Mustafa Yüce
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Gemeinsame Sitzung

Limburg: Regelmäßig mit Alltagsrassismus konfrontiert

  • VonRobin Klöppel
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Gemeinsame Sitzung des Integrationsausschusses und des Ausländerbeirats

Limburg -Der Integrationsausschuss der Limburger Stadtverordnetenversammlung sowie der Ausländerbeirat haben in der Stadthalle gemeinschaftlich getagt. Solche Treffen soll es künftig zwei Mal pro Jahr geben, um sich besser kennenzulernen und mehr Verständnis für die andere Seite zu wecken. Denn gerade für in Deutschland geborene Menschen mit Migrationshintergrund sei es bitter, aufgrund ihres fremden Aussehens oft als Deutscher zweiter Klasse behandelt zu werden.

Ausländerbeiratsmitglied Driss Laroussi sagte klar: "Die große Mehrheit der Ausländer in Limburg geht ganz normal ihrer Arbeit nach. Die sieht man hier nicht." Es gebe aber in jeder Gruppe wenige, die negativ auffielen. Wenn es, so Laroussi, Urdeutsche seien, werde das nicht eng gesehen. Wenn der Betroffene aber Migrationshintergrund habe, werde häufig pauschalisiert. Limburgs Erster Stadtrat Michael Stanke (CDU) erklärte, dass es wahrlich nicht nur Ausländer seien, die beispielsweise am Limburger Bahnhof negativ auffielen.

Yusuf Kutlucan berichtete, dass man als Bürger mit Migrationshintergrund auch in der Region noch regelmäßig mit Alltagsrassismus konfrontiert werde. So habe er kürzlich erst eine Anzeige gesehen, wo bei Bewerbern für eine Mietwohnung ein deutscher Pass vorausgesetzt worden sei. "So etwas ist absolut kein Einzelfall", sagte Kutlucan. Es gebe Studien darüber, dass bei Menschen mit gleicher Qualifikation ein Bewerber mit deutschem Namen viel häufiger als einer mit einem ausländischen Namen zum Bewerbungsgespräch eingeladen werde.

Einstellungen bei der Stadtverwaltung

Kutlucan warnte davor, dass eine ständige Benachteiligung von Menschen mit Migrationshintergrund dazu führen könne, dass diese ihren Integrationswillen verlören und sich weiter von der Gesellschaft entfernten. Denn sie müssten ja immer wieder erleben, dass es ihnen nichts bringe, auf die anderen zuzugehen. Er schlug vor, dass beispielsweise die Limburger Stadtverwaltung mehr Menschen mit Migrationshintergrund einstellen solle. Denn diese machten in Limburg 33 Prozent der Bevölkerung aus und fühlten sich unterrepräsentiert.

Mit Melanie Weis gibt es immerhin eine Integrationsbeauftragte bei der Stadt. Wie sie berichtete, fühle sie sich aber als Einzelkämpferin. Oft sei es aber bei wichtigen Themen hilfreich, Probleme mit Kollegen auf Augenhöhe diskutieren zu können. Von daher kam im Ausschuss das Thema auf, bei der nächsten Haushaltsberatung die Einstellung einer weiteren Person für Integration zu diskutieren.

Ute Jungmannn-Hauff (SPD) sagte zu Weil: "Wenn wir ernsthaft Integrationsarbeit leisten wollen, dann können sie das alles nicht alleine schaffen." Marianne Ax-Vorndran (CDU) wollte wissen, was mit Weils Stelle passiere, wenn die Ein-Drittel-Förderung des Landkreises dafür möglicherweise Ende des Jahres auslaufe. Stanke versicherte aber, dass Weil unbefristet eingestellt sei und auch weiterarbeiten könne, falls der Kreis sich aus der Mitfinanzierung der Stelle zurückziehe.

Gerhard Stamm (CDU) erklärte, dass Integration wichtig sei. Jedoch frage er sich, wie es mit dem Integrationswillen der Gegenseite aussehe. "Als normaler Bürger hat man nicht immer den Eindruck, dass der da ist", so Stamm.

Viele Konflikte sind zu vermeiden

Vorsitzender Mustafa Yüce sagte, dass alleine im Ausländerbeirat bosnische, marokkanische und türkische Gemeinden mit zusammen über 1000 Mitgliedern vertreten seien. Und bei diesen sei die Integrationsbereitschaft definitiv vorhanden. Er bedauert es, dass viele Mitbürger, die wie er hier geboren seien und studiert hätten, trotzdem einen schwereren Weg als andere hätten.

Kai-Hagen Maiwald (Grüne) würde es gut finden, wenn auch beim Limburger Ordnungsamt Mitbürger mit Migrationshintergrund beschäftigt würden. Dadurch könnten seiner Meinung nach viele Konflikte vermieden werden. "Wir müssen in Limburg mehr aufeinander zugehen." Maiwald forderte die Menschen mit Migrationshintergrund auf, in örtliche Parteien zu gehen.

Kutlucan sagte, in Limburg sei Integration erst gelungen, wenn deutsche Firmen auch Menschen mit Migrationshintergrund einstellten und umgekehrt. Sonst bleibe es nur ein Nebeneinanderherleben. Sogar für einen Lehrer sei er immer nur "der Türke" gewesen. CDU-Fraktionschef Dr. Christopher Dietz sagte, regelmäßige Treffen würden helfen, Barrieren in den Köpfen abzubauen. Auch die Parteien müssten versuchen, Menschen mit Migrationshintergrund für sich zu begeistern. "Es wäre schade, wenn man ihr Können weiter brachliegen lässt", so Dietz.

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