Klage

Limburg: Der Umbau an der Bischofswohnung darf weitergehen

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Nach vier Monaten Baustopp am Bischofshaus gehen bald die Arbeiten weiter, damit die ehemalige Wohnung öffentlich genutzt werden kann. Die Kosten werden halbiert – sind aber immer noch doppelt so hoch wie zunächst geplant. Der nach Meinung des Bistums dafür Verantwortliche klagt in dieser Woche vor dem Arbeitsgericht gegen seine fristlose Kündigung.

Himmlische Ruhe auf dem Domberg. Die Stadt hat die Tiefbauarbeiten am Wochenende eingestellt – allerdings nur wegen des Altstadtfestes und der Operngala. Am 9. Juli geht’s weiter.

Nebenan, am weltweit berühmten Bischofshaus, herrscht schon seit vier Monaten Baustopp. Aber auch dort werden die Arbeiten bald fortgesetzt. „Die Gremien der Vermögensverwaltung des Bistums haben jetzt die Mittel bewilligt“, sagte Bistumssprecher Stephan Schnelle auf Anfrage dieser Zeitung. Die Umgestaltung der Bischofswohnung in öffentliche Räume – vor allem für das angrenzende Diözesanmuseum – soll nun 225 000 Euro kosten.

Das ist zwar immer noch mehr als doppelt so viel wie geplant, aber nur etwa die Hälfte der Summe, die ohne die „Notbremse“ fällig geworden wäre.

Maximal 100 000 Euro wollte das Bistum aufbringen, um die Wohnung zum Museum zu machen und einen Zugang zu schaffen. Man habe nicht viel umbauen wollen, sagte Bischof Georg Bätzing, sondern mit minimalen Mitteln lediglich die Auflagen erfüllen wollen. „Alles andere kann man niemandem verständlich machen“, sagte Bätzing. Was passiert sei, könne er selbst nicht verstehen.

Ob es das große Baugerüst war, das die Verantwortlichen im Bischöflichen Ordinariat (BO) plötzlich stutzig machte? Oder die ersten Rechnungen? Der neue Skandal fiel auf, als die Wiedereröffnung des Diözesanmuseums näher rückte und man wissen wollte, ob denn auch die zusätzlichen Räume zur Verfügung stünden. Daran war Anfang März nicht zu denken.

Das veranschlagte Budget war da freilich schon aufgebraucht: für Planungs- und Handwerkerleistungen, ohne das viel zu sehen gewesen wäre. Die vergebenen beziehungsweise erforderlichen Arbeiten hätten insgesamt gut 400 000 Euro verschlungen. Der Bischof und die Führungsriege im BO reagierten empört. In diesem Fall ging es ihnen wohl nur nebensächlich um Geldverschwendung und Fehlplanung, sondern mehr ums Prinzip und ums Image. Die gigantische und lange vertuschte Kostenexplosion beim Bau der schließlich 31 Millionen teuren Bischofsresidenz hatte das Bistum weltweit in die Schlagzeilen gebracht und zum Sturz des damaligen Bischofs Franz-Peter Tebartz-van Elst geführt. Angeblich waren lediglich vier Personen eingeweiht: Tebartz, der Generalvikar, der Architekt und der Diözesanbaumeister. Der Leitende Mitarbeiter sah sich damals nur als ausführendes Organ, der den Anweisungen des Bischofs Folge leisten musste.

Damit sich ein solcher Vorgang nie mehr wiederholen sollte, stellte das Bistum die gesamte Finanz- und Vermögensverwaltung neu auf. Auflagen, Kontrollen und Transparenz bildeten die Eckpfeiler. Doch ausgerechnet der Diözesanbaumeister soll sie eigenmächtig eingerissen und sich nicht an die klaren Vorgaben wie das Vier-Augen-Prinzip gehalten haben. So gab es den zweiten Skandal um das Bischofshaus, wenn auch einen kleinen.

Stephan Schnelle sagte Mitte März, das BO habe erst wenige Tage vorher vom Umfang der Baumaßnahme erfahren und dass bereits im November ein Architektenvertrag abgeschlossen und Fachplaner beauftragt worden seien. Die Arbeiten seien offiziell nicht ausgeschrieben und es seien noch nicht einmal Planungsmittel beantragt worden. Also habe der Umbau des Bischofshauses auch nicht auf der Bauliste des Bistums gestanden – und deshalb seien auch keine Mittel im Haushalt eingestellt worden.

Generalvikar Wolfgang Rösch stellte den Diözesanbaumeister zunächst frei und schickte ihm wenige Tage später die fristlose Kündigung. Eine Entscheidung, die nicht alle im BO begrüßten, weil der Kollege ja auch jahrelang gut gearbeitet habe.

Der Mann klagt nun vor dem Arbeitsgericht in Wiesbaden. Ein Gütetermin blieb ohne Ergebnis; auf die Möglichkeit eines zweiten Gütetermins verzichteten die Parteien. Am Donnerstag wird in einem

Kammertermin

verhandelt und möglicherweise entschieden.

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