Alleine am Computer: So haben die meistern Schülerinnen und Schüler der Tilemannschule in den vergangenen Wochen und Monaten Unterricht erlebt. Eine Herausforderung für alle.
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Alleine am Computer: So haben die meistern Schülerinnen und Schüler der Tilemannschule in den vergangenen Wochen und Monaten Unterricht erlebt. Eine Herausforderung für alle.

Limburg

So meistern Schulen die Corona-Pandemie

Regine Eiser-Müller, Leiterin der Tilemannschule in Limburg, berichtet über die Herausforderungen in der Pandemie.

Limburg – Schule - soziale Interaktion, Kommunikation, ein Lern- und Lebensort mit vielen Facetten. So konnte man Schule bisher definieren. "In der Pandemiesituation müssen wir Schule neu denken, neu definieren", sagt Regine Eiser-Müller, Schulleiterin der Limburger Tilemannschule. Das gelte für Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler sowie Eltern gleichermaßen. Die Schulschließung im März 2020 habe alle Beteiligten vor große Herausforderungen gestellt und zusätzliche Belastungen für alle Mitglieder der Schulgemeinde mit sich gebracht.

"Die Frage, wie wir alle Schülerinnen und Schüler gleichermaßen erreichen und weiterhin fachlich sowie pädagogisch fördern und fordern können, trieb uns Lehrkräfte zu diesem Zeitpunkt vorrangig um", sagt Eiser-Müller. Voraussetzung dafür waren zunächst Endgeräte. Dank einer Initiative des Schulelternbeirats konnten bis zum Ende des vergangenen Schuljahres mehrere PCs und Laptops für Schüler zur Verfügung gestellt werden, seit Beginn des laufenden Schuljahres können auch iPads bei Bedarf in der Schule ausgeliehen werden.

Limburg: Lehrkräfte werden mit iPads und Laptops ausgestattet

Viele Lehrkräfte haben sich privat mit Equipment ausgestattet, um Ihren Klassen persönlichen Kontakt über Telefonate und E-Mails hinaus anbieten zu können, Dienstgeräte wurden inzwischen nach deren Wunsch als iPad oder Laptop bestellt. Die Lehrer-Steuergruppe "Medienkonzept Tilemannschule" begann im April 2020 mit der Erarbeitung von Strukturen, die die Kombination von Präsenz-, Wechsel- und Distanzunterricht gewährleisten soll.

"Basierend auf unserem aktuellen Konzept wird mittlerweile fast ausschließlich über das Hessische Schulportal kommuniziert", berichtet Eiser-Müller, Schüler und Eltern haben Einblick in die digitalen Klassenbücher in Lanis und sind so kontinuierlich über Inhalte und Hausaufgaben informiert, "was seitens der Elternschaft als besonders positiv hervorgehoben wird, ebenso wie der digitale Unterricht nach Stundenplan". Eine Erweiterung bietet Moodle, ebenfalls zugänglich über Lanis, das zahlreiche Möglichkeiten für die modernen Fremdsprachen und Naturwissenschaften, das Hochladen von Audio- und Videodateien und das Erstellen von Galerien ermöglicht. Damit können die Projektarbeiten präsentiert werden. "Als Videokonferenzsystem nutzen wir dank Initiative des Landes Hessen die Plattform Big Blue Button."

Limburg: „Schüler, Eltern und Lehrkräfte haben gemeinsam viele Hürden überwunden“

Dieses datenschutzrechtlich sichere und einheitliche System für Schule und Studium ermöglicht den Eintritt in virtuelle Klassenräume. Der den Präsenzunterricht ersetzende Distanzunterricht orientiert sich eins zu eins am Stundenplan und im Gegensatz zum Präsenzbetrieb in Zeiten von Corona können die Schülerinnen und Schüler in sogenannten Breakout-Rooms in Partner- und Gruppenarbeit gemeinsam Aufgaben interaktiv am digitalen Whiteboard lösen und direkt - mündlich oder schriftlich - Feedback von ihren Lehrkräften erhalten. Darüber hinaus stehen alle Lehrerkräfte für Nachfragen und Austausch in regelmäßigen Sprechstunden zur Verfügung.

