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Limburg: Ukraine-Krieg ist auch in Gambia zu spüren

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Die Schulkinder hatten in der langen Corona-Pause keine regelmäßigen Mahlzeiten mehr und waren unterernährt. Jetzt werden sie wieder regelmäßig versorgt.
Die Schulkinder hatten in der langen Corona-Pause keine regelmäßigen Mahlzeiten mehr und waren unterernährt. Jetzt werden sie wieder regelmäßig versorgt. © Privat

Heimische Spender sichern Schule "The Swallow"

Limburg -Nicht nur in Europa, auch in Gambia sind die Lebensbedingungen sehr schwierig geworden. Zuerst durch die Pandemie und jetzt macht auch das furchtbare Kriegsgeschehen in der Ukraine dem afrikanischen Kontinent zu schaffen. Vor allem für Lebensmittel sind die Preise stark gestiegen: "Ein Drama für Gambia, einem der ärmsten Länder der Welt", schreibt uns Annette Jaiteh, mit einem Gambianer verheiratete Limburgerin, die dort jahrelang die Schule "The Swallow" (Die Schwalbe) geleitet hat und ihr weiterhin eng verbunden ist.

200 bildungshungrige Kinder, deren Eltern in dem westafrikanischen Land zu den Ärmsten der Armen gehören, erhalten dort in einem Vorort der gambianischen Hauptstadt Banjul eine ordentliche Schulausbildung mit Verpflegung. Mit den Angestellten der Schule hoffen sie, dass ihnen trotz der angespannten Lage, wie sie auch in Deutschland spürbar wird, die Unterstützung aus der Region Limburg-Weilburg/Westerwald nicht verlorengeht.

Unter der Schirmherrschaft des Limburger Vereins "Komitee für Nothilfe" wird das vor 20 Jahren von einer belgischen Lehrerin gegründete private Schulprojekt regelmäßig von treuen Spenderinnen und Spendern aus der hiesigen Region unterstützt. Für diese Verbundenheit sind die Schülerinnen und Schüler wie auch das Kollegium sehr dankbar. Einige private Spender haben Patenschaften übernommen. Es engagiert sich unter anderem seit vielen Schuljahren die von der Firma Beck & Heun in Mengerskirchen begründete Initiative "Leben helfen". Mit im Boot der Sponsoren waren im vergangenen Jahr auch der Lions Club Limburg-Nassau, die Limburger Rotarier sowie der Verein "Eine Welt für Alle" Mengerskirchen.

Ständiger Austausch via Whatsapp

Annette Jaiteh, geborene Müller, hatte sich vor drei Jahren aus der Schulleitung zurückgezogen, um mit einer Stelle als Erzieherin in Frankfurt das Studium ihrer beiden Kinder in Deutschland zu ermöglichen und ihren alten Eltern in Limburg beistehen zu können. Dank Whatsapp steht die 57-Jährige in ständigem Kontakt mit "ihrer" Schule und berichtet: "Während meines Aufenthalts im vergangenen Sommer konnte ich mich von der bleibenden guten Qualität der schulischen Bildung sowie der Fürsorge und Unterstützung für die Kinder selbst überzeugen. Auch der Vorstand von ,The Swallow' in Gambia und Belgien hat ein wachsames Auge auf unsere Einrichtung, hier vor allem auf die Kontrolle der Buchhaltung - das Herz eines jeden spendenfinanzierten Projekts."

Die erfahrene Lehrerin Suwaibatou Bah, die vorher ihre Stellvertreterin war, leiste eine sehr gute und engagierte Arbeit, weiß Jaiteh. Das Kollegium sei mit viel Herzblut engagiert. Dank der Unterstützung hiesiger Sponsoren war "The Swallow" zu einem Vorzeigeprojekt geworden. Nachdem es durch hohe Corona-Zahlen vorher nicht möglich war, wird Annette Jaiteh "ihre" Schule im laufenden Jahr wieder besuchen.

Camp zum Thema "Virus und Hygiene"

Zum Beispiel wurde für Kinder der Schule und der Nachbarschaft ein einwöchiges Camp zum Thema "Virus und Hygiene" veranstaltet, bei dem unter anderem Seife selbst hergestellt wurde, Masken genäht und ein medizinisches Labor besucht wurde. "Uns war es immer wichtig, dass unsere Schützlinge verschiedene Berufe und Tätigkeiten kennenlernen, um der Migration vorzubeugen", sagt Jaiteh. Beispielhaft für die gute Bildung berichtet sie von Samuel Donkoh, der seine Architekturausbildung am Gambia Technical Training Institut abgeschlossen habe und nun mit älteren Schülern Projektarbeiten anleite.

Auch die Restauration von Schulmöbeln mit neuem Anstrich wird erlernt. Jaiteh: "Über Nachhaltigkeit braucht man in Gambia gar nicht zu reden. Fast alles wird so oft wie möglich repariert oder wiederverwendet."

Alle drei Monate werden die Schülerinnen und Schüler gemessen und gewogen. "Als die Schule nach einem langen Lockdown wieder öffnete, zeigte sich leider, dass alle Schülerinnen und Schüler sehr abgenommen hatten", berichtet die ehemalige Leiterin aus Limburg. Durch regelmäßige kostenfreie Mahlzeiten in der Schule hätten sich die Kinder rasch wieder erholt und dank Obst und Gemüse den Vitaminverlust ausgleichen können. "Daran sieht man, wie wichtig diese Schule für Kinder ist, die sich meist noch nicht einmal einen Bleistift leisten können", berichtet Annette Jaiteh, die allen Spendern im Namen der Schulleitung und ihren Schützlingen von Herzen dankt.

Spendenkonto

Wer die Schule in Gambia unterstützen möchte, kann eine Spende an das Komitee für Nothilfe Limburg e.V. unter dem Kennwort "Gambia" an IBAN DE42 5115 0018 0000 0015 52 überweisen.

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