Das Anruf-Sammel-Taxi gibt es schon und wird auch beworben. Doch das System soll im nächsten Jahr verbessert werden.
+
Das Anruf-Sammel-Taxi gibt es schon und wird auch beworben. Doch das System soll im nächsten Jahr verbessert werden.

Bestellen und losfahren

Limburg: Stadt baut Angebot des Anruf-Sammel-Taxis aus

  • Stefan Dickmann
    vonStefan Dickmann
    schließen

Ab Juni 2021 wird sich einiges ändern - Aber es gibt auch noch offene Fragen

Limburg -Das Anruf-Sammel-Taxi (AST) in Limburg soll im nächsten Jahr weiter entwickelt werden mit einem besseren Angebot, es kriegt wahrscheinlich einen neuen Namen und auf jeden Fall eigene, von der Stadt gekaufte Kleinbusse, die elektrisch betrieben werden. Vermutlich von Juni 2021 an, wird dann zwar nicht alles anders, aber vieles neu. Das Zauberwort lautet "Mobilität auf Bestellung". Profitieren sollen besonders die Einwohner der Stadtteile.

Limburg nimmt dabei (mit anderen Kommunen) an einem Pilotprojekt mit einer Laufzeit von fünf Jahren teil - in einem Verbund mit dem Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV). Gemeinsames Ziel ist es, den Anteil von Auto, Motorrad oder Roller auf den Straßen zu reduzieren und den ÖPNV attraktiver zu machen.

Das soll auch in Limburg für weniger Lärm und für weniger Schadstoffe in der Luft sorgen. Die Zahl der monatlichen Fahrten in Limburg mit dem AST von derzeit rund 3000 soll mit der Weiterentwicklung auf zunächst 4000 bis 5000 Fahrten pro Monat erhöht werden - mit weiterer Tendenz nach oben.

Am Konzept mit allen Detailfragen für Limburg wird zwar noch gearbeitet (ein Fachbüro ist beauftragt), aber die wichtigsten Eckpunkte stehen bereits fest:

Wie funktioniert "Mobilität auf Bestellung"?Jeder kann damit per Telefon oder per App auf dem Smartphone ein Fahrzeug innerhalb von Limburg bestellen mit dem gewünschten Ziel innerhalb Limburgs (immer vorausgesetzt, dass es keine direkte Busverbindung gibt). Ein- und Ausstieg ist jeweils an festgelegten Bushaltestellen. Einen Fahrplan oder feste Linien gibt es nicht, eine Vorbestellzeit auch nicht. Also im Grunde das "Taxi"-Prinzip: bestellen und warten. Die Wartezeit soll wenige Minuten betragen.

Gibt es neue Fahrzeuge?Ja. Die Stadt plant die Anschaffung von bis zu acht neuen Fahrzeugen mit elektronischem Antrieb für die "Mobilität auf Bestellung". Dabei handelt es sich um Kleinbusse, in denen neben dem Fahrer acht Fahrgäste Platz finden. Die Kleinbusse sollen auch farblich klar erkennbar sein. Es werden also keine Taxis mehr sein, so wie derzeit beim AST. Wie viele neue Kleinbusse es genau werden, hängt von der Analyse des Fachbüros ab.

Kein Kleingeld

für den Bus

Wie funktioniert die Bezahlung?Das ist noch nicht endgültig festgelegt. Bezahlt werden könnte mit der (vorher erworbenen) Busfahrkarte, also der Wochen- oder Monatskarte des RMV plus einem Zuschlag. Aber auch in diesem Fall gäbe es keine Barzahlung im Kleinbus. Wer das Angebot nutzt, hat sich vorher einmalig registriert (mit Bankdaten) und zahlt digital. Denkbar wäre auch neben einem festen Preis eine Grundgebühr plus eine Summe pro gefahrenem Kilometer. Aber: Die Tarife sollen auf jeden Fall günstiger sein als eine Taxifahrt auf gleicher Strecke.