"Im Laufe der vergangenen Monate haben Schüler, Eltern und Lehrkräfte gemeinsam viele Hürden überwunden, einige stehen uns noch bevor", sagt Eiser-Müller. "Anfängliche Probleme konnten in Chancen umgewandelt werden. Den Prozess der Digitalisierung, den wir vor circa zehn Jahren mit den ersten Whiteboards in den Unterrichtsräumen der Tilemannschule begonnen haben, können wir seit nunmehr einem Jahr intensiv und systematisch fortsetzen. Die Chancen und Herausforderungen dieses zwangsläufig kurzfristig initiierten Digitalisierungsprozesses fördert digitale Kompetenzen der Kinder und Jugendlichen im Alter von zehn bis 18 Jahren zu Tage, wie sie noch keine Schülergeneration vor ihnen erworben haben."

Tilemannschule in Limburg: Kontakt zum Elternhaus wichtig

Die Unterstützung des Lernprozesses durch die Eltern ist dabei aus Sicht der Schulleiterin immer wichtiger geworden. Nicht alle Kinder schafften es, sich selbst täglich neu zu motivieren. "Die lange Zeit der Schulschließung setzt ihnen zu und sie wissen nicht mehr, warum sie immer so weiter machen sollen", berichtet Eiser Müller. Auch sind nicht alle in der komfortablen Situation, dass ein Elternteil zu Hause ist. Für Lehrer sei es daher noch wichtiger geworden, dass der Kontakt zwischen Elternhaus und Schule besteht und von beiden Seiten gepflegt wird. Dadurch verschwänden Probleme zwar nicht immer ganz, würden aber erträglicher und leichter. "Wenn alle Stricke reißen, können wir auch über geschulte Fachkräfte wie unsere Schulsozialarbeiterin oder die betreuende Schulpsychologin Hilfe vermitteln."

Natürlich gelte es aber auch, Defizite in den Blick zu nehmen. "So war es nahezu unmöglich, in Zeiten des Wechselunterrichts alle Inhalte der Fachcurricula vollständig zu bearbeiten, zudem ist unsere pädagogische Beratungsarbeit gefragter denn je. Hier haben wir in den vergangenen Monaten große Unterstützung durch unsere Sozialpädagoginnen im Bereich der Notbetreuung erfahren und eng mit der Schulpsychologin kooperiert. Ein umfangreiches Beratungskonzept und Akutprogramm der sozialpädagogischen Begleitung wurde auf den Weg gebracht", sagt Eiser Müller.

Limburg: Wechsel- und Distanzunterricht hinterlassen ihre Spuren

Wechsel- und Distanzunterricht hinterlassen ihre Spuren, besonders bei den Heranwachsenden der Jahrgangsstufe sieben bis zehn, die seit Dezember die Schule nicht mehr besuchen konnten. Sie haben ihre Mitschüler seit Monaten nur über den Bildschirm gesehen und haben dadurch nur begrenzt persönliche Kontakte. "Dennoch zeigen sie große Disziplin, wenn es um die Einhaltung von gemeinsam vereinbarten Regeln im virtuellen Klassenzimmer geht, wie zum Beispiel Pünktlichkeit, disziplinierter Umgang mit Mikrofon und Kamera und respektvolles Verhalten", lobt die Schulleiterin.

Nun hofften alle, dass Schulbetrieb wieder möglich ist. Wahrscheinlich ist dies ab Montag mit Wechselunterricht der Fall. Fachliche und pädagogische Fördermaßnahmen werden dann Priorität haben. "Die Schulleitung gemeinsam mit den Lehrerinnen und Lehrern sowie allen weiteren Beschäftigten an der Tilemannschule hat ihr Bestes gegeben", sagt Eiser-Müller. "Eins hat die Krise gezeigt: Schule ist nicht bloß ein Lern-, sondern vielmehr ein Lebensort, dessen Vorzüge wir nun schätzen gelernt haben." (red)

Erst vor kurzem schrieben 529 Schülerinnen und Schüler im Kreis Limburg-Weilburg ihr Abitur unter Corona-Bedingungen.

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