Schauten sich die Limburger Altstadt an (von links): Grünen-Bundestagskandidatin Anna Lührmann, Patrick Dehm vom Grünen-Ortsverband, Simone Spranz und Horst O. Hoppe vom CityRing und der Fraktionssprecher der Grünen, Sebastian Schaub.
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Schauten sich die Limburger Altstadt an (von links): Grünen-Bundestagskandidatin Anna Lührmann, Patrick Dehm vom Grünen-Ortsverband, Simone Spranz und Horst O. Hoppe vom CityRing und der Fraktionssprecher der Grünen, Sebastian Schaub.

Treffen von Grünen und CityRing

Limburg: Schwieriger Weg hin zur Citybelebung

  • Stefan Dickmann
    VonStefan Dickmann
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Grünen-Direktkandidatin Anna Lührmann zu Besuch in der Kreisstadt

Limburg -Die Grünen-Direktkandidatin für den Bundestagswahlkreis Rheingau-Taunus/Limburg, Anna Lührmann, hat Limburg besucht, um mit den Aktiven des Grünen-Ortsverbandes sowie Vertretern des CityRings ins Gespräch zu kommen. Anna Lührmann machte 2002 bundesweit Schlagzeilen, als sie im Alter von 19 Jahren die jüngste Bundestagsabgeordnete aller Zeiten wurde. 2009 entschied sich die heute 38-Jährige aber dazu, ihre wissenschaftliche Karriere voranzutreiben. Derzeit ist Lührmann im schwedischen Göteborg an der Uni im Bereich Demokratieforschung als Junior-Professorin tätig.

Das könnte sich aber dieses Jahr noch ändern. Denn selbst wenn die Grünen-Politikerin Klaus-Peter Willsch (CDU) den doch eher konservativ geprägten Wahlkreis nicht abjagen würde, hat sie bei den aktuellen Umfragewerten sehr gute Chancen, über Platz fünf auf der hessischen Grünen-Landesliste erneut in den Bundestag einzuziehen. Bei einem Treffen im Café Fare Tredici erklärte der Erste Vorsitzender des CityRings, Horst O. Hoppe, dass Limburg eine hohe Zentralität und Kaufkraft besitze. Menschen aus einem Umkreis von 100 Kilometern kämen her, um hier einzukaufen. Und natürlich könnten diese nicht alle mit dem Zug oder dem Rad anreisen.

Hoppe schlug vor, mal über ein Modell wie im niederländischen Maastricht zu diskutieren, wo die Autofahrer bis an den Stadtrand fahren und dann mit Shuttlebussen in die City kommen könnten. Cornelius Dehm berichtete, dass vor acht Jahren genau dieses Thema von den Grünen in Limburg schon einmal aufgegriffen worden sei. Damals habe es aber für solche Lösungen im Stadtparlament keine Mehrheiten gegeben. Von daher würde Dehm sich wünschen, bei einer neuerlichen Diskussion den CityRing hinter sich zu wissen.

Die Zweite Vorsitzende des CityRings, Dr. Simone Spranz, äußerte Verständnis dafür, dass die Stadt auf die Luftqualität achten müsse. Doch wenn beispielsweise Parkplätze weggenommen würden, aber keine Alternative geschaffen werde, sei der Handel natürlich enttäuscht. Hoppe meinte, bestehende Parkhäuser wie das am Busbahnhof oder das City-Parkhaus könnten durchaus noch aufgestockt werden.

Höhere Steuern für große Internethändler

Der Limburger Grünen-Fraktionschef Dr. Sebastian Schaub sagte, dass die aktuelle Diskussion über Parkgebührenerhöhungen nicht aus dem Stadtparlament, sondern aus der Stadtverwaltung heraus in der Diskussion mit dem Gericht und dem Ministerium über ein Dieselfahrverbot gekommen sei. Schaub selbst glaubt aber nicht daran, dass der Erfolg des Limburger Einzelhandels vor allem von möglichst vielen Autos in der Stadt abhängt. Bei modernen Einkaufcenterkonzepten seien die Parkplätze auch nicht direkt an den Geschäften und sie liefen erfolgreich. Stadtrat Patrick Dehm, der Vater von Cornelius Dehm, sagte, dass er sich nicht gerne in Limburg in ein Café setze, wenn er ständig um sich herum Parksuchverkehr habe. Sebastian Schaub sagte, dass es Möglichkeiten gebe, der Internetkonkurrenz Paroli zu bieten. Beispielsweise gebe es in Friedrichsdorf ein Projekt Citylogistik.

Roman Schäfer von Fare Tredici fordert auch neue Lösungen, Internetbestellungen vor Ort schnell an die Kunden zu bringen. Denn es sei alles andere als nachhaltig, wenn Leute aus Limburg und Umgebung im Internet-Shop bestellten und Pakete von hier ins Verteilzentrum in Koblenz gefahren würden und dann am nächsten Tag nach Limburg zurück. Hoppe sagte, es wäre schon viel gewonnen, wenn die Politik Druck ausüben würde, dass große Internethändler wie Amazon und Zalando höher besteuert würden. Denn sonst hätten die einen Wettbewerbsvorteil und könnten weiter kostenloses Versenden anbieten.

Fare-Tredici-Inhaberin Nasrim Schäfer sagte mit Blick auf die Limburger Außengastronomie, dass es schade sei, wenn die Leute draußen sitzen würden und um 22 Uhr nach Hause geschickt werden müssten. Patrick Dehm sagte, selbst in Bayern sei Außenbewirtschaftung bis 23 Uhr möglich. Horst O. Hoppe weiß, dass es in Limburg nur funktionieren kann, wenn Handel und Gastronomie an einem Strang ziehen würden. Er würde es gut finden, dass Öffnungszeiten und -bedingungen bundesweit einheitlich geregelt würden. Denn Limburg stehe in direkter Konkurrenz zu Rheinland-Pfalz, Diez und dem FOC in Montabaur. Schaub regte an, dass die Limburger Einzelhändler mehr regionale Produkte anbieten könnten, um für die Kundschaft interessanter zu werden. Spranz meinte, die Limburger Geschäftsleute müssten ihre Vorteile zum Internethandel besser ausspielen. Hier könnten die Kunden Produkte anschauen und anfassen. Dazu müssten noch ein ansprechendes Ladenlokal und ein guter Service kommen. Für zentrale Internetvermarktung der örtlichen Händler brauche es Fördermittel. Lührmann meinte, im Idealfall kämen die Kunden mit E-Autos aus dem Umland. Und dann bräuchten sie am Stadtrand erreichbare Parkplätze, von denen sie zeitnah zu ihren Zielen weiterkommen könnten.

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