So sieht derzeit die Planung für das "Gemini Plaza" des Limburger Investors Müller & Müller aus.
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So sieht derzeit die Planung für das „Gemini Plaza“ des Limburger Investors Müller & Müller aus.

Umstrittenes Neubauprojekt

Großprojekt in Limburg sorgt für Unmut: Sorgen um die Zukunft der Innenstadt

  • Rolf Goeckel
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Das Projekt „Gemini Plaza“ sorgt für Unmut in Limburg. Steht die Zukunft der Innenstadt auf dem Spiel? Der City Ring ist besorgt.

  • Ärger in Limburg
  • Wegen eines Großprojekts sorgen sich einige um die Zukunft der Innenstadt
  • Grund dafür ist das umstrittene Neubauprojekt Gemini Plaza

Limburg – Die Werbegemeinschaft „City Ring Limburg“ hat den Magistrat der Stadt Limburg darum gebeten, in dem geplanten Bauvorhaben „Gemini Plaza“ keine weiteren Einzelhandelsflächen zuzulassen. An deren Stelle könnten Büro- und Dienstleistungsangebote treten. Dabei geht es um eine Fläche von 2400 Quadratmetern.

Die Limburger Müller & Müller-Gruppe will an der B8 zwischen Brückenvorstadt und Staffel ein Geschäftszentrum mit Wohnungen, Büros, Handel und Gewerbe in zwei mehrgeschossigen Gebäuden errichten. In einem der Objekte könnte das Finanzamt Limburg-Weilburg als neuer Mieter einziehen. Ein Teil der Nutzfläche in beiden Gebäuden ist für Einzelhandel vorgesehen. Zur Diskussion stehen Lebensmittelmärkte, ein Non-Food-Discountmarkt, ein Bekleidungsmarkt, ein Schuhfachmarkt und ein Biosupermarkt.

Limburg: Zwei Geschäfte hält der „City Ring Limburg“ für besonders problematisch

Für besonders problematisch hält City Ring-Vorsitzender Horst O. Hoppe die mögliche Ansiedelung eines Bekleidungsfachmarktes und eines Schuhfachmarktes. Denn beide Sortimente würden auch in der Limburger Innenstadt angeboten, sodass zusätzliche Konkurrenz entstehen würde. Dies werde auch von den Gutachtern des "Gemini Plaza" so gesehen, wobei nach Einschätzung des City Ring die von diesen beschriebenen Kaufkraftabflüsse aus der Innenstadt deutlich zu tief angesetzt und in Wahrheit gravierender seien.

„Die Innenstadt von Limburg zeigt schon heute in Teilbereichen eine deutliche Erosion des Besatzes mit Einzelhandelsflächen. Die Anzahl an Leerständen machen diese Abschnitte zunehmend unansehnlich und sind dem gesamten Stadtbild abträglich. Ein weiterer Abfluss von Kaufkraft würde diesen Prozess weiter beschleunigen“, heißt es in der Stellungnahme des City Rings. Insbesondere im Bekleidungseinzelhandel als Leitbranche stünden schon jetzt Angebot und Nachfrage in einem Missverhältnis zueinander.

Aber auch die Ansiedelung eines Lebensmittelmarktes im Gemini Plaza hält der City Ring für "bedenklich", weil derzeit in Staffel ein neuer Lebensmittelmarkt entsteht. "Ein Kannibalisierungseffekt zwischen beiden Märkten wäre somit absehbar", meint der City Ring.

Auch IHK Limburg sorgt sich um Zukunft der Innenstadt

Die IHK Limburg sorgt sich ebenfalls um die Zukunft der Limburger Innenstadt und erinnert den Magistrat an das städtische Einzelhandelskonzept von 2010, wie der Geschäftsbereichsleiter Standortpolitik Alfred Jung auf Anfrage dieser Zeitung erklärte. Laut dem Konzept soll innenstadtrelevanter Einzelhandel außerhalb der Innenstadt nicht mehr zugelassen werden. Insofern sei das Vorhaben „Gemini Plaza“ für die IHK „überraschend“, denn der Standort an der B 8 gehöre sicherlich nicht zur Limburger Innenstadt. Jung sagte deutlich: „Die Stadt Limburg sollte ihre Innenstadt konsequent schützen, indem sie keine weitere Konkurrenz außerhalb zulässt. Wir sehen die Innenstadt als gefährdet.“ Der IHK-Vertreter nannte zum Beispiel die geplante Verlagerung des Finanzamtes, das drohende Dieselfahrverbot, aber auch eine weitere Kaufkraftverlagerung ins Internet infolge der Corona-Pandemie.

Der Bürgermeister der Stadt Limburg, Dr. Marius Hahn (SPD), erklärte, dass bereits "Bewegung in die Planungen gekommen" sei. "Es kann nicht Ziel der Stadt sein, dass dem Standort Innenstadt zu starke Konkurrenz gemacht wird. Auch wir sehen durchaus mit Sorge, dass das Angebot in der Innenstadt zurückgeht und dieser Prozess durch die Corona-Pandemie noch verstärkt wird." Es sei nicht sinnvoll, die Situation weiter zu verschärfen. "Wir hoffen, dass das sehr attraktive Vorhaben ,Gemini Plaza' weiter geplant und auch verwirklicht wird, aber dabei die Belange der Innenstadt stärker in den Blick nimmt."

Limburg: Entwurf soll bald in die Offenlage gehen

Laut Geschäftsführer Christoph Müller von der Müller & Müller-Gruppe ist die frühzeitige Beteiligung der Träger öffentlicher Belange inzwischen abgeschlossen, sodass der Entwurf des Bebauungsplans demnächst in die Offenlage gehen kann. Mit dem ersten Spatenstich rechne er Ende des ersten Halbjahres 2021. Die Bedenken von City Ring und IHK würden ernst genommen. „Wir wollen das Projekt sicher nicht konfrontativ durchsetzen“, sagte Müller. „Auch uns liegt die Innenstadt von Limburg am Herzen.“

Sinn des Verfahrens sei es, zwischen den Interessen aller Beteiligten abzuwägen, um eine für möglichst alle gute Lösung zu finden. Müller gab zu bedenken, dass der Anteil des Einzelhandels weniger als zehn Prozent der Bruttogeschossfläche von 30.000 Quadratmetern ausmacht. Hier werde eine derzeit unattraktive städtische Brache mit modernen Gebäuden überbaut, die eine unterschiedliche Nutzung ermöglichen, sagte Müller. (Von Ralf Goeckel)

Um Leerstände in der Innenstadt von Limburg zu reduzieren, gibt es nach Auffassung des Bürgermeisters mehrere geeignete Lösungen - unter anderem durch eine gezielte Ansprache der Eigentümer und einen Leerstandsmanager.

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