Die einen finden es praktisch, die anderen fürchterlich: Schottergärten oder auch Steingärten sind umstritten.
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Schottergärten oder auch Steingärten sind umstritten.

In Limburg regt sich Widerstand

Umstrittene Gartengestaltung: Kampf gegen die "Gärten des Grauens"

  • Stefan Dickmann
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Die einen finden Steingärten praktisch, die anderen fürchterlich. Auch in Limburg ist diese Art der Gartengestaltung umstritten. Eine Initiative sammelt nun Unterschriften.

Limburg - Wer durch sein Wohngebiet regelmäßig spazieren geht, stößt immer häufiger auf Steingärten oder Schottergärten, die als pflegeleicht gelten. Blumen, Pflanzen und Rasen direkt vor dem Haus sind schon lange nicht mehr der Standard und weichen Steinen.

Doch gegen diese Form der Gartengestaltung regt sich zunehmend Widerstand. In Baden-Württemberg sind Steingärten erst vor Kurzem verboten worden. Und auch die Sozial-ökologische Fraktion (SÖFL) möchte künftig solche Schottergärten in Limburg verbieten lassen und stattdessen "Anreize für eine insektenfreundliche Gartengestaltung schaffen", wie aus einem Antrag hervorgeht, denn die SÖFL in der Sitzung der Stadtverordneten am Dienstag einbringt.

Limburg: Umstrittene Schottergärten – 200 Unterschriften übergeben

Außerdem hat eine Limburger Initiative mit drei Frauen an der Spitze rund 200 Unterschriften gegen die "Gärten des Grauens" gesammelt, wie sie die Schottergärten selbst nennen, und die Namenslisten an Bürgermeister Dr. Marius Hahn (SPD) übergeben.

Die Initiatoren - die frühere Landtagsabgeordnete der Grünen, Senta Seip, sowie Dorothe Reitz und Jutta Hartmann - kritisieren in dem Begleitschreiben an den Bürgermeister, viele Vorgärten in Limburg seien "verunstaltet", denn die Schottergärten seien "ökologisch wertlos". Der Boden unter den Steinen sei mit Folie abgedeckt, lasse kein Regenwasser mehr durch und trage so dazu bei, dass es Probleme mit dem wichtigen Grundwasser gebe.

Limburg: Kampf gegen Schottergärten – Forderungen an die Stadt

In dem Brief beklagen die Schottergärten-Gegnerinnen zudem ein aus ihrer Sicht "schweres Versäumnis" der Stadt, gegen die Schottergärten vorzugehen. "Viele Bürger erwarten endlich eine Aktion der Stadt", schreiben sie und weisen unter anderem auf die Hessische Bauordnung hin, aus der hervorgehe, "dass die Flächen um Gebäuden wasserdurchlässig sein müssen und begrünt werden sollten".

In die gleiche Richtung zielt der Antrag der SÖFL. Die Stadtverordneten sollen demnach bei der Aufstellung von Bebauungsplänen in Neubaugebieten das Anlegen von Schottergärten untersagen und stattdessen "grüne Gärten" festsetzen. Zudem soll die Verwaltung ein "Anreizprogramm für insektenfreundliche Gartengestaltung" erstellen.

Schottergärten in Limburg: Es regt sich Widerstand - Negative Auswirkungen

Der Fraktionssprecher der SÖFL, Kai-Hagen Maiwald, begründet diesen Antrag mit dem Insektensterben und dem damit verbundenen Rückgang der Vogelpopulation. Dies habe bereits bundesweit "dramatische Ausmaße" angenommen. Hauptverursacher sei zwar die Intensivlandwirtschaft durch den großflächigen und regelmäßigen Einsatz von Insektiziden, aber auch Schottergärten würden zu dieser traurigen Entwicklung beitragen. "Dabei werden ehemals mit Pflanzen und Tieren belebte Flächen in leblose Steinwüsten verwandelt und wichtige Nahrungs- und Rückzugsflächen für Insekten zerstört", schreibt Maiwald.

Darüber hinaus schädigten Schottergärten durch das Aufheizen der Steine bei Tag und das Abstrahlen von Hitze bei Nacht "massiv das Kleinklima". Um "verwüstete Gärten" wieder in biologisch wertvolle Flächen zurückzuverwandeln, sollte ein Anreizprogramm für eine insektenfreundliche Gartengestaltung entwickelt werden, zum Beispiel in Form eines Wettbewerbs.

Limburg: Regelungen zu Schottergärten - Grüne warten noch auf Bericht

Auf große Zustimmung stößt dieser Antrag natürlich bei den Grünen, wie Fraktionssprecher Dr. Sebastian Schaub erklärt. Denn er selbst hatte bereits vor etwas mehr als einem Jahr eine "städtebauliche Regelung zur Reduzierung von Flächenversiegelung in Vorgärten" angeregt. Der Magistrat sollte deshalb prüfen, in welcher Form die zunehmende Flächenversiegelung durch Asphaltierung, Pflasterung und Umwandlung in Steingärten in Limburger Gärten und Vorgärten geregelt und in welcher Form die Umwandlung von privaten Grünflächen in Steingärten beendet werden könne.

Nach einstimmigem Beschluss der Stadtverordneten soll dieser Bericht im Bauausschuss vorgelegt werden, was allerdings bis heute nicht geschehen ist. Der Antrag der Grünen befinde sich noch "in Bearbeitung", teilte auf Anfrage die Sprecherin der Stadt, Anna-Sophie Seidel, mit. Einen konkreten Termin, wann der Bericht im Ausschuss vorgelegt werde, könne sie noch nicht nennen. (Von Stefan Dickmann)

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