Immer mehr Rehe fühlen sich auf dem Limburger Hauptfriedhof wohl. Dort finden sie einen reich gedeckten Tisch.
+
Immer mehr Rehe fühlen sich auf dem Limburger Hauptfriedhof wohl. Dort finden sie einen reich gedeckten Tisch.

Ungebetene Gäste

Limburg: Tierischer Ärger auf dem Hauptfriedhof

Rehe und Hasen fressen frische Blumen ab - Gärtner empfehlen weniger schmackhafte Kost

Limburg -Auf dem Limburger Hauptfriedhof mehren sich Beschwerden von Besuchern, dass frischer Blumenschmuck auf den Gräbern von Tieren herausgerissen und abgefressen wird. Angehörige finden ihre liebevoll gestalteten Grabstätten zertreten vor, Reste der Topfblumen liegen kreuz und quer, Rosenstängel haben keine Blüten mehr. Besonders in den frühen Morgenstunden und in der Dämmerung suchen Rehe nach Spezialitäten, hoppeln gruppenweise Hasen beziehungsweise Kaninchen durch die Grabreihen und es werden jedes Jahr mehr; denn der Tisch für Wildtiere ist dort reich gedeckt.

Auf dem Speiseplan der Rehe stehen Rosenblüten mit an erster Stelle. Einmal auf den Geschmack gekommen, kehren die Rehe regelmäßig zu den Rosen zurück. Aber auch Tulpen, Stiefmütterchen und Zauberschnee sowie Knospen stehen auf ihrem Speiseplan. Auch Hasen laben sich an Rosen, an Löwenzahn, Sonnenblumen, Gänseblümchen und Kornblumen.

Gärtner, die im Auftrag von Angehörigen Grabanlagen pflegen und ihnen teils teure Blumen in Rechnung stellen, bekommen nicht selten den Unmut zu hören. Einige von ihnen sind dazu übergegangen, nur noch Blumen zu pflanzen, von denen sie sicher sein können, dass sie verschont bleiben. Das hat zur Folge, dass typische Friedhofsblumen künftig dort nicht mehr zu sehen sind.

Ein sicherer, reich gedeckter Tisch

Doch woran liegt die Population der Tiere ausgerechnet auf dem Limburger Hauptfriedhof? Gärtner berichten, dass die Vermehrung in den vergangenen zwei bis drei Jahren besonders auffällig sei. Sie sehen einen Zusammenhang mit der naturnahen Umgestaltung der Friedhofslandschaft. Neuerdings angelegte Blühwiesen, blumige Inseln mit Wildgehölzen und Saaten locken Tiere geradezu an, die früher auf den Neu-Staffeler Wiesen und auf dem benachbarten Schafsberg ihre Nahrung fanden. Für die Spezialitäten überwinden sie Mauern und Zäune. Auf dem Friedhof genießen sie die Freiheit, nicht bejagt zu werden.

"Ohne Frage ist es ärgerlich für Angehörige, wenn die von ihnen gepflegten und gestalteten Gräber durch Wildtiere geschädigt werden", räumt Stadtsprecher Johannes Laubach ein. Allerdings seien auf dem Hauptfriedhof schon immer Wildtiere vorzufinden. Das liege an seiner Lage am Schafsberg und damit in direkter Waldnähe.

Die bewusst vorangetriebene naturnahe Gestaltung des Friedhofs diene der Biodiversität und der Schaffung von Lebensraum, wobei der Fokus seitens der Stadt ganz klar auf dem Lebensraum für Insekten und Vögel liege. "Damit geht auch die Hoffnung einher, dass sich die Wildtiere wie Rehe oder Hasen dann an die Pflanzen halten, die wir ihnen abseits der Gräber zur Verfügung stellen", so Laubach weiter.

Der Stadt-Sprecher verweist zudem auf eine Entwicklung, die in den zurückliegenden Monaten sehr stark von Menschen geprägt worden sei, die auf dem Schafsberg und in der Umgebung ihre Freizeit verbringen, dort Sport machten und mehr. Die Freizeitnutzung sei während der Corona-Pandemie enorm angestiegen. Dies führe dazu, dass für Wildtiere die Ruhezeiten deutlich abgenommen haben.

Laubach: "Begleitend kommt hinzu, dass sich die Lebensbereiche der Wildtiere dort durch das Fällen der Fichtenbestände (Borkenkäfer) sowie durch die Entnahme anderer Bäume aus Gründen der Verkehrssicherheit deutlich verschlechtert haben. Dadurch verfügen sie in ihrem Lebensumfeld über weniger Deckung." Beides zusammen führe zu einer gestiegenen Aktivität, die vor allem bei Rehen eine steigende Nahrungsaufnahme zur Folge habe, weshalb auch die Flächen des Hauptfriedhofs aufgesucht würden. Rehe seien in der Lage, recht hohe Zäune zu überwinden, Hasen und vor allem Kaninchen fänden immer Schlupflöcher.

Eine gestiegene Population bei Rehen ist nach Einschätzung der Forstbehörde nicht zu verzeichnen. "Durch die Wiederaufforstung wird es sicherlich auch wieder zu Bereichen kommen, die den Wildtieren Schutz bieten. Und es ist auch anzunehmen, dass nach einer Aufhebung der strengen Corona-Beschränkungen der Schafsberg wieder etwas weniger frequentiert wird", so die Prognose aus den zuständigen Ämtern.

Bleibt am Ende der Rat der Gärtner, sich auf Blumen zu beschränken, die von den Tieren gemieden werden. Rehe mögen zum Beispiel keine Dahlien, keine Krokusse, Lilien oder Eisenhut, Hortensien, Bartblumen und Blausternchen, Narzissen, Mohn oder Rittersporn sowie Astern im Herbst. Auch für Mümmelmänner sind diese Blumen tabu, so auch Lavendel, Clematis, Krokusse und Maiglöckchen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare