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Heidrun und Norbert Leischner sind froh, dass sie im Alter nach Limburg umgezogen sind.

Pflege

Warum Senioren lieber in der Stadt leben

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Jede Menge Pflegeheime und Tagespflegeeinrichtungen, aber zu wenig Kurzzeitpflegeplätze. Zwar gibt es im Landkreis 43 ambulante Pflegedienste, aber in einigen Gemeinden ist es schon schwer, den passenden Dienst zu finden. Und wie sieht es aus mit den Pflegekräften? In einer Serie widmen wir uns dem Thema Pflege in allen Facetten. Heute stellen wir ein Paar vor, das sich für das betreute Wohnen entscheiden hat.

Mitten in der Stadt, alles fußläufig zu erreichen, Ärzte und Geschäfte in der Nähe, nette Nachbarn und dann noch diese traumhafte Dachterrasse. Heidrun und Norbert Leischner haben den Umzug nach Limburg nie bereut. Aber sie hätten ihn früher machen sollen, sagen sie. Und sie hätten das Kleingedruckte besser lesen sollen.

Vor sechs Jahren hat das Ehepaar sein Haus in Hangenmeilingen verkauft, damals war Heidrun Leischner 69, Norbert Leischner 76 Jahre alt. Zu der Zeit waren den beiden das große Haus und der Garten in Hangenmeiligen längst zu viel geworden. In ein Altenheim wollten sie nicht, und sie wollten in die Stadt. Ein Makler hat ihnen das Generationenzentrum St. Georg gezeigt, mitten in Limburg, direkt an der WERKStadt. Und Norbert Leischner verliebte sich in die Wohnung mit der Dachterrasse, rund 100 Quadratmeter, hell. Die sollte es sein. Dann sei alles schnell gegangen.

„Altes Leben hinter uns“

Das Ehepaar hat sein Anwesen verkauft, „notfalls hätten wir es auch verschenkt“ und sich im betreuten Wohnen eingemietet. Innerhalb von sechs Wochen war alles geregelt, sogar das neue Mobiliar gekauft. „Wir haben unser altes Leben hinter uns gelassen.“ Und sie sind froh darüber. „Es ist für alte Leute besser, im Betrieb zu wohnen als im Grünen“, sagt Norbert Leischner und lacht. Am Anfang sei er noch jeden Tag zum Dom gelaufen, inzwischen geht das nicht mehr. Die Beine wollen nicht mehr, das Herz macht auch nicht immer, was es soll, und eine Lungenerkrankung hat er auch bekommen. Die Diezer Straße habe ihn und seine Frau krank gemacht, sagt Leischner. Die Lage ihrer Wohnung sei zwar prima, aber eben auch von allen Seiten von Abgasen umgeben. Inzwischen haben die Ärzte bei ihm und seiner Frau COPD diagnostiziert. Aber das sei kein Grund, wieder wegzuziehen, sagt Norbert Leischner. Nur darüber, dass das betreute Wohnen anders gemeint war, als sie es sich erhofft hatten, darüber ärgern sie sich.

Die Leischners hatten gehofft, dass sie mit dem Umzug ins betreute Wohnen ein Rundum-Sorglos-Paket gebucht hätten, oder zumindest kleine Hilfen im Alltag. „Aber es ist noch nicht einmal im Notfall jemand in der Nähe, der zur Hilfe kommt“, sagt Norbert Leischner. Das habe er am eigenen Leib erfahren. Die Betreuung beschränke sich auf ein Animationsprogramm, an dem sie beide sowieso nicht teilnähmen, das sie aber mitbezahlen müssten – immerhin 80 Euro pro Monat. „Wir haben uns das betreute Wohnen anders vorgestellt.“

Putzhilfe kostet extra

Immerhin könne man im Heim, das zum Generationenhaus gehört, Mittagessen bestellen. „Und das ist wunderbares Essen“, sagt Heidrun Leischner und lacht. In der letzten Zeit steht das Heim-Essen regelmäßig bei Leischners auf dem Tisch, „so lange, bis ich wieder kochen kann“. Seit einem Unfall sei sie gehandicapt, sagt Heidrun Leischner. Die Putzhilfe müssen sie und ihr Mann extra bezahlen, genau wie die Einkaufshilfe. Bei allem anderen hilft der Pflegedienst.

Und mit dem Pflegedienst hätten sie wirklich großes Glück, sagt Heidrun Leischner. Sie kann das beurteilen. Sie hat früher als Krankenschwester gearbeitet und Haus- und Familienpflegerinnen für das DRK ausgebildet. Nach der Mütterpause war sie bis zu ihrer Rente in der Schwerbehindertenarbeit tätig. Die Mitarbeiterinnen seien rücksichtsvoll, ermutigend und kümmerten sich um den ganzen Menschen. „Die nehmen sich sogar die Zeit, meinem Mann mal die Brille zu putzen“, sagt Heidrun Leischner. Sie seien froh, dass sie nicht einfach den Dienst genommen hätten, der dem Haus angegliedert ist.

Die Zeit, in der man nicht mehr gefragt wird, was man will, komme noch früh genug, sagt Norbert Leuschner. Wenn er eines Tages ins Pflegeheim müsse, dann sei das eben so. Aber eigentlich wolle er lieber sterben, „als bei klarem Verstand im eigenen Körper gefangen zu sein“. Natürlich haben die beiden darüber nachgedacht, was mit dem einen sein wird, wenn der andere stirbt. Norbert Leuschner wünscht sich, dass seine Frau dann in eine Seniorenresidenz umzieht, vielleicht nach Kronberg. „Dort hat man gute Gesellschaft und gute Unterhaltung.“ Leisten könnte sie sich das allemal, schließlich hat sie ihre eigene Rente und er hat als Psychologe nicht schlecht verdient. Er habe schon ausgerechnet, wie viel Rente seiner Frau bleibe, wenn er mal nicht mehr ist.

Aber Heidrun Leischner hat ihre eigene Vorstellung. Sie brauche keinen Luxus, sagt sie. Sie würde gerne in Limburg bleiben, im Generationenzentrum St. Georg. „Hier gibt es auch kleinere Wohnungen.“

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