Bundesrepublik, so leidet auch Limburg an einem akuten Mangel an Parkplätzen. Oft müssen die Kraftfahrer lange suchen, ehe sie ein Plätzchen gefunden haben, wo sie ihren Wagen abstellen können. Im Limburger Magistrat werden nun Pläne erwogen, wie diesem Mangel am besten abzuhelfen ist."

So stand es im Juli 1956 in der Heimatzeitung Nassauer Bote, der von einem "Problem ersten Ranges" berichtete. Anlass war, dass vor nunmehr 65 Jahren der Neumarkt vielfach von Dauerparkern belegt wurde. Diesem Zustand müsse abgeholfen werden, weil er sich besonders nachteilig auf die auswärtigen Gäste auswirke, die Limburg besuchen und die Boxen oftmals belegt vorfinden, beklagte der Magistrat. Die Lösung wurde damals in der Aufstellung von Parkuhren gefunden, die sich erstmals zwei Jahre zuvor in Duisburg als erster Stadt in der Bundesrepublik bewährt hatten.

Vom 4. September 1957 morgens um 7 Uhr an kostete Parken in Limburg Geld. 42 Parkometer, 30 auf der östlichen Seite des Neumarkts (Höhe Firma Diener), zwölf auf der westlichen Seite des Kornmarkts (heute Meloni), regelten den ruhenden Verkehr. Höchstparkdauer waren 60 Minuten. Auf der westlichen Seite des Neumarkts wurde ein bewachter Parkplatz ausgewiesen. Dort musste die Parkzeit beim Parkwächter abgerechnet werden.

Die "formschönen Parkuhren"

Im Gegensatz zu heute, da auf dem Neumarkt niemand mehr parken darf, war damals zu lesen: "Im Interesse der Stadt wäre zu wünschen, dass die Parkplätze dann noch genauso gefüllt sind, wie es in den letzten Monaten immer gewesen war." Die neuen "formschönen Parkuhren" (wie es damals hieß) arbeiteten mit einem Zwei-Münzen-System. 30 Minuten kosteten zehn, eine Stunde 20 Pfennig. Wem eine Viertelstunde zum Erledigen seiner Geschäfte genügte, war mit fünf Pfennig dabei, eine Dreiviertelstunde kostete 15 Pfennig. Diese Regelung galt werktags von 7 bis 19 Uhr.

Dank des Angebots einer Frankfurter Firma, kamen für die Anschaffung der Parkuhren auf die Stadt keine Kosten zu. Nachdem die eingegangenen Parkgebühren die Rechnungssumme getilgt hatten (man ging damals von 12 bis 18 Monaten aus) gingen die Parkuhren in das Eigentum der Stadt über. Die Wartung war der Limburger Firma Auto-Bach übertragen worden.

Die Möglichkeit, zu regulieren

Auf diese Weise war Limburg wie 200 andere Städte im Bundesgebiet nun auch auf den Dreh gekommen, wie sich mit der Entrichtung von Gebühren das Parken regulieren lässt. Schon drei Jahre später wurden im Stadtgebiet 35 weitere Parkometer aufgestellt, zehn auf der Plötze, jeweils neun auf dem Bischofsplatz und in der Hospitalstraße, deren sechs am Frankfurter Hof in der unteren Frankfurter Straße und ein weiterer auf dem Neumarkt.

Während die ersten Uhren nur eine Parkzeit von einer Stunde erlaubten, nahmen die Folgemodelle auf Bischofsplatz und Plötze Rücksicht auf die ortsfremden Autofahrer, die Dom und Altstadt besichtigen und vielleicht auch einkehren wollten. Für 40 Pfennig durften sie dort zwei Stunden parken. Die neuen Uhren wurden mit der Begründung installiert, das Dauerparken zu verhindern und somit im Herzen der Stadt ständig "Luft zu schaffen".

Ende 1970 führte Limburg für vier offene Parkplätze die Parkscheibe ein. Diese waren neben dem Rathaus (Limburger Bank), die Parkfläche gegenüber dem Rathaus auf dem künftigen Bauplatz Karstadt sowie für Parkplätze an der oberen Schiede. Das freute die Autofahrer umso mehr, weil sie dort "die Groschengräber" der Parkuhren meiden konnten. Der Magistrat erlaubte bis zu zwei Stunden Parkzeit und verteilte kostenlose Parkscheiben im Büro der Ortspolizeibehörde.

Subventionen von Geschäften

Mitte der 1990er-Jahre wurden Parkscheinautomaten angeschafft, die einzelne Uhren ablösten. Es gab eine Zeit, da City Ring-Geschäfte mit Unterstützung der Parkhausgesellschaft das Parken subventionierten, um ihren Kunden das Einkaufen angenehmer zu machen. An den Parkscheinen hingen Abschnitte, womit beim Bezahlen an der Kasse 50 Pfennig vergütet wurden.

Parkgebühren wurden mal erhöht, dann auch mal reduziert. So beschlossen die Stadtverordneten zum 1. April 2000, sie P in der Innenstadt von zwei Mark pro Stunde auf 1,50 Mark zu reduzieren. Zu zahlen waren 50 Pfennig pro 20 Minuten. An Werktagen bis 10 Uhr morgens sowie abends ab 18 Uhr war das Parken gebührenfrei "zur Belebung der Innenstadt und des Wochenmarkts in den Morgenstunden und zur Erleichterung von Arzt- und Behördenbesuchen" - so die offizielle Begründung. Heute gilt diese Befreiung morgens bis 10 Uhr, abends ab 19, samstags ab 18 Uhr.

Erinnert sei an die Einführung des bargeldlosen Parkens Ende 2000 in den Parkhäusern und auf den Plätzen der Parkhausgesellschaft mittels aufladbarer Chips. Unter dem Slogan "Paul parkt clever" gab es einen Preisnachlass von zehn Prozent.

Wer heute im Herzen der Stadt für saubere Luft sorgen will, glaubt, es mit einer drastischen Gebührenerhöhung erreichen zu können. Deshalb haben die Stadtverordneten beschlossen, die Parkgebühren deutlich anzuheben.

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