Drei Männer wollen am Samstag zum CDU-Vorsitzenden gewählt werden (von links): Friedrich Merz, Armin Laschet und Norbert Röttgen. In der heimischen Region wird dabei meist Merz in der Partei befürwortet.
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Drei Männer wollen am Samstag zum CDU-Vorsitzenden gewählt werden (von links): Friedrich Merz, Armin Laschet und Norbert Röttgen. In der heimischen Region wird dabei meist Merz in der Partei befürwortet.

Richtungsentscheidung bei der Union

CDU-Politiker aus der Region Limburg: Die meisten favorisieren Friedrich Merz

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  • Stefan Dickmann
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CDU-Politiker aus der Region um Limburg äußern sich vor der Wahl des neuen Bundesvorsitzenden der Christdemokraten.

Limburg – Armin Laschet, Friedrich Merz oder Norbert Röttgen: Am Samstag entscheidet die CDU bei ihrem digitalen Bundesparteitag, wer die Nachfolge von Annegret Kramp-Karrenbauer als CDU-Vorsitzender antreten wird. Nächster Schritt ist dann die Frage: Wer wird Kanzlerkandidat der CDU. Der neue Parteivorsitzende? Oder doch Jens Spahn oder Markus Söder?

Die beiden heimischen hessischen Landtagsabgeordneten Andreas Hofmeister und Joachim Veyhelmann sind ebenso wie Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich und die Vorsitzende der Kreis-Frauenunion Christine Zips Delegierte beim Parteitag. Der Weilburger Bürgermeister Dr. Johannes Hanisch ist Ersatzdelegierter.

Limburg: Für wen werden CDU-Politiker aus der Region auf dem Bundesparteitag stimmen?

Für Andreas Hofmeister ist die Sache klar: Er wird auch im Samstag für Merz votieren. Die Entscheidung hatte der CDU-Kreisvorsitzende bereits vor Corona so getroffen. Er halte ihn für den Richtigen, das Profil der Partei zu schärfen. Zur Kanzler-Frage stellt er fest: "Ein Vorsitzender der CDU ist nicht per se potenzieller Kanzlerkandidat. Es ist eine gute Tradition, dass wir das gemeinsam mit der Schwesterpartei, der CSU, besprechen." Doch natürlich sollte derjenige, der für den Parteivorsitz kandidiere, auch für dieses Amt gerüstet sein. "Doch wie das dann am Ende wird, das wäre erst der nächste Schritt." Wichtig sei in jedem Fall, dass die Partei anschließend hinter ihrem Kandidaten stehe. Sein positiver Eindruck von Friedrich Merz habe sich bei dessen Besuch im Februar in Limburg noch einmal bestätigt. Damals seien mehrere Hundert Menschen begeistert gewesen. Der Probelauf für den digitalen Parteitag der Bundes-CDU am Freitag und am Samstag sowie für die Abstimmung am Samstag habe am Dienstagabend hervorragend funktioniert, sagt der Oberselterser.

Letzteres bestätigt auch Joachim Veyhelmann. Er möchte nicht verraten, wen er wählt. "Mir ist die geheime Wahl wichtig." Er sei überzeugt: "Jeder der drei könnte, wenn man ihm die Chance gibt, ein gute Parteivorsitzender sein." Der Dauborner rechnet mit einem knappen Ergebnis, einem Kopf-an-Kopf-Rennen Laschet-Merz. Die Frage Parteivorsitz/Kanzlerkandidatur beantwortet er so: "Der Parteivorsitzende gibt die Linie vor. Der Kanzler muss auf der diplomatischen Ebene anders agieren." Deshalb könne eine Trennung beider Positionen durchaus von Vorteil sein.

CDU-Mitglieder aus der Region Limburg: Trennung von Kanzlerschaft und Vorsitz auch ein Vorteil

Dr. Christoph Ullrich nimmt von Zuhause in Fussingen am Parteitag teil. "Dass die Technik funktioniert, konnte ich bereits am Dienstag während eines Probelaufs mit den anderen Delegierten im "digitalen Plenarsaal" testen", sagt der Regierungspräsident. Er beruft sich ebenfalls auf das Wahlgeheimnis, sagt: "Wir sind in der glücklichen Lage zwischen drei sehr guten Kandidaten auswählen zu können, die unterschiedliche Schwerpunkte haben. Friedrich Merz ist unabhängig und hat große wirtschaftliche Kompetenz. Armin Laschet führt in schwieriger Zeit nach gewonnener Wahl eine erfolgreiche Koalition in Nordrhein-Westfalen und auch Norbert Röttgen hat sich gerade in der letzten Zeit sehr gut präsentiert. Allen drei traue ich es zu, die Partei zu führen. Jeder Einzelne ist in der Lage, eine Bundesregierung und unser Land zu führen."

