Das Team der Jugendfreizeitstätte der evangelischen Kirche am Bahnhof mit einigen Jugendlichen: (von links oben nach rechts unten): Lennart Breidenstein, Florian Laux, Nicole Hommrich, Luisa Rörig, Lisa Helfert, Kim Pinschmidt, Bernd Lücker und Lars Lücker.
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Das Team der Jugendfreizeitstätte der evangelischen Kirche am Bahnhof mit einigen Jugendlichen: (von links oben nach rechts unten): Lennart Breidenstein, Florian Laux, Nicole Hommrich, Luisa Rörig, Lisa Helfert, Kim Pinschmidt, Bernd Lücker und Lars Lücker.

Anlaufstelle für Jugendliche

Limburg: Sehnsucht nach Normalität

  • Stefan Dickmann
    VonStefan Dickmann
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Die Pandemie erschwert auch die Arbeit in der Jugendfreizeitstätte

Limburg -"Wenn es sie noch nicht gäbe, müsste man sie erfinden": Das sagt der Erste Stadtrat Michael Stanke (CDU) über die Jugendfreizeitstätte der evangelischen Kirche am Bahnhof. Im Erdgeschoss befindet sich die zentrale Anlaufstelle für Jugendliche im Alter von 14 Jahren bis hin zum jungen Erwachsenenalter mitten in der Limburger Innenstadt. Es ist ein Treffpunkt für Jugendliche, die konfirmiert worden sind und sich weiter engagieren wollen, aber auch für Jugendliche, die eine Anlaufstelle für einen Teil ihrer Freizeitgestaltung suchen.

Die Jugendfreizeitstätte wird finanziert durch die evangelische Kirche selbst, aber auch durch die Stadt Limburg. Die Stadtverordneten haben kürzlich den jährlichen Zuschuss um 12 000 Euro auf 45 000 Euro erhöht, nachdem die evangelische Kirchengemeinde in Limburg dies beantragt hatte. Finanzielle Unterstützung gibt es auch vom Landkreis Limburg-Weilburg, der die Jugendfreizeitstätte schon "seit Jahrzehnten" fördere, teilt Sprecher Jan Kieserg mit. Dieser Zuschuss betrage derzeit 24 500 Euro pro Jahr. "Auch in den kommenden Jahren ist eine Förderung vorgesehen, deren Höhe aber noch nicht feststeht, da der kommende Doppelhaushalt 2022/23 erst noch im Kreistag eingebracht und beschlossen werden muss", erklärt Kieserg.

Bundesfreiwilliger könnte kommen

Über das zusätzliche Geld freuen sich der Leiter der Einrichtung, Lars Lücker, und Nicole Hommrich, die schon mit seinem Vorgänger eng zusammen gearbeitet hat. Sie hoffen, dass es mit dem höheren Zuschuss der Stadt unter anderem möglich sein wird, die Jugendfreizeitstätte personell zu verstärken, und zwar mit Hilfe des Bundesfreiwilligendiensts. Bis zum Jahr 2012 habe es in der Jugendfreizeitstätte eine Zivildienststelle gegeben, die durch den Wegfall der Wehrpflicht seitdem nicht mehr existiert. "Wir arbeiten seitdem aber sehr viel mehr mit den Jugendlichen", sagt Lücker. Ein Bundesfreiwilliger könne sich in Projekte einbringen und auch dabei helfen, "dass wir freitagabends häufiger bis 0 Uhr öffnen können", sagt Lücker. Zwar solle dies bereits mit Beginn des neuen Jahres einmal im Monat umgesetzt werden, aber mit Hilfe eines Freiwilligen, der ein Jahr dabei ist, sei dies häufiger möglich. An den langen Freitagabenden seien Konzerte geplant, es werde Getränke und Snacks geben. "Für Jugendliche fehlen in Limburg Abendangebote", sagt Lücker, der als Jugendlicher selbst das Angebot der Jugendfreizeitstätte nutzte.

