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Symbolbild: Was wirklich in dem Reitstall geschah, kann nicht beantwortet werden.

Prozess

Unsittliche Berührung im Reitstall: Zeuginnen verwickeln sich in Widersprüche

Aus Mangel an Beweisen ist ein 69-jähriger Mann vom Amtsgericht Limburg freigesprochen worden. Ihm war vorgeworfen worden, zwei minderjährige Mädchen unsittlich berührt zu haben. 

Limburg - Was tatsächlich während der vergangenen Jahre in jenem Reitstall im Kreis Limburg-Weilburg vorgefallen ist, bleibt ungeklärt. Fest steht nur, dass die Beweise gegen einen 69-jährigen Mann nicht für eine Verurteilung wegen unsittlicher Berührung von zwei Minderjährigen ausreichen. Zu viele Ungereimtheiten, Widersprüche und ungewöhnlich erlangte Ermittlungsergebnisse haben den Prozess begleitet, sind sich Staatsanwalt, Verteidiger und die vorsitzende Richterin Bettina Kilian am Ende einig.

Limburg: Daten und Fakten in den Aussagen der mutmaßlichen Opfer geraten durcheinander

Dabei hatte sich die Richterin viel Zeit für die Belehrung der beiden jungen Frauen genommen, die mittlerweile 17 und 18 Jahre alt sind. Sie müssten die Wahrheit sagen, nichts weglassen oder hinzudichten, mahnt sie. Falschaussagen seien strafbar. Das müsse ihnen klar sein. Dennoch geraten Daten und Fakten in den Aussagen der beiden durcheinander oder weichen von ihren Angaben bei der polizeilichen Vernehmung ab. 

Auch klaffen immer wieder größere Erinnerungslücken, etwa darüber, wie das Handy der heute 17-Jährigen zu Bruch ging. Abweichend von ihrer ursprünglichen Angabe, das Mobiltelefon sei hingefallen, als der Mann vom Reiterhof ihr auf den Arm geschlagen habe, erklärt sie nun vor Gericht, ein Pferd habe sie gestoßen. Auch darüber, ob und wann sie sich ihrer Großmutter, bei der sie damals lebte, über mögliche sexuelle Übergriffe anvertraut hat, variieren die Äußerungen.

Limburg: Videoaufnahme getätigt – Nicht spontan das Vertragsverhältnis mit Reiterhof gekündigt

Diese Flexibilität der Aussagen setzt sich bei der heute 18-Jährigen fort. Auch sie hatte behauptet, unsittlich berührt worden zu sein. Um den 69-Jährigen zu überführen, habe sie sich mit ihrer Mutter und Tante eine List überlegt, berichtet sie: Sie habe ein Handy im Stall deponiert, um das Treiben des von ihr Beschuldigten aufzunehmen.

Die Mutter gab im Verfahren an, gemeinsam mit der Tante das Kind tatsächlich zum Reiterhof gefahren, dann aber die Zeit, während der die Videoaufnahme entstehen sollte, mit Eisessen verbracht zu haben. Weshalb sie ihre Tochter allein auf das Anwesen gehen ließ, auf dem dem Kind nach ihrer eigenen Einschätzung eine Gefahr drohte, beantwortet die Mutter mit dem Hinweis, die Pferde hätten versorgt werden müssen. Aus diesem Grund habe man auch nicht spontan das Vertragsverhältnis mit dem Reiterhof kündigen können.

Limburg: Video erhärtet Anschuldigungen nicht – Unangemessene Kommentare zu hören

Das entstandene Video erhärtet die Anschuldigungen indes nicht. Man betrachte minutenlang eines der Mädchen, wie es um sein Pferd herumgehe, berichtet Richterin Kilian. Übergriffe des 69-Jährigen auf das Mädchen sind nicht zu sehen. Allerdings sollen auf dem Mitschnitt unangemessene Kommentare zu hören sein, sagt Staatsanwalt Thomas Pohling. Und die ließen sich durchaus zweideutig interpretieren.

Dennoch: Tragfähig für eine Verurteilung sind die Beweise nicht. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Von Anken Bonhorst

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