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Nach dem Mord an der eigenen Mutter ist nun das Urteil gefallen. (Symbolbild)

Prozess

Nach blutiger Messerattacke auf eigene Mutter: Gericht fällt Urteil 

Wegen eines heimtückischen Mordversuchs an der eigenen Mutter hat sich eine 29-Jährige aus Bad Camberg vor dem Limburger Landgericht verantwortet. Nun ist das Urteil gefallen. 

Limburg - Im Landgericht Limburg ist am Mittwoch (18.09.2019) ein Prozess wegen versuchtem Mord und gefährlicher Körperverletzung abgeschlossen worden. Die 29-Jährige Angeklagte aus Bad Camberg, die seit 2011 an Schizophrenie leidet, wurde freigesprochen, weil ihre Schuldunfähigkeit laut Gericht nicht ausgeschlossen werden konnte. Der Vorsitzende Richter Dr. Andreas Janisch ordnete die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus an.

Bereits in ihren Plädoyers sprachen sich auch Staatsanwältin Selina Pawlik als auch Rechtsanwalt Albert Balmert für den Freispruch aus. "Die Angeklagte hatte am Tattag die Absicht, ihre Mutter zu töten", sagte Pawlik zu den Geschehnissen am 4. März dieses Jahres. Die Beschuldigte hatte damals ihre Mutter besucht und zweimal mit dem Messer auf sie eingestochen, wie sie bereits am ersten Prozesstag gestanden hatte.

Limburg: Tochter sticht auf Mutter ein - Unter Druck gesetzt gefühlt

"Die Bad Cambergerin fühlte sich durch das überfürsorgliche Verhalten und durch die ständigen Kontrollen der Geschädigten unter Druck gesetzt. Deshalb kam es zu dem Angriff", sagte die Staatsanwältin. Die Steuerungsfähigkeit während der Tat sei allerdings aufgrund der psychischen Erkrankung aufgehoben gewesen, so dass auch sie die Schuldunfähigkeit nicht ausschließen konnte. Eine jetzige Entlassung aus der psychiatrischen Einrichtung in Haina, in der die 29-Jährige derzeit untergebracht ist, sei aber ein großes Risiko, da man weitere Vergehen nicht ausschließen könne.

Die Angeklagte wünschte sich, so schnell wie möglich in ein geordnetes Leben zurückzukehren. "Ich werde meine Arznei, die die Symptome der Krankheit lindern soll, ab sofort regelmäßig einnehmen, so dass ich zukünftig keine Gefahr mehr für mich und andere darstelle", versprach sie unmittelbar vor dem Urteilsspruch. In den vergangenen Monaten und Jahren hatte die junge Frau ihre Medikamente wiederholt eigenständig abgesetzt, auch vor der dem Messerangriff auf ihre Mutter.

Tochter in Limburg vor Gericht: Medikamente immer wieder abgesetzt 

Die 29-Jährige betonte, dass sie sich in der Klinik in Haina sehr wohl fühle. "Mir ist bewusst geworden, dass ich Hilfe brauche und diese dort bekomme. Ich habe die Arznei in der Vergangenheit immer wieder abgesetzt, weil ich sie schlichtweg nicht gut vertragen habe. Die neuen Mittel vertrage ich besser", sagte sie.

Dr. Andreas Schön von der Vitos Klinik in Haina berichtete, dass die Beschuldigte nach der Tat zunächst jede Behandlung verweigert habe. "Seit Ende April nimmt sie die Medikamente nun freiwillig, so dass ein erster Schritt in die richtige Richtung getan wurde", sagte er. Zukünftig werde die Medikamenteneinnahme regelmäßig kontrolliert. Außerdem empfahl Schön, dass zwischen Mutter und Tochter eine größere Distanz geschaffen werden solle.

Limburg: Tochter aus Bad Camberg bittet in Brief um Entschuldigung

In einem Brief hat sich die 29-Jährige bei ihrer Mutter entschuldigt. "Ich war ihr nie böse, da ich weiß, dass sie die Tat nur begangen hat, weil sie krank ist. Eigentlich ist sie die tollste Tochter, die man sich vorstellen kann", sagte die Geschädigte in einer Verhandlungspause. Sie wünsche sich von ganzem Herzen, dass ihrem Kind endlich geholfen werde. "Die Kontrolle der Medikamenteneinnahme ist das Allerwichtigste. Dies wurde vor der Tat von Betreuern und Ärzten nicht genau genug erledigt", behauptete die 49-Jährige.

Obwohl die Staatsanwaltschaft im Verlauf der Verhandlung wiederholt die übermäßige Fürsorge der Mutter als Grund für die Tat nannte, möchte diese auch weiterhin engen Kontakt zu ihrem Kind haben. "Ich werde sie auch in Zukunft in der Klinik besuchen. Allerdings nicht mehr so oft, so dass sie ihr eigenes Leben aufbauen kann." Konflikte mit ihrer Tochter habe es laut der 49-Jährigen vor der Tat nicht gegeben. "Ich hatte auch nicht das Gefühl, zu sehr geklammert zu haben. Natürlich macht man sich als Mutter Sorgen, wenn das eigene Kind krank ist und ruft deshalb auch öfter bei ihr an, aber von überfürsorglichem Verhalten und ständigen Kontrollen kann nicht die Rede sein." 

Von Tobias Ketter

Zu einem anderen Vorfall kam es in Elz. Dort eskalierte ein Konflikt um eine Mülltonne plötzlich. Ein Mann wurde mit einem Baseballschläger verprügelt. Am Donnerstagabend ist ein Brand in der Stadthalle Limburg ausgebrochen - und das während einer laufenden Veranstaltung mit 220 Besuchern.

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