Ungewöhnlicher Gerichtssaal in Limburg. Dem Zelt sind ein Beratungsraum und mehrere Containerzellen angegliedert.
+
Ungewöhnlicher Gerichtssaal in Limburg. Dem Zelt sind ein Beratungsraum und mehrere Containerzellen angegliedert.

Justiz

Landgericht Limburg verlegt große Prozesse in ein Zelt

  • Joachim Heidersdorf
    vonJoachim Heidersdorf
    schließen

Corona-Auflagen und Sicherheitsaspekte sind für die Pläne in Limburg entscheidend. Die monatlichen Kosten belaufen sich auf rund 16.500 Euro.

  • Corona-Auflagen zwingen Landgericht in Limburg zu ungewöhnlicher Lösung
  • Große Strafverfahren sollen in einem Zelt verhandelt werden
  • Test auf Praxistauglichkeit kommt noch diesen Monat

Limburg - Das Landgericht (LG) Limburg verhandelt große Strafverfahren künftig in einem Zelt. Der externe Gerichtssaal wird nächste Woche auf dem Gelände der Firma Much „Am Fleckenberg“ aufgebaut - in unmittelbarer Nähe zur Polizeidirektion. Der erste Prozess findet dort am 30. Juni gegen sechs Angeklagte einer Drogenschmugglerbande statt.

Aufgrund der Corona-Auflagen reichen die Räumlichkeiten im Landgerichtsgebäude an der Schiede für große Verfahren mit mehreren Beteiligten nicht aus. Für den notwendigen Umzug bot sich nach Angaben des LG jedoch kein Objekt im Gerichtsbezirk an. Deswegen war anfangs auch eine Verlegung in die Limburger Markthalle erwogen worden. Sie hätte für diesen Zweck aufwendig umgestaltet werden müssen.

Limburg: Gericht kann flexibel auf Corona reagieren

Auch andere Überlegungen erwiesen sich als zu teuer und umständlich, so dass die Verantwortlichen über ein Zelt nachdachten. Die Stadt bot dafür einen Teil des Marktplatzes kostenfrei an, doch die nun gefundene Lösung scheint aus verschiedenen Gründen für das Gericht die viel bessere zu sein.

„Wir sind mit dieser Option sehr zufrieden“, sagt LG-Vizepräsident Dr. Andreas Janisch. „Ob sie so praxistauglich ist, wie wir glauben, muss sich natürlich erst zeigen.“

Die Kosten für den Aufbau und die Klimaanlage belaufen sich einmalig auf rund 14.000 Euro. Hinzu kommen monatliche Ausgaben für die Zelt- und Platzmiete sowie die technischen Anlagen in Höhe von rund 16.500 Euro. „Ungefähr so viel hätten wir sonst pro Tag bezahlen müssen, wenn wir ein Konferenzzentrum in Wiesbaden oder Gießen angemietet hätten“, erläutert Janisch.

Justiz in Limburg: Eingezäunt, überwacht und alarmgesichert

Auf den weiteren Verlauf der Corona-Pandemie kann das Landgericht flexibel reagieren, weil der Vertrag zeitlich nicht befristet und monatlich kündbar ist. Im Sommer kann das Zelt klimatisiert und im Herbst und Winter beheizt werden.

Das Grundstück im Industriegebiet bietet für die Justiz viele Vorteile; entscheidend waren laut Janisch die Sicherheitsaspekte. Es ist eingezäunt, alarmgesichert und videoüberwacht. All das wäre auf dem Marktplatz nicht gegeben gewesen. Das Gelände erlaubt zudem verschiedene Zuführungen der Verfahrensbeteiligten. Inhaftierte Angeklagte können über einen separaten Eingang ohne Kontakt zum Publikum zur Verhandlung gebracht werden.

Die Hartplastikkonstruktion, an die ein Beratungsraum sowie mehrere Containerzellen angegliedert sind, steht auf der großen gepflasterten Freifläche des Unternehmens, die sonst für 40-Tonner benötigt wird. Wegen Corona läuft im Festservice aber derzeit nichts...

Limburger Strafverfahren im Zelt: Prozesse mit bis zu acht Angeklagten

Der ungewöhnliche Gerichtssaal verfügt über eine umfangreiche Tontechnik (Lautsprecher- und Dolmetscheranlage). Auch Videovernehmungen sind möglich. Die Kapazität ist dafür ausgelegt, Prozesse mit bis zu acht Angeklagten zu gewährleisten.

Daneben bietet das Zelt mit 28 Zuschauerplätzen auch die Möglichkeit, Prozesse wieder einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Derzeit können im größten Saal des Gerichtsgebäudes insgesamt lediglich 13 Medienvertreter und Zuschauer dabei sein. Zivilverfahren hat das Landgericht bereits ins Bürgerhaus in Eschhofen verlegt, das die Stadt Limburg in Amtshilfe zur Verfügung gestellt hat.

Joachim Heidersdorf

Der „Axtmörder“-Prozess in Limburg tritt in die entscheidende Phase. Der Verteidiger von Imad A. stellt eine Forderung an das Gericht.

In Limburg bedeuten die Corona-Regeln auch Schlange stehen vor Geschäften. Die Reaktionen sind unterschiedlich.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare