+
Die Bestattungsunternehmen beraten auch bei der Auswahl des Grabsteines. Auf dem Limburger Hauptfriedhof befinden sich Steine in den verschiedensten Größen und Formen.

Uneinigkeit

Schwarze Schafe aussortieren: Meisterpflicht für Bestatter? 

Die Bundesregierung plant, eine Meisterpflicht für Bestatter einzuführen. Doch einig sind sich die Bestatter im Kreis Limburg-Weilburg dabei nicht. 

Limburg-Weilburg - Der Tod eines geliebten Menschen ist meist ein großer Einschnitt in das Leben der Hinterbliebenen. Unmittelbar danach ist der Alltag der Angehörigen von Trauer geprägt. Trotz dieses oft lähmenden Zustandes muss die Bestattung geplant werden. Dabei sind die Hinterbliebenen nahezu immer auf die Hilfe eines Bestattungsunternehmens angewiesen. Bei der Vorbereitung und der Beisetzung kommt es bundesweit aber immer wieder zu Fällen, bei denen die Bestatter ihren Beruf nicht korrekt ausüben. Beerdigungen finden zu spät statt, die Angehörigen werden falsch beraten und es gibt Probleme bei der Abrechnung.

Um dem entgegenzuwirken, fordern immer mehr Fachleute eine Meisterpflicht im Bestattungsgewerbe. Eine Ausbildungs- und Meisterprüfung wird derzeit zwar angeboten, allerdings ist diese freiwillig. Da die Berufsbranche derart komplex sowie vielfältig ist und das Bestattungsrecht von Bundesland zu Bundesland variiert, könnte die Meisterprüfung zur Pflicht werden. Dies haben CDU/CSU und SPD auf Bundesebene beschlossen. Die Meisterpflicht muss allerdings von der Branche gewünscht und mit dem Europa- sowie Verfassungsrecht vereinbar sein. In den kommenden Monaten soll eine Gesetzesvorlage debattiert werden, die ab 1. Januar 2020 in Kraft treten könnte.

Bestatter: Täglich neuen Herausforderungen ausgesetzt

Doch wie stehen heimische Bestatter zu der Meisterpflicht? Und was hält der Bestatterverband Hessen von der Idee? Michael Clauss, Inhaber des Bestattungsunternehmens Hartlieb aus Niederselters, steht ihr grundsätzlich positiv gegenüber. "Der Job ist extrem vielseitig. Es müssen jede Menge Dinge beachtet werden."

Clauss und seine fünf Mitarbeiter seien täglich neuen Herausforderungen ausgesetzt. "Neben der Festlegung der Beerdigungsart und des Beerdigungsortes müssen die Trauernden auch intensiv beraten werden", sagt der Geschäftsführer. Dabei ginge es unter anderem um die Särge und Urnen. Außerdem helfe der Betrieb bei der Auswahl der passenden Musik und der Blumen für die Trauerfeier. "Wir organisieren auf Wunsch auf auch Kaffee und Kuchen für die Beerdigung. Außerdem darf der komplette bürokratische Aufwand nicht vergessen werden", erklärt Clauss.

Der Bestatter, der keinen Meisterbrief besitzt, aber bereits seit 27 Jahren in der Branche tätig ist, empfiehlt zwar die Meisterpflicht, spricht sich aber zugleich für eine Schonfrist für die Unternehmen aus. "Den Betrieben muss es ermöglicht werden, sich auf die neue Situation einzustellen", sagt er.

Michael Clauss aus Niederselters befürwortet eine Meisterpflicht für Bestatter, auch wenn er selbst kein Meister ist.

Clauss sieht in dem Vorschlag der Fachleute allerdings auch einen Nachteil. "Es besteht die Gefahr, dass die Branche ausgedünnt wird. Das würde dann wahrscheinlich hauptsächlich die kleinen Bestattungsunternehmen betreffen", betont er. "Schwarze Schafe", die ihren Beruf nicht ordnungsgemäß ausführten, gebe es auch bei einer Meisterpflicht noch, da diese oft bereits Meister seien, merkt Clauss an.

Auch interessant: Immer mehr Urnenbestattungen in Limburg

Günter Schermert, Geschäftsführer des Bestattungsinstituts Jakob Ehmann aus Limburg, fordert ebenfalls die Meisterpflicht. "Wir haben sehr komplexe Aufgaben zu erfüllen und jeder Kunde hat das Recht auf eine qualitativ hochwertige Beratung", sagt der Bestattermeister. Durch die Meisterpflicht gebe es wieder mehr Ausbildungsbetriebe und das gesamte Niveau der Branche werde gesteigert. Schermert unterstützt die Kampagne "Ja zum Bestattermeister" des Bundesverbands Deutscher Bestatter und hofft auf eine baldige Gesetzesänderung.

Qualität und Know-how in der Berufsbranche steigern

Klaus Kroh vom gleichnamigen Bestattungsbetrieb aus Odersbach spricht sich gegen die Meisterpflicht aus. "Bestatter ohne Meister sind nicht zwingend schlechter. In anderen Branchen ist die Umsetzung einer solchen Idee viel nötiger", sagt er. Es sei zwar nicht sinnig, dass jeder, der Lust habe, einfach in die Branche einsteigen könne, denn gewisse Fachkenntnisse sollten vorhanden sein. Jedoch gebe es nur vereinzelt Bestatter, die ihren Beruf nicht ordnungsgemäß ausführen, so dass eine Meisterpflicht die Qualität der Branche kaum steigere.

Dominik Kracheletz, Vorsitzender des Bestatterverbandes Hessen, dagegen befürwortet die Meisterpflicht. "Die Bestattungskultur und vor allem die darin enthaltenen Gesetze sind sehr anspruchsvoll. Zusätzlich muss man viel über die verschiedenen Glaubensrichtungen wissen", sagt er. Zudem sei sie sinnvoll, um Unternehmen mit fehlender Qualität auszusortieren. "Es ist absolut wichtig, dass die Qualität und das Know-how in der Berufsbranche gesteigert wird. Ich bin sehr hoffnungsvoll, dass dies durch die verpflichtende Meisterprüfung gewährleistet werden kann", so Kracheletz.

Von Tobias Ketter

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare