Mariana Wüst und Sascha Hippler von der Limburger Polizei klärten auf dem Neumarkt über den Schutz gegen Einbrecher auf.
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Mariana Wüst und Sascha Hippler von der Limburger Polizei klärten auf dem Neumarkt über den Schutz gegen Einbrecher auf.

Die Polizei setzt auf Prävention

Limburg: So machen Sie es Einbrechern schwerer

  • Stefan Dickmann
    VonStefan Dickmann
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Polizei informiert Bürger auf dem Neumarkt über geeignete Schutzmaßnahmen

Limburg -115 Einbrüche in Wohnungen registrierte die Polizei im Landkreis Limburg-Weilburg im vergangenen Jahr, der langjährige Durchschnitt liegt bei 200 - eine Folge der Corona-Pandemie, weil durch Homeoffice und Homeschooling die Menschen viel häufiger zu Hause sind. Aber es bedeutete für die Betroffenen 115 Mal einen großen Schock. Weil Wertsachen gestohlen wurden und vor allem ein Fremder in der Wohnung war. Damit dies möglichst selten passiert, setzt die Polizei seit vielen Jahren auf Prävention.

Seit acht Jahren ist bei der Polizei in Limburg Hauptkommissarin Mariana Wüst die Ansprechpartnerin beim Schutz gegen Einbrecher. Zusammen mit ihrem Kollegen Sascha Hippler stand sie gestern rund vier Stunden auf dem Neumarkt, sprach mit Bürgern darüber, wie sie ihr Eigenheim besser schützen können, verteilte Infomaterial über sicheres Wohnen und zeigte an mitgebrachten Fenstern, wie diese besser zu sichern sind. Rund 100 Bürger nahmen dieses Angebot in Anspruch. "Ohne Corona wären es sicherlich mehr gewesen", sagte Wüst hinterher, "aber ich hatte mit weniger gerechnet".

"Schließen Sie Ihre Tür immer ab"

In einer dieser Broschüren steht, dass schon einfache Maßnahmen "das Einbruchsrisiko erheblich reduzieren können". Einige dieser Hinweise wirken auf den ersten Blick verblüffend einfach: "Schließen Sie Ihre Tür immer ab", "Denken Sie daran: Gekippte Fenster sind offene Fenster" oder "Verstecken Sie Ihren Schlüssel niemals draußen". Aber die Sorglosigkeit - Ersatzschlüssel unter dem Blumentopf oder das Fenster gekippt lassen, weil man doch in einer halben Stunde schon wieder zu Hause ist - scheint sehr viel weiter verbreitet zu sein als gedacht.

"Der erste Schritt zu mehr Einbruchschutz ist tatsächlich das Verhalten jedes Einzelnen", sagt die Polizistin. "Also beim Verlassen der Wohnung darauf achten, dass alle Fenster geschlossen sind und die Wohnungstür abgeschlossen. Das ist das Allerwichtigste."

Im Herbst und Winter sei es zudem ratsam, das Licht in manchen Räumen anzulassen, um entweder bei einer beruflichen Abwesenheit tagsüber oder auch abends, wenn man ins Restaurant oder ins Kino geht, den Eindruck zu erwecken, dass jemand zu Hause ist. Optional lasse sich dies auch mit einer Zeitschaltuhr regeln, die dafür sorgt, dass das Licht zu bestimmten Zeiten an- und wieder ausgeht.

"Der zweite Schritt zu mehr Einbruchschutz ist die zusätzliche Sicherung an Fenstern und Türen", sagt Wüst. Viele Bürger würden sich in Beratungsgesprächen ganz oft für die Sicherung ihrer Haustür interessieren. Das sei in Mehrfamilienhäusern an den jeweiligen Wohnungstüren auch sinnvoll, weil man nur schwer kontrollieren könne, wer durch die Haustür das Haus betritt, aber für Einfamilienhäuser gelte das nur bedingt, weil die Einbrecher meist unbeobachtet über die Terrassentür oder auch durch ein verstecktes Seitenfenster in ein Haus eindringen.

KfW fördert privaten Einbruchschutz

Wer über solche Maßnahmen nachdenkt, kann sich direkt an Mariana Wüst wenden. "Ich mache mit den interessierten Bürgern einen Termin aus, schaue mir das Haus an und mache eine Schwachstellenanalyse; das dauert rund eine Stunde." Anschließend gebe es einen Bericht an die mit Ratschlägen, was die Eigenheimbesitzer ändern können, sowie einer Liste mit Firmen, die spezialisiert sind, eine Fensterzusatzsicherung anzubringen, und nach DIN-Norm arbeiten.

Und was kostet das? Pro Fenster sei mit den Sicherungen inklusive der Arbeitskosten mit 300 Euro zu rechnen, erklärt Wüst. Da sich die Schutzmaßnahmen in der Regel auf den Keller und das Erdgeschoss konzentrierten, komme im Durchschnitt eine Summe von rund 2000 Euro zustande. Das werde jedoch von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) bezuschusst: 20 Prozent für die ersten 1000 Euro Investition in den Einbruchschutz sowie zehn Prozent auf die zweiten und folgenden 1000 Euro bis maximal 5000 Euro. Wer also 3000 Euro investiert, erhält einen Zuschuss in Höhe von 400 Euro.

"Der dritte Schritt für mehr Sicherheit ist dann das Anbringen einer Alarmanlage", erklärt Wüst. Doch solche Anfragen von Privatpersonen seien eher selten. "Das ist eher was für Firmen."

Natürlich gebe es keinen 100-prozentigen Schutz gegen Einbruch, betont die Polizeihauptkommissarin. Aber das Ziel sei es, durch Achtsamkeit und Sicherungen, den Aufwand für den Einbrecher deutlich zu erhöhen und ihn im Idealfall zum Aufgeben zu zwingen, denn der wolle möglichst schnell in ein Haus. Immerhin komme auf zwei Einbrüche ein gescheiterter Versuch.

Dass die Zahl der Einbrüche im Landkreis deutlich rückläufig ist, merkt Mariana Wüst auch daran, dass die Bürger nicht mehr so häufig bei ihr anrufen. Wenn in einer Wohnstraße irgendwo eingebrochen worden sei, meldeten sich in der Regel die besorgten Nachbarn bei ihr, um Tipps für mehr Sicherheit zu bekommen.

Und wer zu Hause ist und einen Einbrecher hört, sollte sich zwar bemerkbar machen durch Licht und Rufe, aber keinesfalls die Konfrontation mit dem Einbrecher suchen. Der ergreife in der Regel sofort die Flucht.

Welch dramatische Folgen ein Einbruch hat, abgesehen vom materiellen Verlust, erlebt Mariana Wüst in ihrer Arbeit immer wieder, wenn auch selten. So habe zum Beispiel eine junge Frau, in deren Limburger Wohnung eingebrochen worden war, dadurch ein Trauma erlitten und sei zu ihren Eltern gezogen. Erst mit Hilfe der Opferhilfe kehrte sie nach Monaten in ihre Wohnung zurück.

Und in der Nähe von Hadamar habe eine Familie nach einem Einbruch alle von der Polizei vorgeschlagenen Sicherungsmaßnahmen inklusive Alarmanlage umgesetzt. Aber weil die Frau sich auch anschließend unsicher fühlte, gab die Familie das Haus auf, verkaufte es und baute ein neues Eigenheim.

Beratung bei der Polizei

Wer sein Haus oder seine Wohnung besser gegen Einbrecher schützen will, kann sich bei Hauptkommissarin Mariana Wüst beraten lassen. Sie ist telefonisch erreichbar unter (0 64 31) 91 40 241

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