Noch sind die Platanen auf dem Neumarkt voller Laub, aber das wird sich im Frühherbst sofort ändern: Denn dann werden sie - wie immer alle zwei Jahren - radikal beschnitten.
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Noch sind die Platanen auf dem Neumarkt voller Laub, aber das wird sich im Frühherbst sofort ändern: Denn dann werden sie - wie immer alle zwei Jahren - radikal beschnitten.

Neumarkt-Diskussion

Limburg: Die Platanen werden im Herbst radikal beschnitten

  • Stefan Dickmann
    vonStefan Dickmann
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Die Grünen scheitern mit einem Antrag, alle Blätter und kleinere Äste seltener zu entfernen.

Limburg -In der ersten Sitzung der Stadtverordneten nach der Corona-Krise am 18. Mai war ein Antrag der Grünen durchgefallen, der den Neumarkt grüner machen sollte. Denn alle zwei Jahre werden die Platanen so radikal beschnitten, dass die Bäume fast ein Jahr brauchen, bis sie wieder Blätter zeigen. Wer in solchen Sommern auf Schatten hofft, sollte eins tunlichst vermeiden: auf den Neumarkt gehen. In diesem Jahr ist es wieder soweit, wie die Stadtverwaltung auf Anfrage bestätigt. Alle Blätter und Äste kommen weg - spätestens im Frühherbst.

In seinem abgelehnten Antrag hatte der Fraktionssprecher der Grünen, Dr. Sebastian Schaub, gefordert, den Zuschnitt der Platanen auf dem Neumarkt künftig "auf die von den Experten empfohlene Zeitspanne von drei bis vier Jahren" festzulegen. Der nächste Radikalschnitt hätte also frühestens im Herbst nächsten Jahres erfolgen sollen. Zustimmung gab es dafür allerdings nur von FDP und SÖFL, die große Koalition lehnte den Antrag ab. Selbst das übliche Prozedere, aus diesem Antrag einen Prüfantrag zu machen, der Verwaltung also die Möglichkeit zu geben, zu erläutern, warum aus ihrer Sicht der Radikalschnitt alle zwei Jahre erfolgen "muss" oder erklären zu lassen, was denn Dramatisches passiert, wenn der Radikalschnitt nicht so häufig erfolgt, blieb aus.

CDU und SPD: Das ist

Sache der Verwaltung

Spricht man die beiden Fraktionsvorsitzenden der großen Koalition auf den Radikalschnitt an, sagen sowohl Dr. Christopher Dietz (CDU) als auch Peter Rompf (SPD) wie aus der Pistole geschossen: "Das ist Sache der Verwaltung!" Mit anderen Worten: Da wollen sich beide Parteien, die jeweils einen Hauptamtlichen im Rathaus stellen, definitiv nicht einmischen. So, als sei ihnen sehr deutlich gemacht worden, warum das kein Thema für die Politik ist.

Die Stadtverwaltung begründet den Radikalschnitt alle zwei Jahre auf Anfrage mit der "Verkehrssicherheit". "Lässt man die große Anzahl der Triebe aus den sogenannten Köpfen einfach wachsen, brechen diese aus", teilt die Sprecherin der Stadt, Anna-Sophie Schindler, mit. "Die Vielzahl der Triebe hat durch den entstanden Kopf keine durchgängige Verbindung zum Haupt-Ast, drei- oder gar vierjährige, mehr als armdicke Triebe können so recht leicht ausbrechen und stellen ein Sicherheitsrisiko dar." Außerdem verursache ein größerer Zeitraum größere Schnittflächen, "welche der Baum wiederum langsamer verschließen kann und diese als Eintrittspforte für Krankheiten und Pilze dienen".

Die große Angst

vor den Saatkrähen

So weit die fachliche Meinung der Verwaltung. Der Fraktionssprecher der Grünen verweist in seiner Antrag allerdings auf die Anhörung zweier Baumgutachter im vergangenen Jahr im Ausschuss. Diese habe ergeben, dass der Zuschnitt der Platanen auch alle drei bis vier Jahre erfolgen könne. "Wir schlagen diese Maßnahme vor, um die Platanen, die in den letzten Jahren stark unter dem übertriebenen Rückschnitt gelitten haben, die Möglichkeit zur Erholung zu geben", heißt es in dem Antrag der Grünen.

In einer Presseerklärung teilte der Ortsverband der Grünen zudem gestern mit, die Partei akzeptiere es nicht, "dass die Platanen weiterhin schon im frühen Herbst per Radikalschnitt verstümmelt werden". Ein Beschnitt der Bäume müsse "auf das notwendige Maß" begrenzt werden und solle erst nach dem Blattwurf der Platanen erfolgen.

Neben der offiziellen Antwort der Verwaltung gibt es allerdings auch eine inoffizielle, die zumindest verschiedenen Kommunalpolitikern auf Anfrage immer wieder gegeben wird: die Saatkrähe. Diese Vögel sind geschützt, das heißt, sie dürfen nicht vertrieben werden. Und weil die Angst in der Verwaltung offenbar groß ist, dass die Saatkrähen den Neumarkt als "gute Stube" für sich entdecken und es durch die Vögel hygienische Konflikte mit dem Wochenmarkt und den Dauermarktständen gibt, werden die Platanen angeblich so oft und so radikal beschnitten, um die Platanen für die Saatkrähen so unattraktiv wie möglich zu machen.

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