Wann soll das neue Angebot kommen?An den Start gehen soll "Mobilität auf Bestellung" (vermutlich mit neuem Namen) in Limburg im nächsten Jahr. Es wird das AST ablösen, für das laut Stadt die Verträge Ende Mai 2021 auslaufen. Das spricht für einen Start im Juni.

Wer betreibt das neue Angebot?Die Stadt wird, wie schon beim Anruf-Sammel-Taxi, den Auftrag vergeben. Das können Taxi-, aber auch Busunternehmen sein. Sie stellen die Fahrer, die dann in den von der Stadt gekauften E-Bussen unterwegs sind.

Was soll sich verbessern?Die neuen Kleinbusse werden nicht nur am späten Abend eingesetzt (wenn viele reguläre Busse gar nicht mehr fahren), sondern auch tagsüber. Bedient werden tagsüber aber nur die Strecken mit keiner direkten Busverbindung.

Sicher ist bereits, dass es tagsüber entweder eine Verbindung "auf Bestellung" von den Limburger Stadtteilen zum ICE-Bahnhof geben wird - oder eine direkte Verbindung "auf Bestellung" zwischen den einzelnen Stadtteilen, weil dies keine Konkurrenz zum bestehenden Busangebot ist.

Denn wer zum Beispiel mit dem Bus von Ahlbach nach Lindenholzhausen fahren will, muss derzeit erst mit dem Bus in die Innenstadt fahren und dann dort in den Bus nach Lindenholzhausen umsteigen. Das würde bei "Mobilität auf Bestellung" nicht mehr nötig sein: Es gäbe dann eine Direktverbindung mit dem Kleinbus ohne Umsteigen.

Möglicherweise wird auch beides kommen - aber auch das hängt letztlich von der Bedarfsanalyse des Fachbüros ab.

Wie profitieren die Kernstädter vom neuen Angebot?Wer in der Innenstadt wohnt, hat schon jetzt (gegenüber den Bewohnern der Stadtteile) den Vorteil, von der Innenstadt mit dem Bus direkt in alle Stadtteile und zum ICE-Bahnhof zu kommen. Das neue Angebot tagsüber können die Kernstädter also in der Innenstadt selbst nicht nutzen, wohl aber abends, wenn die regulären Busse nicht mehr fahren.

Auch für

Pendler

Ist das neue Angebot auch für Pendler gedacht?Ja, künftig sollen auch Pendler angesprochen werden, die in den Gewerbegebieten in Limburg arbeiten, sofern es dorthin keine direkte Busverbindung gibt.

Wie fährt der Fahrer?Eine spezielle Software entwickelt nach Angaben der Stadt jede Route individuell. "Fahrgäste mit dem gleichen oder einem ähnlichen Weg teilen sich dabei das Fahrzeug", teilt die Stadt mit. Das heißt, wenn der Kleinbus schon unterwegs ist und sich jemand meldet, dessen Bushaltestelle ungefähr auf dem Weg liegt, wird er natürlich mitgenommen.

Profitieren davon nur die Bürger in Limburg?Ja und nein. Das neue Angebot gibt es zwar nur im Limburger Stadtgebiet, könnte aber von jedem innerhalb Limburgs genutzt werden - also mit der Option, in Limburg auf die neuen Kleinbusse umzusteigen, um ein Ziel ohne direkte Busverbindung innerhalb Limburgs zu erreichen (was aber eine vorherige Registrierung für das neue Angebot voraussetzt).

Was kostet die Stadt das neue Angebot?Rund 1,74 Millionen Euro, davon kommen allerdings 915 000 Euro als Fördergeld vom Bund aus dem Programm "Saubere Luft". Neben Limburg beteiligen sich die Städte Hanau, Frankfurt, Kelsterbach, Hofheim, Taunusstein, Groß-Gerau und Wiesbaden sowie der Landkreis Darmstadt-Dieburg, der Landkreis Offenbach am Pilotprojekt.

STEFAN DICKMANN

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare