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Den letzten Kopfschnitt der Platanen auf dem Limburger Neumarkt gab es im Oktober 2018. Bis dahin waren die Bäume noch belaubt.

"Goldener Herbst" auf dem Neumarkt

Limburg: Platanen geht's erst im Februar an den Kragen

  • Stefan Dickmann
    vonStefan Dickmann
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Überraschende Kehrtwende der Stadtverwaltung. Kopfschnitt erfolgt vier Monate später.

Limburg -Die Platanen auf dem Neumarkt werden erst im Februar 2021 geschnitten. Das teilte auf Anfrage die Sprecherin der Stadt, Anna-Sophie Seidel, mit. Das ist eine überraschende Aussage: Noch im September hatte die Stadt mitgeteilt, der alle zwei Jahre vorgenommene Kopfschnitt der Platanen - angeblich schon "seit Jahrzehnten" üblich - solle noch im Oktober umgesetzt werden. Nun wird es deutlich später als sonst. "Grund dafür ist, die Bäume nicht im ,Goldenen Herbst' zu schneiden, wo viele Bürger die letzten warmen Tage noch genießen", teilt die Sprecherin der Stadt weiter mit. "Deshalb wurde der Schnitt auf die Winterzeit verschoben."

Unklar ist gleichwohl, warum der "Goldene Herbst" für die Stadt Limburg in den vergangenen Jahren so gar keine Rolle bei der Frage spielte, in welcher Jahreszeit die 20 Platanen alle zwei Jahre beschnitten werden - das war in der Vergangenheit immer der Frühherbst; da waren die Platanen noch voller Laub.

Als Gewinner der neuen Entwicklung darf sich der Fraktionssprecher der Grünen, Dr. Sebastian Schaub, fühlen. Der hatte in diesem Jahr gleich zwei Mal mit Anträgen versucht, einen Rückschnitt der Platanen auf dem Neumarkt in längeren Zyklen zu erreichen. Damit konnte er sich aber politisch nicht durchsetzen, weil die große Limburg-Koalition aus CDU und SPD wenig Interesse an den Tag legte zu klären, ob es - fachlich begründet - nicht möglich sein könnte, die Platanen vielleicht nur alle drei oder vier Jahre zu beschneiden. Auch sein jüngster Versuch, wenigstens einen Aufschub des Radikalschnitts zu erwirken, zumindest solange, bis man darüber im Umweltausschuss gesprochen habe, scheiterte.

Direkt im Sommer nach dem Radikalschnitt der Platanen, gibt es auf dem Neumarkt keinen durch Blätter verursachten Schatten. Die Kronen sind dann so klein und das Grün auf den Bäumen so spärlich, dass erst im Sommer darauf wieder tatsächlich ein ernstzunehmender Schattenwurf zu verzeichnen ist.

"Eintrittspforte für

Krankheiten und Pilze"

Doch warum werden die Bäume alle zwei Jahre so radikal beschnitten? Das gab die Stadt am Dienstag in einer Pressemitteilung bekannt, weil sich der Magistrat auf Wunsch der Stadtverordneten generell mit dem Schnitt und der Pflege der Stadtbäume beschäftig hatte. Dabei kam laut Mitteilung der Stadt auch das Thema "Kopfbäume" zur Sprache. Die Platanen auf der Schiede, in der Walderdorffstraße sowie auf dem Neumarkt seien mit einer Entscheidung schon "vor Jahrzehnten" zu Kopfbäumen gemacht worden. Dies sei eine mehr als 100 Jahre alte Baumerziehungsform, bei der "jährlich oder auch mehrjährig" alle neuen Austriebe auf den alten Schnitt zurückgesetzt würden. So bildeten sich die sogenannten Köpfe an den Stammenden.

"Lässt man die große Anzahl der Triebe aus den sogenannten Köpfen einfach wachsen, brechen diese aus, was die Gesundheit der Bäume gefährdet, und die Verkehrssicherheit auf den öffentlichen Plätzen kann nicht mehr gewährleistet werden", erklärte der Leiter der Stadtgärtnerei, Matthias Beul, laut Mitteilung der Stadt im Magistrat. Drei- oder gar vierjährige, mehr als armdicke Triebe könnten leicht ausbrechen und stellten ein großes Sicherheitsrisiko dar. Aber auch die Gesundheit des Baumes werde so beeinträchtigt, weil dickere Triebe größere Schnittflächen verursachten, was eine "Eintrittspforte für Krankheiten und Pilze" sei.

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