Vor allem hoffen Lücker und Hommrich zusammen mit dem Vorsitzenden des im August 2020 gegründeten Fördervereins der Jugendfreizeitstätte, Bernd Lücker, dass im Laufe dieses Jahres wieder ein halbwegs normaler Ablauf möglich sein wird - die Pandemie hat auch die Arbeit mit den Jugendlichen stark eingeschränkt, weil einiges gar nicht und anderes nicht so möglich war wie erhofft. Hommrich nennt zum Beispiel einen Preismaskenball, der nur per Zoom im Internet stattfinden konnte. Statt mit möglichst vielen Jugendlichen gemeinsam Weihnachten zu feiern - einer der Höhepunkte im Jahreskalender - wurden 110 Adressen von Jugendlichen, Ehemaligen und Eltern abgefahren, und jeder bekam einzeln ein kleines Geschenk überreicht.

Im Sommer besuchten Lücker und Hommrich auf Wunsch Jugendliche zu Hause und trafen sich im Garten. "Dabei ist die Idee entstanden, in den Osterferien eine viertägige Jugendfreizeit auf einem Bauernhof im Schwarzwald in der Nähe von Freiburg anzubieten", sagt Hommrich. "Wir wünschen uns einen Ablauf wie er in der Vergangenheit vor der Pandemie üblich war, das alles wieder endlich in geregelten Bahnen verläuft."

Teilnahme am Flohmarkt wichtig

Auch für Lücker hat ein "normaler" Ablauf Priorität in diesem Jahr. Denn Pläne gibt es genug: In den Osterferien soll neben der "Auszeit auf dem Bauernhof" ein Programm mit kreativen Aktivitäten angeboten werden. Der Jugendkirchentag findet im Mai in der Nähe von Mainz statt, in dem Sommerferien ist eine Freizeit in Kroatien geplant; dazu kommen drei Freizeiten für Konfirmanden. Neben dem Gemeindefest ist zudem ein Theaterstück vorgesehen. Und natürlich hoffen die Verantwortlichen darauf, dass der zwei Mal hintereinander wegen der Pandemie ausgefallene Flohmarkt am ersten Sonntag im September in diesem Jahr wieder stattfinden kann. Die Jugendfreizeitstätte verkauft dann gespendete Sachen und ist froh über diese zusätzlichen Einnahmen. Aber auch für die Jugendlichen ist der Flohmarkt ein wichtiges Ereignis. Schon Wochen vorher fahren sie auf Wunsch Adressen ab und holen gespendete Sachen ab, die in der Jugendfreizeitstätte sortiert werden. Das gleicht dann zunehmend einem Warenlager.

Auch der Förderverein hat sich in diesem Jahr viel vorgenommen. "Wir wurden durch die Pandemie in vielem ausgebremst", sagt Bernd Lücker, der Vater von Lars. "Wir unterstützen die Jugendfreizeitstätte, wenn das Geld knapp wird oder wenn sich ein Jugendlicher zum Beispiel eine Freizeit nicht leisten kann." Aktuell hat der Förderverein rund 50 Mitglieder; weitere Mitglieder sind jederzeit willkommen.

Spricht man mit einigen der Jugendlichen, die regelmäßig einen Teil ihrer Freizeit hier verbringen, wird deutlich, warum sie hier sind und was sie glücklich macht - es sind es vor allem die gemeinsamen Erlebnisse. "Wir sind wie eine kleine Familie", sagt eine junge Frau, die im Herbst in Gießen ein Studium begonnen hat und deren Weg weiterhin regelmäßig in die Jugendfreizeitstätte führt. Die Kirchentage mit den Konfirmanden sind für sie ebenso ein Höhepunkt wie die Organisation des Flohmarkts, weil dann auch oft Ehemalige auftauchen, mithelfen und nach getaner Arbeit zusammensitzen.

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