Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche
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Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche

Missbrauch in der Kirche

Limburg: Projekt gegen Missbrauch in der katholischen Kirche

In Limburg werden die Ergebnisse des Projektes "Betroffene hören - Missbrauch verhindern" vorgestellt. Ziel ist die Aufdeckung von Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche. 

  • Nach Studie der Deutschen Bischofskonferenz: Untersuchungen zu Missbrauchsfällen in Limburg
  • Ziel des Projektes in Limburg: Kinder und Jugendliche in Zukunft vor Missbauch schützen
  • Vertuschungen in Limburger Kirchen müssen aufgedeckt werden, damit Priester nicht erneut zu Tätern werden

Limburg - Wenn etwas nach Zensur riecht, wird Claudia Burgsmüller energisch: "Zensur geht gar nicht", sagt sie und wendet sich, wenn nötig, direkt an die Bistumsleitung. Freundlich und sachlich im Ton, aber klar in der Sache stellt sie ihre Auffassung dar - und erreicht, was sie will. Der Wiesbadener Rechtsanwältin Claudia Burgsmüller ist im Bistum Limburg eine besondere Rolle zugekommen. Seit dem vergangenen Herbst fungierte sie als externe Prozessbeobachterin, sie kontrollierte die Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt und deren Vertuschung, die im Bistum in einem ehrgeizigen Projekt unter dem Stichwort "Betroffene hören - Missbrauch verhindern" angegangen wurde.

Ihre Arbeit ist jetzt abgeschlossen. Am Samstag (12.06.2020) werden die Ergebnisse ab 13 Uhr an die Auftraggeber Ingeborg Schillai, Präsidentin der Limburger Diözesanversammlung, und Bischof Dr. Georg Bätzing übergeben und anschließend im Internet veröffentlicht. Die Übergabe in der Frankfurter Paulskirche steht unter dem Titel "Der Beginn von Ehrlichkeit". Die Veranstaltung wird live auf der Facebookseite und dem Youtubekanal des Bistums Limburg gestreamt.

"Betroffene hören - Missbrauch verhindern" - Ergebnisse des Limburger Projektes werden vorgestellt

Wie die anderen deutschen Diözesen war auch Limburg aufgeschreckt worden, als vor mehr als einem Jahr in der so genannten MHG-Studie der Deutschen Bischofskonferenz das ganze Ausmaß des Missbrauchs in der katholischen Kirche aufgedeckt wurde. Georg Bätzing und Ingeborg Schillai gaben daraufhin eine eigene Untersuchung der Limburger Fälle in Auftrag. Dabei sollte nicht nur darauf geschaut werden, was im Bistum in den vergangenen Jahrzehnten geschehen und wo Missbrauchstäter geschützt wurden, sondern es sollten auch Vorschläge erarbeitet werden, wie systemische Faktoren künftig ausgeschlossen und Missbrauchstaten möglichst verhindert werden können.

In neun Teilprojekten arbeiteten externe Fachleute und Mitarbeiter aus unterschiedlichen Bereichen des Bistums seit September 2019 an Themen wie der Neuordnung der Aus- und Weiterbildung sowie der Priesterausbildung, an Personalführung und der Rolle von Frauen in kirchlichen Positionen.

Projekt Limburger Kirchen: Bessere Täterüberführung und mehr Schutz für Kinder

Aber auch Maßnahmen gegen Klerikalismus und Möglichkeiten, das Kirchenrecht so zu ändern, dass Täter identifiziert und staatlichen Gerichten zugeführt werden, sowie ein besserer Schutz von Kindern und Jugendlichen standen auf der Agenda. Eine zusätzliche Projektgruppe kümmerte sich laufend um die Realisierung und vor allem die nachhaltige Wirkung aller Beschlüsse.

Anwältin Burgsmüller hatte durch ihr Wächteramt als einzige ungehindert Zugang zu allen Gruppen und konnte, wann immer nötig, das Augenmerk auf mögliche Fehlentwicklungen und Falscheinschätzungen richten. Sie selbst sagt, sie sei mit großer Skepsis an diese Aufgabe herangegangen, aber mittlerweile zufrieden mit der Offenheit und Transparenz, mit der die Projekte arbeiteten.

Limburg: Vertuschungen bei Missbrauch in der Kirche müssen aufgedeckt werden

Einmal musste Burgsmüller einschreiten: Zum Jahresende war ein erster Zwischenbericht der Gruppe, die alle Personalakten der vergangenen Jahrzehnte im Bistum untersucht, kurzfristig dem Zugriff der anderen Gruppen wieder entzogen worden. Wohl aus Angst, Täter seien so zu leicht zu identifizieren. Dabei waren die Namen der beteiligten Personen - Täter, Betroffene, aber auch Vertuscher - nur als Pseudonym aufgetaucht. "Die dort präsentierten Fälle sind mit einer Fülle von Informationen aus den Akten dargestellt, die für die Fragestellungen aller einzelnen Teilprojekte von entscheidender Bedeutung sein können", betont die Anwältin. Es gehe nicht an, dass die 70 Projektteilnehmer, die sich zur Verschwiegenheit verpflichtet hätten, diese vertraulichen Informationen nicht zur Verfügung hätten. "Es muss den einzelnen Experten überlassen bleiben, welche Information, welches Zitat sie für ihre Analyse benötigen", sagt sie. Gerade auch die Fälle, die vertuscht worden seien, indem Priester ohne Angabe von Gründen versetzt worden seien und zum Teil an anderer Stelle wieder zu Tätern wurden, müssten "in aller Schärfe identifiziert" werden.

Der Bistumsleitung leuchtete diese Argumentation ein. Der Bericht war nach der Intervention wieder für alle Projektbeteiligten zugänglich.

Limburg: Blick auf Missbrauchsopfer lenken

Auch ihr zweites wichtiges Anliegen hat Burgsmüller versucht durchzusetzen. Der Blick müsse noch stärker auf die konkret im Bistum Betroffenen gelenkt werden, ist sie überzeugt: "Den Betroffenen, die in der Auswertung der Akten bisher nicht selbst zu Wort kommen, muss angeboten werden, sie anzuhören." Auch wenn die Opfer sexualisierter Gewalt im Bistum selbst bisher keine Beteiligung eingefordert hätten, müsse man ihnen eine Anhörung anbieten und etwa die Idee einer Interessengruppe vermitteln.

Viele Betroffene hätten die Befürchtung, nur als "Feigenblatt" wahrgenommen und als Steigbügelhalter für überfällige Reformen in der katholischen Kirche instrumentalisiert zu werden. Dem müssten die Projektteilnehmer aber entschieden entgegentreten und die Opfer in den Vordergrund stellen. So dürfe etwa auch die Rolle von Frauen als "Mitwisserinnen und Unterstützerinnen von beschuldigten Priestern" nicht verschwiegen werden.

Von Joachim Heidersdorf

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