Christine Zips spricht von einer "historischen Abstimmung, weil wir nicht wissen, ob potenziell der nächste Bundeskanzler mitgewählt wird. Historisch, weil noch keine Partei einen digitalen Parteitag abgehalten hat und weil die Ära Angela Merkel dem Ende entgegen geht." Die Weilburgerin sieht zwar "drei sehr geeignete Kandidaten für den Bundesvorsitz", hat sich aber doch bereits entschieden. "Ich bin vor Monaten nicht überzeugt gewesen, ob Merz der Richtige für den Parteivorsitz ist, habe aber im Laufe der Zeit gemerkt welches Feuer er hat." Er weise hohe Wirtschaftskompetenz auf. "Merz für den notwendigen Aufschwung hier akzeptable Vorstellungen und klare Vorteile vor Laschet, der seine Stärke eher im gesellschaftspolitischen hat und Röttgen, dessen Kompetenz ich klar in der Außenpolitik sehe." Merz gebe die Chance, "unsere Volkspartei CDU wieder mit ihren ursprünglichen christdemokratischen Werten auf Kurs zu bringen". Zudem sieht sie als Unterstützer für die Frauen, auch in der Frauen Union. "Um Volkspartei zu bleiben müssen deutlich mehr Frauen in allen Ebenen der Partei aktiv werden", betont Zips.

Fraktiosnchef der CDU in Limburg: "Fulminante Rede" in Lindenholzhausen

"Auf jeden Fall Friedrich Merz", sagt auch der Fraktionschef der CDU in Limburg, Dr. Christopher Dietz. Das gelte um so mehr, weil ihm Merz' "fulminante Rede" im Bürgerhaus in Lindenholzhausen im Februar vergangenen Jahres noch sehr gut im Gedächtnis sei. Merz, der auch ein überzeugender Kanzlerkandidat für die Union wäre, überzeuge ihn inhaltlich und programmatisch. Dieser habe zudem klare Vorstellungen davon, was die CDU als Partei ausmacht. In der medialen Berichterstattung kommt ihm Merz allerdings zu oft zu schlecht weg. Insbesondere der "Vorwurf", Merz sei konservativ, sei schon sehr erstaunlich; was sei daran denn schlimm? Dietz ärgert sich zudem darüber, dass es keine Urwahl zum Bundesvorsitzenden der CDU gibt, sondern ein Parteitag darüber entscheidet.

"Ich bin ja kein Delegierter und muss ehrlich sagen, dass ich mich schwertue", sagt Limburgs Erster Stadtrat, Michael Stanke. "Merz steht mir politisch näher, aber sein Agieren in den letzten Monaten war nicht gerade glücklich. Überzeugt bin ich damit letztlich von keinem der Kandidaten."

Vor dem Bundesparteitag der CDU: Zuspruch für Friedrich Merz aus der Jungen Union Limburg

Für Friedrich Merz würde Ingrid Friedrich (CDU), Erste Beigeordnete der Gemeinde Elz, stimmen. Er sei der einzige Kandidat, der für einen politischen Neuanfang stehe und nicht die von der Bundeskanzlerin "diktierte" Politik fortsetzen würde. Mit einem Parteivorsitzenden Armin Laschet werde sich nichts ändern. Aus ihrer Sicht wäre Merz auch der geeignete Mann fürs Kanzleramt, "weil er aus der Wirtschaft kommt" und es gewohnt sei, Verantwortung zu übernehmen.

Auch für die Junge Union Limburg ist klar: Merz ist der richtige Mann für den Parteivorsitz und auch die Kanzlerkandidatur, denn dieser habe großen Zuspruch aus der Basis und in diversen Funktionen in Politik und Wirtschaft seine Kompetenz bewiesen, so Vorsitzender Nils Hofmann: "Die Kandidatur von Friedrich Merz war ein wichtiger Schritt für das Land und die Union. Diese Chance muss am 16. Januar genutzt werden um mit Friedrich Merz, der der kompetenteste Kandidat für die Parteispitze ist, mit neuem Auftrieb und Schwung in das Wahljahr 2021 zu gehen. Armin Laschet wünschen wir weitere erfolgreiche Jahre in der Landespolitik von NRW." Die JU Limburg erhoffe sich mit Merz eine politische Neuausrichtung und die gebotene Aufwertung des konservativen Profils der Union und somit frischen Wind für das Land.

CDU in der Region Limburg vor dem Bundesparteitag: Westerwälder will Röttgen wählen

Der Bundestagsabgeordnete und Vorsitzende des CDU-Kreisverbands Westerwald, Dr. Andreas Nick, dagegen wird für Röttgen stimmen. "Ich halte ihn seit langem intellektuell und politisch für den stärksten Vertreter unserer Generation in der CDU. Es geht ihm um die Sache, um die Zukunft der CDU als Volkspartei der modernen Mitte - und damit auch um die Stabilität Deutschlands als größtes Land und stärkste Volkswirtschaft in der Mitte Europas." Er kenne Röttgen seit 25 Jahren und arbeite seit 2013 mit ihm im Auswärtigen Ausschuss zusammen. "Uns verbindet die feste Verwurzelung in den Grundsätzen und Traditionen der CDU ebenso wie das Verständnis für die Notwendigkeit, daraus für die globalen Herausforderungen und gesellschaftlichen Veränderungen der Gegenwart und Zukunft passende Antworten zu entwickeln."

Der Landtagsabgeordnete und CDU-Kreisvorsitzende im Rhein-Lahn-Kreis. Matthias Lammert, dagegen verweist auf das Wahlgeheimnis. "Die drei Kandidaten mögen diese Ausrichtung unterschiedlich gewichten, aber alle drei sind zu 100 Prozent CDU. Von daher wird der neu gewählte Parteivorsitzende die Interessen aller Mitglieder im Auge haben." (Stefan Dickmann, Petra Hackert, Sebastian Semrau)

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